Szene aus JUGEND OHNE GOTT
Lausitzer Straße 33,
03046
Cottbus
Tel. 0355 78 24 242
Jugend ohne Gott
Ein Gesellschaftsporträt nach Ödön von Horváth
In einem Schulaufsatz stehen rassistische Äußerungen. Als die Lehrerin dies vor der Klasse problematisiert, erntet sie geeinten Gegenwind. Resignation setzt ein. Doch wenig später findet das Maß der Verrohung unter den Jugendlichen seinen Höhepunkt, als auf einer Klassenfahrt ein Mord geschieht. Ein Schüler gesteht, doch scheint er nicht der wahre Täter zu sein. Zwischen Verdächtigungen, Intrigen und Hass – aber auch inmitten typischer Probleme Heranwachsender – versucht die Lehrerin die Wahrheit aufzudecken. Nur bringen sie die Auseinandersetzung mit der Schülerschaft selbst an die Grenzen von Recht und Gewissen.
Die Lehrerin findet sich in JUGEND OHNE GOTT buchstäblich im Zentrum eines Gesellschaftsporträts, das drei Generationen umfasst. Die Mitdreißigerin reibt sich selbst noch an dem, was die Älteren ihr mitgeben möchten. Gleichzeitig steht sie mit den moralischen Ansprüchen ihrer eigenen Generation vor der jugendlichen Klasse, die scheinbar völlig ihren moralischen Kompass verloren hat.
Ödön von Horváth schildert in seinem 1937 erschienenem Roman „Jugend ohne Gott“ das Aufkommen totalitärer Tendenzen in der frühen NS- Zeit am Mikrokosmos Schule. Heute scheint seine aufrüttelnde Warnung vor einer emotional übergangenen Jugend und ihrer Verführbarkeit zu Gewalt und autoritärer Gesinnung wieder von erschreckender Aktualität. Anlass dafür, den Stoff auf den Spielplan zu bringen, waren u.a. die jüngsten Ergebnisse unter Erstwählenden sowie die rassistischen Vorfälle an einer Schule bei Cottbus. Beides hatte eine generelle Debatte über einen vermeintlichen Rechtsruck unter Jugendlichen und über Verantwortlichkeiten ausgelöst.
Die Cottbuser Inszenierung katapultiert die Handlung an einen zeitlich unkonkreten Ort, der auch als nahe Zukunftsdystopie gelesen werden könnte. Hier seziert Regisseur Janis Knorr wie in einem Thriller die Gefühlswelten von Heranwachsenden sowie die ihrer mal kämpfenden, mal resignierenden Lehrerin im Kontext emotionaler und gesellschaftlicher Zwänge.
Alle Termine
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23.10.2026, 19:30 Uhr
Staatstheater Cottbus (Kammerbühne)
Wernerstraße 60
03046 Cottbus
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