Japan um 1900
Bildpostkarten mit Motiven aus dem ländlichen Raum verl. bis 10.06.2012
Die Geschichte der Fotografie in Japan hängt eng mit der Geschichte der Kunde von diesem Land in den westlichen Ländern zusammen. Eine wichtige Rolle bei diesem Transfer spielte eine Erfahrung, die auch Philipp Franz von Siebold machte: Das ausgeprägte Interesse einiger, der von der übrigen Welt isolierten, Japaner an westlicher Wissenschaft und Technik. So gelangte schon 1843, nur vier Jahre nach der Erfindung der Daguerrotypie, also lange vor der Öffnung des Landes, die erste Kamera nach Japan. Nur langsam setzte eine Phase des Experimentierens ein, weil es anfangs nicht nur an den nötigen Kenntnissen sondern an den Chemikalien fehlte. Während seines zweiten Aufenthaltes in Japan (1859 – 1862) leitete Siebold z.B. den japanischen Fotografen Tokudo SHIMIZU zu Experimenten mit der neuen Technik an. Zunächst war da derjenige, der die Bilder mit Hilfe einer großen und schweren Kamera aufnahm. Bis nach 1880 musste die Glasplatte an Ort und Stelle lichtempfindlich beschichtet werden und konnte nur im feuchten Zustand belichtet werden. Anschließend hatte auch der Entwicklungsprozess an Ort und Stelle zu erfolgen. Die Ausrüstung dafür, die immer mitzuführen war, wog zwischen 50 und 60 Kilo. Eine Besonderheit der Fotos aus Japan ist ihre Kolorierung. Was andernorts die Ausnahme darstellt, ist hier die Regel. Der Betrachter sollte sich bewusst sein, dass er das Ergebnis einer doppelten Auswahl vor Augen hat. Der japanische Fotograf nahm auf, was er geeignet hielt, sein Land würdig zu zeigen, von dem er annahm, dass es das Interesse des westlichen Touristen finden würde und was die hohe Obrigkeit erlaubte: vorwiegend also das alte, traditionsreiche Japan. Aus diesem Angebot suchten sich dann westliche Besucher nach ihrem Geschmack Bilder aus und ließen sie oft zu Alben oder zu Mappen zusammenstellen. Die kleineren Ausführungen als Bildpostkarten waren ebenfalls sehr beliebt. Eine große Sammlung hiervon befindet sich im Japanzentrum der Philipps-Universität Marburg (Prof. Dr. Erich Pauer), dem wir die Leihgaben für diese Sonderausstellung verdanken.
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