MAISON DE SANTÉ - Komödie zum 200. Geburtstag von Edgar Allan PoeTheater Thikwa & Theater zum westlichen StadthirschenF40-Kunsthöfe |
Heidi Bruck und Dominik Bender Foto: David Baltzer
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Backstage-Foto 8 und 9 von Michael Bause
Frei nach Poes Erzählung Die Methode Dr. Thaer & Prof. Fedders
Ob du als Genie, Heiliger oder als Wahnsinniger giltst, das entscheidet die Wertegesellschaft. Ob jemand zu den Patienten oder zum Personal in der Psychiatrie gehört, kann ein Zufall seiner Lebensgeschichte sein. Was passiert, wenn die Patienten dem Zufall ein bisschen nachhelfen?
Ein Berliner Medizinstudent reist 1830 nach Südfrankreich. Dort besucht er eine Einrichtung für Menschen mit geistigen Behinderungen, die angeblich eine humane Methode aus England anwendet: Die Methode Dr. Thaer & Prof. Fedders. Der leitende Arzt verspricht eine Führung durch die Einrichtung, lädt den Studenten aber erst mal zum Dinner. Noble Herrschaften unterhalten ihn dort mit außergewöhnlichen Geschichten bei erlesenen Speisen, Musik und Tanz. Die feinen Leute sind phantasievoll, gebildet, hochmusikalisch und doch irgendwie schräg. Welche Geheimnisse bergen das prunkvolle Schloß und seine Bewohner? Kippt der Abend? Wohin?
Mit Werner Gerbers Inszenierung in den gesamten Raum hinein und dank Isolde Wittkes Raumgestaltung weg von der Guckkasten-Bühne, werden die Zuschauer fast zu Teilnehmern einer Dinner-Party. Das Konzept und viele Textpassagen wurden gemeinsam mit den Darstellern entwickelt und verfasst. Viele brachten dabei eigene Erfahrungen aus Behinderteneinrichtungen und der Psychiatrie mit ein.
Poe-Fans kommen voll auf ihre Kosten, denn es werden auch Textpassagen aus Der Park von Arnheim, Der Untergang des Hauses Usher, Annabel Lee, Die Glocken und Der Schatten zitiert.
MIT Anna-Katharina Andrees, Dominik Bender, Heidi Bruck, Jonny Chambilla, Ronny Dollase, Wolfgang Fliege, Torsten Holzapfel, Almut Lücke-Mündörfer, Vincent Martinez, Peter Pankow, Tim Petersen, Patricia Schulz, Roland Strehlke, Jan Uplegger REGIE + FASSUNG Werner Gerber KONZEPTIONELLE BEGLEITUNG Gerlinde Altenmüller RAUM Isolde Wittke LICHT Urs Hildbrand KOSTÜM Ulv Jakobsen DRAMATURGIE Anke Mo Schäfer ASSISTENZ Bente Schmidt PRODUKTIONSLEITUNG Klaus Altenmüller + Dominik Bender
TICKETS: 14,- / ermäßigt 8,- / 3-Euro-Kulturticket / Gruppenrabatt
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Eine Reise ins Glück
Vollkommener Abend: "Maison de Santé"
Cosima Lutz, Berliner Morgenpost, 24.1.05, über die Premiere im Tacheles
Mildes mediterranes Licht scheint auf den Mauern zu tanzen. Ein Berliner Medizinstudent (Patrick von Blume) und mit ihm die Zuschauer reisen 1830 nach Südfrankreich, um ein modern geführtes Irrenhaus zu besuchen. "Maison de Santé - Einladung zur feinen Gesellschaft" nach einer Erzählung von Edgar Allan Poe spiegelt in einer Koproduktion des "Theaters zum westlichen Stadthirschen" und dem "Theater Thikwa" das übliche Hinterfragen der Zuschreibungen von "irr" und "normal" gleich mehrfach: Schauspieler spielen Verrückte, die "Normale" spielen; Behinderte spielen "Normale", die vielleicht doch verrückt sind. Wo andere Theaterarbeiten dieser Art aufhören, fängt es hier erst an: Was im Tacheles passiert, ist die totale Kunst.
Bevor der Gast die Einrichtung zu sehen bekommt, wird er vom Direktor (Dominik Bender) zum Diner geladen, einem karnevalesken Mahl mit hoher Balladenkunst und ungehobeltem Bänkelsang: "Hier tanzt das einfache Volk mit der feinen Gesellschaft." Der Gast ist das alter ego des Zuschauers, der es ganz genau wissen will - bis er durchdreht. Immer alles schön rauslassen, beruhigt ihn Prinzessin Annabelle (Heidi Bruck). Der Menschenversteher wird zum medizinischen Fall.
Verwoben mit Texten und Liedern der Spieler, gerät Poes Erzählung in feinere Schwingungen, als soziale Nachdenklichkeit es fassen würde. Von der subtilen Lichtregie über das aufbrandende Stimmenchaos bis hin zu den leisen, vornehmen Dienern (Jonny Chambilla, Ronny Dollase) fällt nichts heraus aus diesem Stück um Freiheit und Kontrolle. Werner Gerbers Regiearbeit und Benders Rolle als autoritär-respektvoller "primus inter pares" bekennen sich nicht wohlfeil zur Souveränität der Behinderten; sie stehen und fallen mit den Denk-Bewegungen aller ihrer Künstler. Dies ist nicht erstaunlich, sondern zutiefst schön: Nicht nur zur Einsicht, daß die Grenzen zwischen "Wahn" und "Sinn" willkürlich sind, nein: zum "Genießen" will der Direktor seinen Gast bewegen.
Der grübelnde Reisende muß es am Ende allein aushalten mit seinen Albträumen; der gestärkte Zuschauer aber, der sich dem Genuß dieser genialen Arbeit anvertraut, erlebt einen Theaterabend vollkommenen Glücks.
Berliner Luft
Gesundheit!
Hans-Joachim Neubauer, Rheinischer Merkur, 14.4.05
Nein, nicht Heuschnupfen! Auch Ministerin Ulla Schmidt hat hier nichts zu suchen. Wir stellen nur rasch die Frage: Wer ist eigentlich krank und wer gesund, und was genau hat das zu bedeuten? Wenn all die Genforscher, Ethikrater und Entscheider, die momentan über Genommedizin nachdenken, etwas lernen wollen, müssen sie ins Off-Theater gehen.
Als Schwester Annemarie mit einem Teller voller Tabletten herumgeht und sie den Zuschauern anbietet, greift kaum einer zu. Wer ins „Tacheles“ gekommen ist, um „Maison de Santé“ zu sehen, sieht sich vor. Könnte ja sein, dass die kleinen bunten Bonbons doch sind, was sie scheinen sollen. Nämlich Medizin. Das Pillen-Angebot gehört zur Vorstellung, die Regisseur Werner Gerber mit dem Behinderten-Theater Thikwa und dem Theater zum westlichen Stadthirschen inszeniert hat. In langen Reihen verdoppeln die Zuschauer die Gäste eines feinen Diners, sitzen da und fragen sich, wer von den Darstellern nun verrückt oder behindert oder verhaltensauffällig ist und wer nicht und ob die, die es sind, so tun, als wären sie es nicht. Und umgekehrt.
Das Stück folgt Edgar Allan Poes Erzählung "Die Methode Dr. Thaer & Prof. Fedders": Ein deutscher Student besucht ein französisches Irrenhaus. Zu Beginn erscheint alles normal, dann, nach und nach, kommen ihm Zweifel, ob die Verhältnisse sind, was sie scheinen. Eine merkwürdige Prinzessin, seltsame Bedienstete, ein neurotischer Arzt und viele andere irritierende Gäste bringen das Bild von krank und gesund ins Wanken. Im Theater wird das zu einem unvergesslich anarchischen Erlebnis voller Spielfreude, Raffinement und schneidender Ironie.
Mit den Erbkrankheiten will die Genforschung auch die Erbkranken abschaffen. Leute wie die vom Thikwa-Theater soll es nicht mehr geben, irgendwann werden wir alle prima gesund sein. Blond und blauäugig sowieso. Bis es so weit ist, sitzen wir im Theater Thikwa, lutschen süße Tabletten und fragen uns, wer und wie wir sind. Ganz sicher sind wir uns da lieber nicht.
Normalität in Frage gestellt
Inka Müller, Allgemeine Zeitung, Mainz, 13.09.2005
... Gesittet geht es hier nicht zu. Lieber wird musiziert, gezappelt und gebrabbelt. Dabei geht es nicht gerade harmonisch zu. Wie aus geschüttelten Limoflaschen sprudeln die Gefühle hervor: Überschäumend und explosiv. Schwippschwapp. Das entspricht so gar nicht dem schalen Temperament des Besuchers, der sich Sätze a la "das Sauerkraut schmeckt vorzüglich" herbeisehnt. Allmählich beginnt er sich zu fragen, ob er Personal oder Patienten vor sich hat. Oder sind die Verrückten die Normalen und er selbst verrückt? Und der integrierte Zuschauer rätselt, welche Rolle er selbst innehat und ob er nicht auch ein Verrückter ist, der einen Normalen spielt.
Vergessen Sie den Sinn
Susanne Wallentin, Der Tagesspiegel,03.02.2005
Der Zuschauer ist angenehm irritiert, der Student wird – weil er alles genau hinterfragt – selbst verrückt.
Kurzbericht auf Radio EINS von Verena Klein, 14.05.09
... Das Zusammenspiel von behinderten und nicht behinderten Künstlern ist wirklich außergewöhnlich gut. Alle Rollen sind skurrile liebenswürdige Persönlichkeiten, die bis ins kleinste Detail mit ganz viel Witz und Feingefühl gespielt werden. Das ganze erlebt man hautnah, weil das Publikum quasi auf der Bühne sitzt, also mit am Dinnertisch und durch geschickte Lichteffekte wird dieses Gefühl noch verstärkt. ... Das Stück ist für jeden was, der richtig herzlich lachen möchte, und der zulässt, dass seine Welt einen Abend lang mal auf dem Kopf steht bis man sich am Ende sogar selbst fragt: Bin ich jezt eigentlich verrückt oder normal?
Termine
momentan sind keine Termine eingetragenKontakt:
10965 Berlin
http://kulturportal.de/-/organisationen/detail/39234
Telefon: ETB 030/693 56 92, Thikwa 69 50 50 920
Kultur aktuell in Berlin
03.02. - 18 Uhr
Berlin - Figurentheater Grashüpfer
Berichtigung zum letzten Newsletter
03.02. - 16 Uhr
Berlin - Grips Theater
GRIPS-Quiz zu FRAU MÜLLER MUSS WEG
03.02. - 16 Uhr
Berlin - Netzwerk Neue Musik
Newsletter Februar 2012
Berlin - STADTMUSEUM BERLIN
FAMILIENFÜHRUNG: Wer schwimmt und krabbelt durch Berlin?
Berlin - MariPosa Verlag
Die schwarze Dogge Emma
Berlin - edition karo im Verlag Josefine Rosalski
TOTER WEDDING - kiezkrimi aus Berlin
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Ab ins Netz! Steigen Sie ein ins Internet!
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11.02.2012 - Berlin
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