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Kulturinsel

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Fast ganz die Deine Monolog und Songs über die Liebe nach Marcelle Sauvageot „Der Mann ist. Alles scheint zu seiner Verfügung zu stehen.“ Weil sie krank ist, muss sich die Protagonistin in „Fast ganz die Deine“ von ihrem Geliebten verabschieden. Kurz nach ihrer Ankunft in einem Sanatorium erreicht sie seine Nachricht: „Ich heirate, unsere Freundschaft bleibt.“ „Glauben Sie, dass das nötig ist?”, antwortet die zunächst romantisch Liebende und erkundet schließlich Liebe als intersubjektive Erfahrung: „Ist der, für den man geschaffen ist, nicht der, für den geschaffen zu sein man annimmt?” In den posthum veröffentlichten Briefen Marcelle Sauvageots (1900-1934) sind Kämpfe um Geschlechtergerechtigkeit und die Überwindung heteronormativer Lebens- und Liebesentwürfe in einer patriarchalen Welt vorausgreifend angelegt. Das Theaterkollektiv Polyformers kombiniert die autobiographischen Texte mit Songs und Fremdtexten feministischer Literatur sowie persönlichen Ansichten zu einem Stoff, der das Ideal der Liebe sowie deren Dekonstruktion untersucht.

Berlin, 14.09.2023


Fast ganz die Deine


Monolog und Songs über die Liebe nach Marcelle Sauvageot



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„Warum fragen Sie mich: ‚Ob es denjenigen gibt, für den Sie geschaffen sind?‘ Zu einer Frau sagt man: ‚Der, für den Sie geschaffen sind‘ und zu einem Mann: ‚Die, die für Sie geschaffen ist‘; hört man je: ‚Die, für die Sie geschaffen sind? Der Mann ist: alles scheint zu seiner Verfügung zu stehen...”



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eine Produktion von Polyformers

mit „Fast ganz die Deine – Monolog und Songs über die Liebe“ nach Marcelle Sauvageot bringt das Theaterkollektiv Polyformers den autobiografischen und einzigen veröffentlichten Text der Französin Marcelle Sauvageot (1900-1934) auf die Bühne. Polyformers greifen in ihrer Bühnenfassung auf, was in den Worten der Autorin bemerkenswert vorausgreifend angelegt ist: tagtäglich dringende Diskurse und Kämpfe um Geschlechtergerechtigkeit und die Überwindung heteronormativer Lebens-und Liebesentwürfe. Wie viel sich hat sich in den letzten 90 Jahren seit Veröffentlichung des Textes verändert und was besteht fort?

Polyformers kombinieren den Text der Französin mit Songs und Fremdtexten feministischer Literatur sowie Interviews mit jungen Frauen von heute. Weil sie krank ist, muss sich die Protagonistin in „Fast ganz die Deine“, wie die Autorin, von ihrem Geliebten verabschieden. Kurz nach ihrer Ankunft in einem Sanatorium, erreicht sie seine Nachricht: „Ich heirate, unsere Freundschaft bleibt.“
Die anfangs romantisch Liebende, reagiert mit einer Serie von Texten auf diese Abschiedsworte. In ihrer Antwort, „Glauben Sie, dass das nötig ist?“, steckt der Anstoß für literarische Erkundung von Liebe, ihrer ebenso wie allgemein von Beziehung als gesellschaftliches Konstrukt und schließlich ihres Selbst. Vergangenheit gehört bewältigt, Gegenwart muss ertragen werden. Die nie abgeschickten und posthum veröffentlichten Briefe, geschrieben zwischen dem 7. November und dem 24. Dezember 1930, manifestieren Sauvageots tief empfundenes Wissen um soziale Ungleichheit und strukturelle Abhängigkeiten in einer patriarchal geprägten Welt. Zugleich sind sie der Versuch, Selbstermächtigung in der eigenen Sprache zu finden. So gelingt es Sauvageots Protagonistin schließlich, den Blick über alle Konstruktionen und Rollenbilder hinaus auch auf die Bedingungen und Möglichkeiten von Liebe als intersubjektive Erfahrung überhaupt zu wenden: »Ist der, für den man geschaffen ist, nicht der, für den geschaffen zu sein man annimmt?« Unabhängigkeit und Willensstärke paaren sich mit Selbstkritik und Zweifel. Beides tritt als Teil des Prozesses der Selbstfindung und -erhaltung vor den Herzschmerz. Brüche und Sprünge einer Lebensphase kommen zum Vorschein, dienen jedoch vor allem als Stoff für die radikale Dekonstruktion von Liebe und ihrer sozialen Bedingtheit.

Spiel: Maj-Britt Klenke
Livemusik: Almut Lustig
Regie & Projektleitung: Fabian Rosonsky
Bühne & Kostüme: Sarah Methner
Dramaturgie: Lene Gaiser
Songs & Komposition: Matthias Erhard
Kommunikation: Sandra Ellegiers



POLYFORMERS - Kollektiv für freie Theaterprojekte, sind Lene Gaiser, Sarah Methner und Fabian Rosonsky. Sie realisieren seit 2021 gemeinsam freie Theaterproduktionen. Der Name ist dabei Programm: Das Spektrum reicht von Monologadaptionen kaum etablierter Textvorlagen bis hin zu Stückentwicklungen zu gesellschaftlich- politischen Themenkomplexen wie zum Beipsiel der reichsideologischen Szene, die kürzlich im Projekt KÖNIG VON DEUTSCHLAND ( zu sehen am Theater unterm Dach am Mi. 18.10. / Do. 19.10. /Fr. 20.10.2023) beleuchtet wurde. Schwerpunkte ihres Interesses liegen dabei auf recherchebasierten, dokumentarischen Ansätzen, interaktiven Formaten und der Arbeit im ländlichen Raum, wie zuletzt mit dem Projekt UNSER TÄGLICH BROT in Seyda in Sachsen-Anhalt.

Das Projekt wird gefördert durch das Amt für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamts Pankow von Berlin und die Heinz und Heide Dürr Stiftung.



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Theater unterm Dach
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Weitere aktuelle Stücke finden Sie hier im Spielplan




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Das Theater unterm Dach, kurz TuD genannt, liegt im Kulturareal im Ernst-Thälmann-Park. Es ist ein zentraler Produktions- und Aufführungsort für zeitgenössisches Sprechtheater der Freien Theaterszene Berlins. Die Förderung von jungen Autor:innen und Regietalenten sowie die Unterstützung frei arbeitender Schauspieler:innen und Ensembles ist erklärtes Ziel des Hauses. Dem Publikum bietet das TuD bis zu 12 Premieren mit zeitgenössischen Stücken, Uraufführungen und Stückentwicklungen. Zudem stehen Gastspiele andere Produktionshäuser sowie Autor:innenlesungen auf dem Programm.

Im Juni 2021 übernahm Thorsten Schlenger die Leitung des TuD von Liesel Dechant, die für 25 Jahre die Geschicke des Theaters prägte.