PRESSEMELDUNG
Festival Theaterformen Programm 2026
21. April 2026
Liebe Pressevertreter*innen,
liebe Kolleg*innen,
Festivalleiterin Anna Mülter hat heute das Programm ihrer letzten Ausgabe des Festival Theaterformen bekannt gegeben. Das Festival findet vom 18. bis zum 28. Juni 2026 in Braunschweig statt.
Untenstehend finden Sie die Pressemitteilung, das PDF dazu gibt es hier.
Honorarfreie Fotos der Pressekonferenz sowie weitere Fotos und den Programmflyer als PDF-Datei stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.
Alle weiteren Informationen finden Sie auf www.theaterformen.de.
Mit freundlichen Grüßen
Alexandra Lauck
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Alexandra Lauck
(she/her)
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Staatstheater Braunschweig
Am Theater
38100 Braunschweig
Tel. 0511 9999 2506
Mobil +49 151 29616755
Festivalprogramm 2026
18.–28. Juni in Braunschweig
Mit 14 Produktionen von Künstler*innen aus 14 Ländern findet das Festival Theaterformen auf den Bühnen des Staatstheaters Braunschweig statt und macht erstmals die ehemalige JVA Rennelberg für das Publikum zugänglich.
Festivalleiterin Anna Mülter hat heute gemeinsam mit ihrem Team das Programm des diesjährigen Festivals Theaterformen in Braunschweig vorgestellt. An elf Tagen im Juni präsentiert das Festival erneut ein vielseitiges internationales Programm aus Theater, Tanz und Performance.
In ihrer sechsten und somit letzten Ausgabe zeigt Mülter aktuelle Arbeiten, die gesellschaftliche Fragen mit den Mitteln des Theaters verhandeln: Dabei geht es um Balanceakte gegen Ungerechtigkeit und die Grenzen der normativen Schwerkraft sowie um Mechanismen des Reality-TV. Es geht um Pop-Ikonen und andere Rollenbilder, um Familienverhältnisse und -formen zwischen biografischer Erzählung und Fiktion sowie um Opfer gewaltsamen Verschwindens. Es geht außerdem um die unsichtbare Arbeit hinter dem Samtvorhang, die beim Bewegen durch die Welt geleistet wird, und um die Zerstörung von Lebensräumen durch Kupferabbau. Das Projekt NO PRISON in der ehemaligen JVA Rennelberg setzt einen Schwerpunkt auf das Thema Gerechtigkeit. Fünf Künstler*innen bzw. Kollektive setzen sich in ortsspezifischen Arbeiten mit dem Ort, seiner Geschichte und verschiedenen Utopien von Freiheit auseinander. Der Parcours UNTIL WE ARE ALL FREE führt das Publikum in kleinen Gruppen durch die Zellen des ehemaligen Frauentrakts und an weitere Orte von Gebäude und Gelände.
Eingeladen sind neun Produktionen, darunter eine Uraufführung, die an den Häusern des Staatstheater Braunschweig gezeigt werden. Fünf ortsspezifische Produktionen entstehen in der ehemaligen JVA Rennelberg sowie der Parcours UNTIL WE ARE ALL FREE, der eine Eigenproduktion ist und sieben kurze Produktionen umfasst. Hinzu kommt ein umfangreiches Rahmenprogramm auf dem Gefängnisgelände mit Gesprächsformaten, Spaziergängen, einem Open-Air-Kinoabend, einem Vortrag, Führungen, einer Installation sowie Silent Discos im Festivalzentrum, das sich in diesem Jahr ebenfalls in der JVA Rennelberg befinden wird.
Anna Mülter über die diesjährige Festivalausgabe in Braunschweig:
„In meiner letzten Ausgabe von Festival Theaterformen möchte ich nochmal etwas ganz Besonderes in und für Braunschweig machen. Die JVA Rennelberg ist kein Gefängnis mehr, aber auch noch nichts anderes: Dazwischen öffnen wir einen Möglichkeitsraum, um zusammen mit vielen internationalen Künstler*innen über Gerechtigkeit nachzudenken. Das Prinzip Gefängnis basiert darauf, Menschen zu vereinzeln und von der Gesellschaft zu isolieren. Gerade hier wollen wir zusammenkommen und Gemeinschaft und Kunst erleben. Und auch auf den Bühnen des Staatstheaters ist ein besonderes Programm zu erleben: Es gibt Balanceakte zwischen Fiktion und biografischer Erzählung, klingende Landschaften und schillernde Pop-Ikonen und Kämpfe um und mit Familie. Ich freue mich auf einen Festivalsommer mit der ganzen Stadt!“
Prof. Joachim Schachtner, Niedersächsischer Staatsekretär für Wissenschaft und Kultur:
„Die Theaterformen 2026 bilden den herausragenden Abschluss der künstlerischen Leitung von Anna Mülter und ihrem Team. Das Festival bringt erneut internationale Theaterkunst nach Niedersachsen und setzt starke Impulse für Diversität und Inklusion. Mit der ehemaligen JVA als Spielort wird die gesellschaftspolitische Relevanz der Theaterformen eindrucksvoll unterstrichen.“
Prof. Dr. Anja Hesse, Kulturdezernentin der Stadt Braunschweig:
„Das diesjährige Festival, das Anna Mülter gemeinsam mit ihrem Team für die Stadt Braunschweig kuratiert hat, bildet den krönenden Abschluss ihrer erfolgreichen Tätigkeit als Leiterin des Festivals Theaterformen. Unter ihrer künstlerischen Leitung wurde die Sichtbarkeit Braunschweigs als Tanz- und Theaterstadt weit über die Stadtgrenzen hinaus gesteigert. Zugleich wurden Barrieren abgebaut, vielfältige Publikumsgruppen erreicht und die Öffnung zur Stadtgesellschaft konsequent vorangetrieben. Dass es ihr nun mit ihrer letzten Ausgabe des Festivals gelungen ist, einen geschichtsträchtigen Ort wie die ehemalige JVA Rennelberg zum Schauplatz internationaler Produktionen zu machen, ist ein weiterer bemerkenswerter Coup. Das Gebäude, 1884 als Kreis- und Untersuchungsgefängnis errichtet und über 140 Jahre – auch während der NS-Zeit – als Haftanstalt genutzt, trägt eine besondere historische Last in sich. Schon das Betreten dieses Ortes dürfte im Publikum eine Vielzahl von Emotionen auslösen. Ich bin sehr gespannt auf die Produktionen, die dort gezeigt werden, ebenso wie auf die Inszenierungen im Staatstheater – im Großen und Kleinen Haus sowie im Aquarium. Das Festival Theaterformen steht für qualitätsvolles internationales Theater am Puls der Zeit.“
Maria-Rosa Berghahn, Direktorin der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz:
„Wo Kunst neue Perspektiven eröffnet, beginnt gesellschaftlicher Dialog. Das Festival Theaterformen steht genau dafür sowie für internationale Perspektiven und künstlerische Freiheit. Für die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz ist es deshalb ein zentraler Ort kultureller Begegnung und demokratischer Offenheit.“
Ellen Brüwer, Interimsleiterin des Staatstheaters Braunschweig:
„Das Festival zeigt, was Theater heute leisten kann: Es verbindet internationale künstlerische Perspektiven mit konkreten lokalen Räumen und gesellschaftlichen Fragen und es versteht die Bühne als Ort der Auseinandersetzung, der Vorstellungskraft und der gemeinsamen Erfahrung. Diese Ausgabe ist zugleich die letzte unter der künstlerischen Leitung von Anna Mülter. Sie steht exemplarisch für die klare Haltung, den Mut und das Vertrauen in die Kraft des Theaters, mit denen sie das Festival Theaterformen in den letzten Jahren nachhaltig geprägt hat. Sie hat sich konsequent für die Sichtbarkeit marginalisierter Stimmen eingesetzt, und es ist ihr in herausragender Weise gelungen, diesen Stimmen Gehör und Raum zu geben. Dafür danke ich ihr sehr.“
PROGRAMM FESTIVAL THEATERFORMEN 2026
Normen und Hierarchien in Schieflage und Balanceakte gegen Ungerechtigkeit
Eröffnet wird das diesjährige Festival Theaterformen von Diana Niepces Hornfuckers. Niepce konfiguriert den Körper neu in einem System, das sowohl Stabilität als auch Unterdrückung hervorbringt. Der Bühnenboden sowie gesellschaftliche Normen geraten dabei in Schieflage. Circus Baobab baut in Yongoyély menschliche Pyramiden als Akt des Empowerments: Das zeitgenössische Zirkuskollektiv aus Guinea konstruiert aus Alltagsgegenständen akrobatische Apparate, mit denen Vertrauen und Gemeinschaft gestärkt werden und Geschlechterstereotypen sowie der Genitalverstümmelung von Frauen in Guinea widerständig entgegengetreten wird.
Pop-Ikonen und die Magie der Reality-Shows
Ea Torrados feministisches DIY-Spektakel Brown Madonna nimmt die Parallelen zwischen ihr und Madonna, die sich aus dem gemeinsamen Geburtstag und der katholischen Erziehung ergeben, zum Anlass, ihre eigene Ethnografie zu vollziehen. Sie legt Schicht für Schicht ihres von Leeroy New designten Kleides ab, wodurch der Kampf um Selbstbestimmung und die Differenz zur Pop-Ikone immer sichtbarer werden. MEXA verwandelt in Reality Show die Bühne in ein TV-Studio und arbeitet mit Mechanismen des Reality-TV: Reality Show schafft so Sichtbarkeit ohne Macht, Glamour, der zu Erschöpfung führt, und Intimität, die zur Transaktion wird. Auch Jo Bannon lässt mit ihrer Premiere The Dirty Work Wirklichkeit und Illusion verschmelzen: Sie zaubert buchstäblich ein Kaninchen aus dem Hut und verbindet klassische Bühnentricks mit ihrer persönlichen Erfahrung als sehbehinderte Künstlerin.
Würste stopfen gegen das Vergessen und Ping Pong für die Liebe
Mit MI MADRE Y EL DINERO von Anacarsis Ramos / Pornotráfico und FAMILY TRIANGLE von Hung Chien-Han, Ray Tseng & Hung Wei-Yao werden verschiedene Familieninterna auf die Bühne gebracht. In MI MADRE Y EL DINERO stehen Mutter und Sohn, beide ursprünglich aus dem wirtschaftsschwachen Campeche in Mexiko, auf der Bühne. Nach sechzig Arbeitsjahren hat die Mutter nun einen weiteren Job: Sie spielt Theater. Während sie über ihr Leben spricht stopft sie Würste, als würde sie Szenen mit Erinnerungen füllen – ein Dokumentartheaterstück, das ökonomische Realitäten, Geld und die Bedingungen des Theaters selbst reflektiert. Wenn Liebe vielfältige Formen annimmt, entstehen auch neue Formen der Familiengründung: FAMILY TRIANGLE untersucht persönliche Entscheidungen, die sich mit Moral, Recht und gesellschaftlichen Normen überschneiden, und definiert intime Beziehungen neu.
Klingende Landschaften und Dialoge zwischen Leben und Tod
Die südamerikanische forensische Anthropologin R.L. ist Knochenleserin: Seit Jahrzehnten identifiziert sie die Überreste von Menschen, die Opfer gewaltsamen Verschwindens wurden. Ihr Fundus an Daten soll nun die Knochen zum Klingen bringen. THE BONES von Manuela Infante fragt, ob Musik ein Ort sein kann, an dem die Toten zu uns sprechen. In Nigamon/Tunai von Émilie Monnet & Waira Nina geht es um eine über Kontinente reichende Freundinnenschaft und Widerstand – ein poetisches Manifest gegen Extraktivismus, in dem Kupfer zum Resonanzkörper wird.
NO PRISON – Performances to Break Cycles of Injustice
Erstmals öffnet die ehemalige JVA Rennelberg ihre Türen für das Publikum: Ein Ort, dem Isolation und Vereinzelung in die Mauern eingeschrieben sind und der auf seine zukünftige Nutzung wartet, wird zum Ort der Zusammenkunft. Jeweils von Donnerstag bis Sonntag zeigen Künstler*innen ortsspezifische Arbeiten, die um Fragen von Gerechtigkeit und Freiheit kreisen.
Public Movement laden in Emergency Routine das Publikum ein, Berührungen aus Krisenzuständen zu erproben, wie sie normalerweise in Evakuierungssituationen entstehen. Auch ACCIÓN/NEBULOSA von LASTESIS ist eine kollektive Versammlung im Hof des Gefängnisses: Was können wir dem erstarkenden Faschismus entgegensetzen, um bessere Zukünfte wieder denkbar zu machen? Gemeinsam mit Künstlerinnen und Aktivistinnen aus Valparaíso und Braunschweig werden solidarische Visionen entworfen. In der Musikperformance THE LONG SHORT HISTORY OF PEACE von Nicoleta Esinencu / teatru-spălătorie werden die hämmernden Sounds des Kapitalismus gegen die Gefängnismauern gefeuert, und Europa als Friedensprojekt infrage gestellt.
We Should All Be Dreaming von Sonya Lindfors & Maryan Abdulkarim macht ein Drei-Gänge-Menü zum Anlass für kollektives Träumen als eine Form des sanften Widerstands, der sich gegen koloniale Denk- und Machtstrukturen richtet. Sweet Spot (site-specific) von Harald Beharie beschreibt einen Zustand flüchtiger Fiktion und ständiger Transformation: Figuren vagabundieren zwischen Hingabe und Fürsorge, zwischen Ausbruch und Stillstand – ein Zustand, der das Gefängnis zum Höllenschlund macht.
UNTIL WE ARE ALL FREE ist ein performativer Parcours und führt das Publikum von Zelle zu Zelle und andere ansonsten verschlossene Teile des ehemaligen Gefängnisses. Dort treffen die Besucher*innen auf sieben Künstler*innen an sieben Stationen, die nach einer Utopie fragen, in der alle frei sind.
Theater, Konzert, Kino, Diskussion – Festivalzentrum im Gefängnis
Zusätzlich wird es auch ein umfangreiches Rahmenprogramm geben. Neben Führungen, einem Vortrag, einem Open-Air-Kinoabend, Talks, Walks, einer Installation, einem performativen Konzert von der Königin der Macht und Silent Discos wird das Festivalzentrum jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn öffnen und Raum für Gespräche und Drinks bieten.
Barrierefreiheit
Folgende barrierefreie Angebote werden bei ausgewählten Vorstellungen ermöglicht:
- Einführung und Verdolmetschung in Leichte Sprache
- Audiodeskription mit Tastführung und Barrierefreiheitstour
- Relaxed Performances
- Sitzsäcke als alternative Sitzmöglichkeiten
- Content Notes und Informationen über sensorische Reize
- Early Boarding.
Der Vorverkauf startet am 23. April 2026. Die Eintrittspreise für das Bühnenprogramm liegen zwischen 5 € und 28 €, weitere Veranstaltungen sind kostenfrei besuchbar.
Das Festival Theaterformen 2026 ist eine Veranstaltung des Staatstheaters Braunschweig und wird gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Stadt Braunschweig, die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und die Stiftung Niedersachsen.
NO PRISON wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
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