GRENZGÄNGER - Integrative Theatertage 2010Theater Thikwa (Berlin)TamS Theater |
Koproduktion TamS Theater mit Theater Thikwa (Berlin)
25. / 26. / 28. März | 19:30 Uhr
HINDERNISSE AUF DER FAHRBAHN
Musikalische Morsezeichen – Texte von Ernst Herbeck
Mit Torsten Holzapfel und Tim Petersen | Musik Klaus Janek | Regie & Leseverrichtungen Ruth Geiersberger
Ruth Geiersberger liest Texte von Herbeck und stimmt immer wieder zusammen mit Tim Petersen ein bayerisches Lied an. Jeder der Beteiligten geht dem eigenen Spiel nach, es gibt Berührungspunkte, Begegnungen, dann verfolgt jeder wieder das Eigene. Torsten Holzapfel erstellt den Abend über Zeichnungen, die den Bühnenraum nach und nach füllen werden. Immer mal wieder wird er selbst zum musikalischen Ereignis, wenn er seine Berliner Gassenhauer schmettert. Jeder der beiden Darsteller in seiner speziellen Eigenart kann wie ein Teil des Wesens von Ernst Herbeck verstanden werden. Klaus Janek lässt mit seinem Bass den Klangraum entstehen, in dem sich die Sprache und die Geräusche entfalten und ihren Platz finden, sich Gefühlszustände herauskristallisieren.
Ein musikalisch-poetisches Gewebe aus Wort, Verrichtungen, Spiel, Interaktion und Humor entsteht und entführt uns in eine andere Erlebniswelt.
Mit Theater Thikwa hat Ruth Geiersberger bereits zweimal zusammen gearbeitet ("Ver-Richtungen/m²" 2000 und "Orlando - Engel und Wartesäle" 2001)
Theater Thikwa ist ein künstlerisches Experiment mit behinderten und nicht behinderten Künstlern, die ihre Inszenierungen kollektiv erarbeiten. Das sogenannte Anderssein bringt oft verblüffend neue Blickwinkel auf das Spiel, auf die Menschen und die Welt.
Ernst Herbeck hat etwa die Hälfte seines Lebens in der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt Gugging (bei Wien) verbracht. Der ihn betreuende Arzt Leo Navratil regte Herbeck dazu an, Gedichte zu schreiben. Aus der Beziehung Arzt und Patient entwickelte sich eine Freundschaft und es entstanden rund 1200 Gedichte und Prosatexte.
Bekannt wurde Ernst Herbeck ab 1977 mit Veröffentlichungen unter dem Pseudonym Alexander.
Zu seinen Bewunderern gehört nicht nur der Grazer Schriftsteller Gerhard Roth, der sagt, das dessen „poetische Texte zum Schönsten zählen, was die österreichische Lyrik in der Gegenwart hervorgebracht hat.“ Auch Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, André Heller und Elfriede Jelinek haben Herbeck gehuldigt.
Der Morgen
Im Herbst da reiht der
Feenwind
da sich im Schnee die
Mähnen treffen.
Amseln pfeifen hehr
im Wind und fressen.
(Ernst Herbeck: "Im Herbst da reiht der Feenwind" Gesammelte Texte / herausgegeben von Leo Navratil, Residenz Verlag)
Foto: Peter Ehrentraut
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