BRENNENDES PFERD - Waslaw Nijinski, fragmentarische Partitur seines LebensTheater ThikwaF40-Kunsthöfe |
Alexander Lange als Puppenspieler und Peter Pankow als Erzähler.
Foto: Martin Pfahler, Fotogalerie
Fotogalerie Sabine Brinker
Leben, Tagebuch und Werk des Tänzers und Choreographen Waslaw Nijinski inspirierten die Filmemacherin, Kamerafrau und Regisseurin Elfi Mikesch zu diesem Theaterstück. Ihre Probenarbeit wird am 5. September 2009 in dem Film "24 Stunden Berlin" auf Arte und RBB gesendet. Der 24-stündige Dokumentar-Film zeigt von 19-20.30 Uhr Ausschnitte aus dem Leben in Berlin vom 5.9.2008.
Szenen aus Nijinskis Leben und Bühnenschaffen werden wie in einem Kaleidoskop bunt durcheinander gewirbelt. Bühnenfiguren aus Werken wie Petruschka oder Nussknacker tauchen gleichberechtigt neben Figuren aus Nijinskis Leben auf. Ja sogar der Erzähler und die Figur, die immer wieder Passagen aus Nijinskis Tagebuch zitiert, werden in das Spiel verwickelt. Es geht um Liebe, Angst, Eifersucht, Tod und Wahnsinn. Von der leitmotivisch strukturierten, zitatreichen Live-Musik noch verstärkt, wird die Szene zum Zerrspiegel menschlicher Tragik, hinter dem der Humor Paroli bietet.
"Ich liebe die Possen, da ich ein Clown Gottes bin. ...
Ich weiß, alle werden sagen ,Nijinski ist verrückt geworden', aber mir ist das egal, denn ich habe schon zu Hause den Verrückten gespielt. ...
Ich war mir des Erfolgs sicher. Ich arbeitete wie ein Pferd. Das Pferd wurde völlig abgehetzt, denn es strauchelte und verstauchte sich den Fuß."
(aus Waslaw Nijinskis Tagebuch 1918/19)
Waslaw Nijinski, zwischen 1888 und 1890 in Kiew geboren und 1950 in London gestorben hatte die kaiserliche Tanzakademie in Sankt Petersburg besucht und machte eine glanzvolle aber kurze Karriere als Tänzer und Choreograph. Er galt als künstlerischer Revolutionär. In "Nachmittag eines Fauns" durchbrach er die Ballettpositionen, stellte die Tänzerinnen von der Spitze auf die Verse und zeigte die vermutlich erste Onanie-Szene der Bühne. Als Tänzer war er für seine Schwerelosigkeit bekannt, da er Sprünge scheinbar in der Luft anhalten konnte. Nach einer Nordamerika-Tournee 1916 wurden seine psychischen Probleme deutlicher. 1919 erlitt er einen Nervenzusammenbruch. Eugen Bleuler diagnostizierte Schizophrenie. Die Schwiegereltern liesen ihn von einem Züricher Hotel gewaltsam in eine Klinik bringen. Er trat nie wieder auf. Bis 1948 zog seine Frau Romola mit ihm durch Europa und suchte immer wieder neue Ärzte und Kliniken.
Igor Strawinskis Ballett Petruschka handelt von einem Puppentheater auf dem Moskauer Buttermarkt. Petruschka leidet unter seiner Hässlichkeit. Er verliebt sich in die schöne Ballerina, stört ihre Liebelei mit dem Mohr und wird von diesem umgebracht. Sein Geist erscheint und verhöhnt den Puppenspieler, der verstört flüchtet.
Elfi Mikesch, Filmemacherin, Fotografin, Regisseurin, Kamerafrau und Autorin arbeitete u.a. mit Rosa von Praunheim, Werner Schroeter, Monika Treut und Peter Lilienthal. Sie erhielt neben anderen Auszeichnungen einige Bundesfilmpreise. "Brennendes Pferd" ist ihre erste Theater-Regie. Nachdem sie eine Nijinski-Biografie gelesen hatte, entstand ihre Idee, mit Fragmenten aus dem Leben des Tanzgenies ein Theaterstück für Thikwa zu entwickeln. Sie kennt das Thikwa-Ensemble schon aus den 90ern. "Verrückt bleiben, verliebt bleiben", ihr Film-Porträt eines Thikwa-Schauspielers, erhielt 1997 den 3sat-Dokumentarfilmpreis und den Großen Dokumentarfilmpreis von Minsk.
Konzept + Regie: Elfi Mikesch. Mit Dominik Bender, Sabrina Braemer, Heidi Bruck, Rickie Eden, Wolfgang Fliege, Conny Glowniewski, Karol Golebiowski, Corinna Heidepriem, Torsten Holzapfel, Alexander Lange, Jannette Lange, Vincent Martinez, Almut Lücke-Mündörfer, Peter Pankow, Tim Petersen, Patricia Schulz. Live-Musik: Vincent Martinez, Andreas Wolter. Musikkomposition: Andreas Wolter. Choreographie: Helene Wawer. Bühne: Isolde Wittke. Kostüme: Gerlinde Altenmüller. Regieassistenz: Margita Zalite. Licht: Urs Hildbrand. Kostümherstellung: Heike Braitmayer. Kostümassistenz: Sonia Vilbonnet. Mentorin: Bente Schmidt. Produktionsleitung: Klaus Altenmüller
TICKETS: 14,- / ermäßigt 8,- / 3-Euro-Kulturticket / Gruppen ab 10 Besuchern bekommen pro Karte 1 Euro Nachlass
+ + + P R E S S E S T I M M E N + + +
Verliebt, verrückt, verloren, Der Tagesspiegel, 12.9.08
Sie kann in ihren Armen fließen, taz, 12.9.08
Die Ängste eines Genies, www.theaterkritiken-berlin.de, 11.09.08
Er war nicht verückt, er konnte nur fliegen, Berliner Zeitung, 10.9.08
Nijinskis Leben als poetischer Bilderbogen, Berliner Morgenpost, 5.09.08
Premiere "Brennendes Pferd" im Theater Thikwa, Neues Deutschland, 4.09.08
Hinreißendes tänzerisches Gesamtkunstwerk von Ausnahmeschauspielern über einen Ausnahmetänzer ... Wie aber ist das Wunder gelungen, diese Tragödie epischen Ausmaßes, diese so viele Sprachen der schönen Kunst sprechende Erzählung, umzusetzen? ► http://jetzt.sueddeutsche.de, 17.09.09
+ + + english information + + +
Burning Horse - Waslaw Nijinski, fragments of his life
Inspired by the life of the extraordinary dancer and choreographer Waslaw Nijinski, awardwinning filmmaker and director of photography Elfi Mikesch created a kaleidoscopic play about love and pain, jealousy, lunacy and death. Figures from ballets like Petrushka and Nutcracker interact with figures from his life. Out comes an overwhelming balancing act between human tragedy and humour.
Termine
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http://kulturportal.de/-/organisationen/detail/39234
Telefon: ETB 030/693 56 92, Thikwa 69 50 50 920
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