Takeo Sato, Gitarre und Marcelo Nisinman, Bandoneon
Quelle: Jakob Schmidt (Takeo Sato) / Karin van der Meul (Marcelo Nisinman)Rechtehinweis: Bild darf für reaktionelle Berichterstattung genutzt werden.
bayerische kammerphilharmonie
Saisonabschluss im Parktheater
Saisonabschluss der bayerischen kammerphilharmonie am Sonntag, 5.7.2026 um 15:00 im Parktheater im Kurhaus Göggingen (Augsburg) mit Werken aus Spanien und Argentinien.
Saisonabschluss 25/26
Concierto estival
So 05.07. 15 Uhr Parktheater im Kurhaus Göggingen
Programm
Joaquín Turina
La oración del torero op. 3
Joaquín Rodrigo
Cançoneta A-Dur für Violine und Streichorchester
Dos miniaturas andaluzas
Manuel de Falla
Danza ritual del fuego, arr. für Violine und Streichorchester
Pablo de Sarasate
Carmen-Fantasie op. 25, arr. für Violine und Streichorchester
Pablo Casals
Song of the birds für Violoncello und Orchester
Astor Piazzolla
Tango Ballet
Konzert für Gitarre, Bandoneon und Streichorchester
Takeo Sato Gitarre
Marcelo Nisinman Bandoneon
Jakob Stepp Violoncello
Gabriel Adorján Solovioline und Leitung
aktuell sind noch wenige Restkarten zu € 42,– (Kat. II) erhältlich
- über Reservix und allen angeschlossen Vorverkaufsstellen
- in der Geschäftsstelle der bayerischen kammerphilharmonie:
info@kammerphilharmonie.de
0821 521 3620 (Anrufbeantworter wird bis kurz vor dem Konzert abgehört)
Gabriel Adorján, Solovioline und Leitung
Gabriel Adorján stammt aus einer Münchener Musikerfamilie und erhielt bereits mit vier Jahren seinen ersten Violinunterricht. Er studierte bei Prof. Ana Chumachenco, und ergänzte seine Ausbildung am Curtis Institute of Music in Philadelphia bei Aaron Rosand und in der Meisterklasse von Igor Ozim. Darüber hinaus nahm er an zahlreichen Meisterkursen Teil, unter anderem mit Sándor Vegh und György Kurtág. Gabriel Adorján wurde bei zahlreichen internationalen Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet: Internationaler Musikwettbewerb in Genf (Prix Suisse), Paganini Wettbewerb in Genua, ARD-Wettbewerb in München (Bärenreiter-Urtext-Preis).
Die rege Konzert-Tätigkeit Gabriel Adorjáns ist sehr vielfältig: Er spielt als Solist, ist als Mitglied des Zürcher Klaviertrios und in anderen Formationen ein vielbeschäftigter Kammermusiker und als Gast-Konzertmeister bei mehreren großen deutschen Orchestern gefragt.
Seit 2001 lebt Gabriel Adorján in Berlin, wo er als 1. Konzertmeister der Komischen Oper Berlin tätig ist. Zudem leitet er seit 2008 das Deutsche Kammerorchester Berlin und ist Konzertmeister der bayerischen kammerphilharmonie, die er regelmäßig von dieser Position führt.
Takeo Sato, Gitarre
Takeo Sato wurde in Saarbrücken als Sohn des japanischen Gitarrenbauer Kazuo Sato geboren, bei dem er seinen erste Gitarrenunterricht bekam.
Bereits mit 12 Jahren trat Takeo Sato international auf und gewann mit nur 14 Jahren den ersten Preis beim International Guitar Contest Bath in England. Noch vor Beginn seines Hauptstudiums gewann er weitere internationale Preise, wie beim Anna-Amalia-Gitarrenwettbewerb in Weimar, demInternational Guitar Competition Tokyo, demInternationalen Gitarrenwettbewerb Johann Sebastian Bach in Reisbach (1. Preis). Später studierte Takeo Sato bei renommierten Professoren in ganz Europa und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab.
Sein musikalisches Schaffen umfasst Rundfunk-und Fernsehproduktionen, Uraufführungen moderner Musik sowie kammermusikalische Projekte, die seine Karriere als Sologitarrist ergänzen. Takeo Sato unterrichtet Gitarre am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg sowie am Landeskonservatorium Vorarlberg und hält regelmäßig Meisterkurse im In- und Ausland.
Als Gründer des International Guitar Festival Augsburg prägt er die Gitarrenszene der Stadt.
Takeo Sato spielt auf einem von seinem Vater gebauten Meisterinstrument.
Marcelo Nisinman, Bandoneon
Marcelo Nisiman wurde in Buenos Aires geboren, wo er Bandoneon und Komposition studierte. Das Kompositionsstudium setzte er in Basel fort, wo er derzeit auch lebt. Als renommierter Bandoneon-Solist trat er mit verschiedenen Symphonieorchestern und mit berühmten Musikern wie Martha Argerich und Gidon Kremer auf.
Marcelo Nisinmans originelle Musik hat ihren Ursprung in Buenos Aires. Heute erstreckt sie sich jedoch in einer Vielzahl unterschiedlicher künstlerischer Kontexte, dank des persönlichen, provokativen und eigenwilligen Stils des Komponisten, der mit den traditionellen „Regeln“ der Musica Porteña (Buenos Aires) bricht.
Nisiman hat mehrere Orchesterwerke komponiert, darunter Dark Blue Tango für Bandoneon und Orchester, dessen Aufnahme mit ihm als Solist bei der Firma Naxos erschienen ist.
Als Interpret und Komponist ist Marcelo Nisiman ein gern gesehener Gast bei Festivals in ganz Europa: Oxford Chamber Music Festival (England),Kuhmo Chamber Music Festival (Finland), Boswil Festival und Festival du Jura (Schweiz), Stift Festival (Holland), Obertöne Kammermusik Festival (Österreich), Zeitkunst Festival (Berlin und Paris), Sonoro Festival (Rumänien).
Jakob Stepp, Violoncello
Jakob Stepp (*1991 in Stuttgart) ist als Kammermusiker, Solist, Orchestermusiker und Dozent international tätig. Er wurde bei zahlreichen Wettbewerben ausgezeichnet, darunter beim Deutschen Musikwettbewerb, Concertino Praga, dem WDR 3 Klassikpreis und dem Internationalen Dotzauer Wettbewerb. Zudem war er Stipendiat bedeutender Förderinstitutionen wie der Deutschen Stiftung Musikleben, der Jürgen-Ponto-Stiftung sowie der ZEIT-Stiftung.
Seine musikalische Ausbildung begann als Jungstudent bei Martin Ostertag und Peter Bruns. Später studierte er bei Heinrich Schiff in Wien, dessen künstlerische Impulse ihn nachhaltig prägten, sowie bei Julian Steckel. Als Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker arbeitete er mit Ludwig Quandt zusammen.
Heute ist Jakob Stepp regelmäßig als Solocellist renommierter Orchester tätig und konzertiert als Kammermusiker mit Künstler:innen wie Tobias Feldmann, Noa Wildschut, Boris Kusnezow, Emmanuel Tjeknavorian und Veriko Tchumburidze. Er gastiert bei internationalen Festivals und arbeitete solistisch mit Dirigent:innen wie Ton
Koopman, Christian Zacharias und Elizabeth Wallfisch.
Neben seiner Konzerttätigkeit ist er künstlerischer Leiter des Montecastelli Chamber Music Festivals in Italien und seit 2022 künstlerischer Koordinator des Euroclassic Festivalorchesters in Pirmasens. An der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover lehrt er Violoncello und Orchesterstudien. Darüber hinaus gibt er Meisterkurse und engagiert sich in der Nachwuchsförderung, unter anderem als Tutor des European Union Youth Orchestra (EUYO).
Zum Programm
Die Musik Spaniens erlebte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich in Europa die nationalen Kompositionsschulen etablierten, ihr Zweiten Goldenen Zeitalters. Die Bezeichnung ist eine Hommage an das ursprüngliche Goldene Zeitalter der spanischen Meister der Renaissance und des Barocks.
An der Spitze der spanischen musikalischen nationalen Bewegungen standen die vier sogenannten „Maestros“ Isaac Albéniz, Manuel de Falla, Enrique Granados und Joaquín Turina. Diese ließen sich von der andalusischen Volksmusik inspirieren, dem akustischen Schmelztiegel, in dem sich maurische, sephardisch-jüdische und indigene spanische Klänge mit der Flamenco Kunst der Gitanos (Roma) vermischen, und verbanden sie auf brillante Weise mit klassischen Formen und raffinierten impressionistischen Techniken.
2026 jährt sich zum hundertsten Mal die Uraufführung von Turinas La oración del torero (Das Gebet des Stierkämpfers). Der in Sevilla geborene Joaquín Turina (1882-1949) ist der jüngste der spanischen „Maestros“. Auch ihn zog es nach dem Studium in der Heimat nach Paris, in die Hauptstadt des Impressionismus und der Musik von Debussy und Ravel. Dort erlebte seine Laufbahn einen entscheidenden Wendepunkt, als bei der Aufführung seines Klavierquintetts op. 1, das stark von der französischen Romantik beeinflusst war, und bei der er auch als Pianist auftrat, Albéniz und de Falla anwesend waren. Albéniz soll ihm gesagt habe: „Sie müssen mir ihr Wort geben, dass Sie solche Musik nicht noch einmal schreiben. Sie müssen Ihre Kunst auf dem spanischen Volkslied, auf der Musik Andalusiens aufbauen, weil Sie aus Sevilla stammen“. Der junge Komponist, der sich den Rat zu Herzen nahm, erinnerte sich später: „Diese Worte waren entscheidend für mich und stellten einen Rat dar, den ich während meiner gesamten Karriere versucht habe zu befolgen.“ Turina berühmtestes Stück, La oración del torero, ist ein typisches Beispiel dafür. Der Komponist hat es ursprünglich für ein Lautenquartett geschrieben, und zwar nicht für Renaissance Lauten, sondern für das spanische Volksinstrument Laúd. Turina hat das Werk zeitnah für unterschiedliche Ensembles adaptiert, von denen die Version für Streichorchester die beliebteste und am meistgespielte ist.
La oración del torero ist ein zutiefst spanisches Werk, sowohl musikalisch als auch durch den nicht-musikalischen Inhalt, den der Titel andeutet. Seine Inspiration für das Werk beschrieb der Komponist wie folgt:
„An einem Stierkampfnachmittag auf der Plaza de Madrid, auf diesem alten, harmonischen und anmutigen Platz, sah ich mein Werk. Ich befand mich im Pferdehof. Dort, hinter einer winzigen Tür, lag die von Andacht erfüllte Kapelle, in die die Stierkämpfer kamen, um kurz vor ihrer Begegnung mit dem Tod zu beten. Da bot sich mir in seiner ganzen Fülle jener subjektiv musikalische und ausdrucksstarke Kontrast zwischen dem fernen Trubel der Arena, des Publikums, das auf das Fest wartete, und der Andacht derer, die vor jenem Altar, demütig und voller inniger Poesie, kamen, um Gott um ihr Leben zu bitten, vielleicht um ihre Seele, um den Schmerz, um die Illusion und um die Hoffnung, die sie vielleicht in wenigen Augenblicken für immer hinter sich lassen könnten, in jener Arena voller Lachen, Musik und Sonne.“ Der Komponist umhüllt die Klänge der spanischen Folklore, mit dem charakteristischen Rhythmus desPasodoble, der in einer Stierkampfarena nicht fehlen darf und der liturgisch anmutenden Stimmung des Gebets, in eine lyrische impressionistische Atmosphäre.
In diesem Jahr feiert die Musikwelt den 150. Geburtstag von Pablo Casals (1876-1973). „Derjenige, der Casals nie gehört hat, weiß nicht, wie ein Streichinstrument klingen kann“, sagte der große Dirigent Wilhelm Furtwängler von dem wohl berühmtesten Cellisten des 20. Jahrhunderts, dem „Vater des modernen Cellospiels“, der die
Spielweise seines Instrumentes auf geradezu revolutionäre Weise weiterentwickelte und dem Cello als Soloinstrument einen festen Platz auf den Bühnen der Welt verschaffte. Der in Barcelona geborene Musiker bestand auf seinem katalanischen Namen Pau, der „Frieden“ bedeutet – ein Leitwort seines Lebens. Er verweigerte ab 1933 Auftritte im nationalsozialistischen Deutschland, ging nach Francos Sieg ins Exil nach Frankreich, spielte Benefizkonzerte für Geflüchtete und trat in keinem Land auf, das das Franco Regime anerkannte.
Thomas Mann würdigte Casals als „menschliches Phänomen, in welchem ein hinreißendes Künstlertum sich mit entschiedenster Verweigerung jedes Zugeständnisses an das Böse, an das moralisch Miserable und die Gerechtigkeit Beleidigende auf eine Weise verbindet, die geradezu unseren Begriff vom Künstler läutert und erhöht“.
„Er ist zum Symbol geworden eines Künstlertums, das unverführbar auf sich hält, zum Symbol unerschütterlicher Einheit von Kunst und Moralität.“
1971 erhielt Casals die Friedensmedaille der Vereinten Nationen. Bei der Zeremonie sprach er auf Englisch und Katalanisch – eine Sprache, die in Spanien damals unterdrückt wurde. Anschließend spielte der 95-jährige Cellist, der seit fast vierzig Jahren nicht mehr öffentlich aufgetreten war, El cant dels ocells (Der Gesang der Vögel), ein altes katalanisches Weihnachtslied, das er für Cello arrangiert hatte. Die feierlich getragene Melodie in Moll wurde für ihn zur Hymne der Freiheit und zum
Klang der Heimat im Exil. Casals schrieb, die Melodie sei zum Lied der heimatlosen Flüchtlinge geworden; in seinem Pyrenäendorf ließ er sogar ein Glockenspiel einrichten, das stündlich diese Melodie erklingen ließ. Vor der UNO erklärte er: „Die Vögel singen ‚Frieden, Frieden, Frieden‘. Diese Musik ist die Seele meines Landes, Catalonia.“
In der spanischen klassischen Musik war Joaquín Rodrigo (1901-1999) die dominierende Figur seiner Generation. Der im Alter von drei Jahren infolge einer Erkrankung erblindete Rodrigo kämpfte mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit gegen seine Behinderung und hatte eine erfolgreiche Karriere als Konzertpianist, Schriftsteller, Kritiker, Rundfunksprecher, Dozent, Lehrer, Akademiemitglied und engagierte sich sein Leben lang für die Belange blinder Menschen. Rodrigo wurde vielfach geehrt; anlässlich seines 90. Geburtstags wurde ihm von König Juan Carlos den erblichen Adelstitel Marqués de los Jardines de Aranjuez verliehen.
In seinen Kompositionen, dessen populärstes Werk das Concierto de Aranjuez für Gitarre und Orchester ist, blieb Rodrigo stets den Traditionen der Kultur seines Heimatlandes treu. Er bediente sich einer traditionellen Musiksprache, denn, wie er selbst oft betonte, sah er seine Aufgabe nicht darin, mit der Vergangenheit zu brechen, neue musikalische Formen zu schaffen oder neue klangliche Horizonte zu eröffnen.
Rodrigos Cançoneta, komponiert 1923, ist eine zärtliche poetische Miniatur für Violine und Streicher von nostalgischer mediterraner Atmosphäre. Die von der Geige dreimal wiederholte Melodie wurde trefflich als „halb Habanera und halb Liebeslied“ bezeichnet.
Dos miniaturas andaluzas für Streichorchester, entstanden 1929, blieben 70 Jahre lang ungespielt, verborgen und vergessen zwischen den Papieren des Komponisten, bis sie wenige Monate nach seinem Tod uraufgeführt wurden. Dafür wurde der Tag gewählt, an dem Rodrigo 98 Jahre alt geworden wäre – der 22. November, Fest der Heiligen Cäcilia, Schutzpatronin der Musik. Der Komponist erinnerte sich daran, wie stolz er als Kind auf sein Geburtsdatum war. Die ineinander übergehenden Preludio und Danza fangen die charakteristische Melancholie und die typischen Tanzrhythmen Andalusiens ein.
Argentiniens Kultur ist das Ergebnis eines faszinierenden Zusammenspiels unterschiedlicher Einflüsse. Der Inbegriff der Musik Argentiniens ist der Tango, und sie Seele des Tangos ist der Klang des Bandoneons. Der argentinische Tango entstand um 1880 in Tanzlokalen und vielleicht auch in Bordellen in den Arbeitervierteln von Buenos Aires. Hier vermischte sich der spanische Tango, eine heitere Variante des andalusischen Flamencos, mit der Milonga, einem schnellen, sinnlichen und verrufenen argentinischen Tanz, dessen Wurzeln in den Liedern der gauchos (Cowboys) liegen. Später wurde der Tango zu dem langsameren, melancholischen Tanz, der die Welt eroberte. Das Bandoneon, eines der zahlreichen Mitglieder der Familie der Harmonikainstrumente, trägt den Namen des Krefelder Musikers und Instrumentenhändler Heinrich Band, der es aus einer in Sachsen erfundenen Konzertina Mitte des 19. Jahrhunderts weiterentwickelt hatte. Auf historisch ungeklärtem Weg kam dieses „Klavier des kleinen Mannes“ um 1870 nach Argentinien, wo es zur Ikone des Landes wurde.
Der argentinische Bandoneon-Virtuose und Komponist Astor Piazzolla (1921-1992) gilt als „König des Tangos“, doch vielen seinen Zeitgenossen in Argentinien war der Enkel italienischer Einwanderer zu kosmopolitisch: Er hatte in New York gelebt, Jazz verinnerlicht und klassische Musik studiert. Man warf ihm vor, keinen „echten“ Tango zu schreiben und die argentinische Identität zu verwässern. Ein Körnchen Wahrheit steckt darin – denn Piazzolla revolutionierte den traditionellen Tango und schuf den „Tango Nuevo“, der Jazz- und klassische Elemente verbindet und ihn auf die großen Konzertbühnen der Welt führte.
Das Spiel auf dem Bandoneon, das er mit acht Jahren von seinem Vater erhielt, brachte er sich weitgehend selbst bei, indem er Stücke von Bach und Mozart vom Klavier auf das Instrument übertrug. Nach der Rückkehr der Familie nach Argentinien wurde er mit 18 Jahren Bandoneonist in einem bekannten Orchester von Buenos Aires. Er
verdiente gut, nahm Klavier- und Kompositionsunterricht bei Alberto Ginastera, hörte morgens Orchesterproben im Teatro Colón und spielte abends in den Tangoklubs. Mit 25 Jahren leitete er sein eigenes Orchester. Mit dreißig löste er es auf, legte das Bandoneon beiseite und widmete sich erneut dem ernsthaften Studium der Musik. Ein Stipendium für seine Komposition Sinfonía Buenos Aires führte ihn nach Paris zur legendären Musikpädagogin Nadia Boulanger. Das Treffen erwies sich als schicksalhaft: Erst versteckte Piazzola seine Tangos, doch als er ihr Triunfal vorspielte, erkannte sie sofort seine wahre Stimme. Ihr Satz „Das ist der echte Piazzolla – lass ihn niemals gehen“ prägte ihn für immer. Piazzolla komponierte später hunderte Tangos und zahlreiche Filmmusiken und schrieb weiterhin auch Werke für Orchester.
Das Tango Ballett entstand 1956 für einen inzwischen verschollenen kurzen Film mit Tanz. Das ursprünglich für Piazzollas Octeto Buenos Aires komponierte Werk wurde für unterschiedliche Ensembles arrangiert. Die Musik folgt einer Erzählung aus sechs Szenen in typischem Tango nuevo Stil: Introducción – Títulos; La calle; Encuentro – Olvido; Cabaret; Soledad; La calle final (Einleitung, die Straße, Begegnung – Vergessen, Kabarett, Einsamkeit, wieder die Straße). Es
alternieren schnelle und langsame Sätze, wobei Begegnung und Einsamkeit die langsamen Abschnitte bilden.
Der spanische Geiger Pablo de Sarasate (1844-1908) nimmt einen bedeutenden Platz ein in der Reihe der Violinvirtuosen, die nach dem Tod des „Teufelgeigers Niccolò Paganinis (1840) dessen Kunst der technischen Brillanz weiterführten. Die wenigen Aufnahmen, die er als Sechzigjähriger in Paris einspielte, sind ein unschätzbares Zeugnis seines Spiels. Sarasate gab mit acht Jahren sein erstes Konzert in Pamplona, studierte anschließend in Madrid und erhielt dort als Zehnjähriger von Königin Isabella eine Stradivari als Geschenk. Mit zwölf Jahren ging er nach Paris und schloss dort fünf Jahre später das Conservatoire mit höchsten Auszeichnungen abschloss.
Es folgte ein langes Leben auf Tourneen durch Europa und Amerika, die ihn berühmt machten und ihm die höchsten Gagen seiner Zeit einbrachten. Wiens „Kritikerpapst“ Eduard Hanslick schrieb: „Sarasates Virtuosität gewinnt und erfreut und überrascht das Publikum immer wieder. Er wird nicht ausgezeichnet, weil er Schwieriges spielt, sondern weil er mit Schwierigem spielt.“ Viele bedeutende Komponisten – darunter Saint-Saëns, Bruch, Lalo und Dvořák – schrieben für Sarasate Werke, die heute zum großen Violinrepertoire gehören. Sarasate selbst, der auch Komposition studiert hatte, schrieb für sein Instrument über 50 Werke, unter denen die vier Hefte Spanischer Tänze berühmt sind. Im 19. Jahrhundert waren zudem Opernparaphrasen sehr beliebt: Virtuosen griffen Themen bekannter Opern auf und verwandelten sie in Bravourstücke. Sarasate schrieb mehrere solcher Fantasien über Motive aus Opern von Mozart, Rossini, Verdi und Gounod; seine berühmteste ist die Fantasie nach Motiven aus Bizets Oper Carmen, komponiert 1881.
Mit dem Werk mit Originaltitel Fantaisie sur Carmen, opus 25 erwies Sarasate seinem Freund Georges Bizet (1838-1775), der kurz nach der erfolglosen Uraufführung seiner Oper Carmen gestorben war, seine Reverenz. Inzwischen erlebte die Oper einen Siegeszug durch ganz Europa, und Sarasate lag sicher richtig mit der Bearbeitung der eingängigen Melodien mit spanischem Charakter, die bis heute die Beliebtheit von Bizets Werk aufrechterhalten. Es wird spekuliert, dass Sarasate seinem ehemaligen Kommilitonen mit Motiven aus der spanischen Folklore geholfen haben könnte.
In der Carmen-Fantasie greift Sarasate die spanischen Melodien der Oper auf und variiert sie kunstvoll, wobei er die ganze Bandberite der virtuosen Techniker der Violine einsetzt. Das Werk gliedert sich ein fünf Abschnitten, von denen der erste die Rolle einer Introduktion annimmt. Diese variiert die Aragonaise, den feurigen Tanz, der als
Entreakt vor dem letzten Akt der Oper steht. Der erste Satz variiert die berühmte Habanera, Carmens ersten provokanten Auftritt, bei dem sie über die Unbezähmbarkeit der Liebe singt (L'amour est un oiseau rebelle, Die Liebe ist ein wilder Vogel). Der nächste, ruhige Satz bringt Carmens Lied Tralala … ich sage dir nichts, mit dem sie dem Leutnant trotz, der sie festnehmen lässt. Es folgt die Seguidilla mit der Carmen versucht Don José zu verführen. DieChanson bohême, das Lied, das Carmen und ihre Freundinnen in der Taverne singen während Zigeunerinnen tanzen, ist die Grundlage für einen brillanten letzten Satz, der mit einer rasanten Tempobeschleunigung das hochvirtuose Stück beendet.
Manuel de Falla (1876-1946) gilt als der wichtigste und einflussreichste spanische Komponist des 20. Jahrhunderts. In seine Musiksprache integrierte er die Klänge seiner andalusischen Heimat (Volkslieder und Flamenco), ohne tatsächliche Zitate aus der Folklore. Während der acht Jahre, die der junge de Falla in Paris verbrachte, lernte er den französischen Impressionismus kennen, der seinen kompositorischen Stil maßgeblich prägte und ihn ermutigte, seine spanischen Wurzeln zu pflegen und gleichzeitig in einem modernen europäischen Stil zu komponieren.
El Amor brujo (Liebeszauber), ein einaktiges Ballett-pantomime mit Gesang, entstand nach der Rückkehr aus Paris und wurde in unterschiedlichen Versionen zwischen 1915 und 1925 uraufgeführt. Die Musik ist ein eindrucksvolles Zeugnis des Stils des Komponisten und wurde zu einem seiner bekanntesten und am häufigsten aufgeführten Werke. Aufgrund seiner großen Beliebtheit wird das Werk in mehrere Bearbeitungen gespielt. Mit Musik, die mal feurig, mal innig und stets leidenschaftlich ist, erzählt de Falla die Geschichte des andalusischen Zigeunermädchens, das vom Geist ihres verstorbenen untreuen Mannes heimgesucht wird, sich von ihm durch den
nächtlichen rituellen Feuertanz zu befreien versuch und schließlich Glückseligkeit in ihrer neuen Liebe genießen kann. Die neue Liebe stellt der Komponist in der lyrisch-
träumerischen Pantomima dar, mit ihrem sich asymmetrisch wiegenden rhythmischem Puls und ihrer hinreißenden melancholischen Melodie.Danza ritual del fuego (Ritueller Feuertanz), das zweifellos bekannteste Stück de Fallas, steigert sich von unheimlichen Anfängen, mit Knistern des Feuers in gespenstischen Trillern und unerbittlichem rhythmischen Ostinato-Motiv zu einem wilden Höhepunkt. Mit Werken wie dem Konzert für Bandoneon oder dem Doppelkonzert für Bandoneon und Gitarre, erhob Piazzolla das Bandoneon vom traditionellen Instrument des Tango-Ensembles zu einem vollwertigen Soloinstrument für den Konzertsaal.
Das Doppelkonzert für Bandoneon, Gitarre und Streichorchester „Hommage à Liège“ komponierte Piazzola für das Gitarrenfestival in Liège (Belgien) 1985. Bei der Uraufführung spielte er selbst das Bandoneon, zusammen mit dem argentinischen Gitarristen, der Mitglied des berühmten Quintetts von Piazzolla gewesen war. Das Werk ist dreisätzig aufgebaut. Die von den beiden Solo-Instrumenten ohne Begleitung gespielte quasi-improvisatorische Introduktion ist von tiefer Sehnsucht geprägt. Der zweite Satz ist eine Hommage an den Vorläufer des Tangos, in dem das Bandoneon an das gesanglicheMilonga erinnert, über einen sich stets wiederholendem sanft pulsierendem Rhythmus. Nach dem heiteren Dur-Teil mit der BezeichnungGiocoso, endet der Satz Tristeménte und erlischt im klanglichen Nichts. Das Finale, Tango, ist ein Paradebeispiel des Tango nuevo. Es wird von einem Thema in prägnantem Tango-Rhythmus dominiert, das zunächst vom Bandoneon alleine gespielt wird, zudem dann die Gittare kommt und das schließlich von allen Streichern übernommen wird. Wie in einem concerto des Barocks, stehen Solisten und Tutti in ständigem Dialog, bis es mit dem Thema im unisono aller zum dramatischen Schluss kommt.
Dr. Stefana Titeica
Wir freuen uns sehr, Sie bei unserem Konzerte begrüßen zu dürfen!
Ihr Team der bayerischen kammerphilharmonie
Hildegard Weig und Valentin Holub
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