Katrin Bertram: Ich nehm das Große da hintenInstallationPetra Rietz Salon Galerie |
4. Mai - 30. Juni 2012
Katrin Bertrams Arbeit kennzeichnet in erster Linie das Anliegen, alltägliche Zustände oder Abläufe durch die Transformation in ein anderes, oft diametral entgegengesetztes System aus ihrem Kontext zu befreien und damit die ihnen inhärente Absurdität zu offenbaren.
In der Petra Rietz Salon Galerie wird eine Serie von Wandzeichnungen sowie eine für die Ausstellung neu entstandene Videoinstallation zu sehen sein. Die Künstlerin arbeitet generell mit unterschiedlichen Medien, wie Installation, Grafik, Text, Video und Audio.
Ursprünglich aus der Wirtschaft kommend, erforschte Katrin Bertram in ihren konzeptuell angelegten Arbeiten zunächst Themen aus diesem Kontext. Mit hoher Sensibilität für das Unbehagen angesichts unserer ökonomischen, an Erfolgen und Effizienz orientierten Zeit, thematisierte sie dieses Gefühl, z. B. in der im Petra Rietz Salon uraufgeführten ?Partitur eines Arbeitstages?. Dabei handelt es sich um eine Komposition für Gesang, Geige, Cello und Klavier, in welcher die akribisch notierten Ereignisse eines Büro-Arbeitstages in intuitiv ausgewählte Töne übersetzt und anhand einer Ereignis-Excel-Tabelle in eine spielbare Komposition verwandelt wurden.
In ihren neuen Arbeiten, von denen zwei in der Petra Rietz Salon Galerie zu sehen sind, nähert sich Katrin Bertram Fragen zur menschlichen Erwartungshaltung. Sie synästhesiert minimalistische Formen mit emotional aufgeladenen Begriffen, deren Widersinn in der Kombination bewusst intendiert ist und künstlerisch auch in surrealistischer Tradition steht.
Die zentralen Themen eines menschlichen Vergeblichseins, das schon durch minimale Eingriffe oder Kontext-Verschiebungen sichtbar wird, und des Potentials der Fantasie, die von Bertram genutzt wird, nur um sie sogleich wieder in neue, noch striktere Schranken zu verweisen, reflektieren die Komplexität unserer von divergenten Systemen bestimmten Welt.
So bietet die Videoinstallation "Cordon bleu" dem Betrachter unterschiedliche Versionen einer zwischenmenschlichen Situation an und demonstriert damit einerseits die individuelle Konstruktion von Emotionen und Erwartungshaltungen. Andererseits gibt die formal rationale Präsentation doch etwas Preis vom Potential und der Vielschichtigkeit der Fantasie.
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