Platonowvon Anton TschechowStaatstheater Nürnberg |
Platonow, einst ein hoffnungsvoller Student, fristet mit der ungeliebten Frau Sascha und seinem kleinen Sohn ein trostloses Provinzdasein als Dorfschullehrer. Nur sein bitterer Zynismus erhält ihn noch am Leben. Zu schwach, den Frauen zu widerstehen, spielt er den charmanten Verführer und sarkastischen Hofnarren und wird dabei zum unfreiwilligen Provinz-Don-Juan.
Nach einem endlos langen und langweiligen Winter trifft sich die Provinzgesellschaft bei der bankrotten Gutsbesitzerin Anna Grekova zu einer ausgelassenen Abendgesellschaft. Lebensgierig und liebessehnsüchtig himmelt sie Platonow an und verzeiht ihm jede Grobheit. Seine Jugendliebe Sofia, die er dort zufällig trifft, ist bereit, ihren Mann für ihn zu verlassen und die junge Maria will ihn aus seiner Traurigkeit retten. Hin- und hergerissen zwischen einem Leben, das ihn anödet und den Verlockungen eines Neuanfangs, tritt Platonow selbstmitleidig auf der Stelle. Ein Selbstmordversuch seiner Frau, die hinter seine Affären gekommen ist, Platonows Anfall von Selbsterkenntnis, der in Todessehnsucht umschlägt und schließlich ein Pistolenschuss setzen dem Reigen von tragikomischen Begegnungen ein Ende.
Mit viel Sinn für die menschliche Komödie und die lächerlichen Seiten von Vergangenheitsseligkeit und Gegenwartsflucht entwirft Tschechow in "Platonow" ein dramatisches Panorama einer zum Untergang verurteilten Gesellschaft im russischen Zarenreich. Damit ist das Erstlingswerk bereits ein schillernder Prototyp für Tschechows späteren Meisterwerke wie "Der Kirschgarten", "Drei Schwestern", "Die Möwe" oder "Onkel Wanja". Das 1920 im Nachlass Tschechows gefundene titellose Manuskript entstand zwischen 1877 und 1881 und wurde später nach der Hauptfigur "Platonow" benannt. Die Uraufführung fand 1959 in Mailand statt. Unter dem Titel "Die Vaterlosen" erschien 1973 die erste vollständige deutsche Übersetzung.
Inszenierung: Georg Schmiedleitner
Bühne und Kostüme: Florian Parbs
Dramaturgie: Kathrin Mädler
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