Ballett: element xEin multimediales Tanzprojekt der Ruhr.2010HCC Dortmund |
Ein schmaler Raum. Ein Wecker, eine Lampe, vielleicht noch das Paar Hausschuhe neben einem schlicht geformten Beistelltischchen namens Vestby oder Malm. Individualität aus dem Katalog. Anonym, gesichtslos und doch der unserem Privatestem nächstliegende Raum. Er beschreibt meist nur einen Meter, der von der Schlafzimmerwand bis zu unserer Bettkante reicht. Ein Prototyp jener Nicht-Orte, die wir täglich durchschreiten. Der erste des Tages und der letzte. Ein privater Nachbau uns Reisender, die wir durch Hotels, Check-Ins, Warteräume oder Lobbys geprägt sind. In ihnen befinden wir uns in einer autonomen Zeit-Zone, die losgelöst von früheren wie darauf folgenden Ereignissen existiert. Unser Vorwärtskommen ähnelt einer Schleife, in der wir Dingen und Ereignissen begegnen, die wir bereits gesehen haben, zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort – Stillstand in Bewegung. Leben scheint hier ausgeschlossen.
Wir scheinen hier ausgeschlossen. Fremdkörper, unfähig in Beziehung mit diesem Raum zu treten, Spuren zu hinterlassen, ihn uns eigen zu machen. Örtliche wie zeitliche Verwirrung setzt ein. Unserer orientierenden Parameter beraubt, gleiten wir in einen seltsamen Zustand der Haltlosigkeit ab.
Mit dem Projekt element X, in dessen Zentrum die Kompositionen von Hans Werner Henze und die Auseinandersetzung mit dem Lebensraum Ruhr stehen, besetzt der Dortmunder Ballettdirektor Xin Peng Wang einen dieser Übergangsräume. Abseits der sicheren Spielfläche für Kunst, jenseits eines Bühnenraumes inszeniert er im Harenberg City Center Strategien eines Ausbruchs, einer Störung dieser zyklischen Bewegung. Er und seine Tänzer laden uns mit kleinen Geschichten zu dieser Tanzerkundung ein. An einen Ort, an dem wir dies nicht erwarten. Zu einem Erlebnis, das uns träumen lässt.
Der Zuschauer selbst bleibt in seiner gewohnten Situation, die er in jedem öffentlichen Raum einnimmt: keine vorgeschriebene Strecke, die er einzuhalten hat, kein fester Platz, der für ihn reserviert wurde. Er kann sich frei bewegen, soll die Stationen der künstlerischen Irritationen aus eigenem Impuls heraus verknüpfen. Es bleibt seine Entscheidung inwieweit er sich den Geschehnissen nähert oder sich zu ihnen distanziert. Den Weg erarbeitet er sich selbst. Gelockt und geführt wird er allein durch die Musik von Hans Werner Henze. Jeder Raum birgt hierfür eine eigenständige tonale Gestaltung. Die Auswahl soll sich dabei nicht nur auf Henzes Werke für Ballett und Tanz beschränken, sondern ein musikalisches Kaleidoskop seines Schaffens erzeugen. Die kompakteren Besetzungen in seinen kammermusikalischen Arbeiten ermöglichen die Integration von Musikern, die neben der Tonbandeinspielungen, der an diesem Aufführungsort nicht zu realisierenden Werke, immer wieder Zentren und Bezugspunkt für die Choreographie schaffen. Ergänzt wird dieses Arrangement mit Werken von Komponisten wie Ludwig van Beethoven oder Populärmusik, die Henze inspirierten oder von ihm beeinflusst wurden und so ein intermediales Netz aus Referenzen bilden, welches seine stilistisch wie technisch vielfältige Musik greifbarer machen.
Diese musikalischen und tänzerisch intimen Auseinandersetzungen werden durch Einspielungen von Tonaufnahmen öffentlicher Plätze und Räume konterkariert und so wieder in die transitorische Architektur des Aufführungsortes zurückgebrochen. Auf dem gemeinsamen Erkundungsweg der Zuschauer, Musiker und Tänzer durch dieses tonale Panoptikum entstehen neue Wechselbeziehung, Spuren und Geschichten. Auf Leinwänden und Projektionen gespiegelt wird die Flüchtigkeit des bloßen Ausdrucks und der Darstellung aufgehoben und fortdauernd darauf gebannt. Die daraus entstandenen Spuren können von jedem verfolgt werden. Leitfaden, Empfehlung oder Ausgangspunkt – der Zuschauer entscheidet selbst.
www.theaterdo.de/ballett
Eintritt 30 €
zzgl. 3,- € VVK
Vorverkauf ab 30.01.2010
VVK über Telefon 0231/9056-166
sowie über die Theater-Hotline 0231/5027-222
Mo-Sa, 10:00-18:30 Uhr
sowie über alle bekannten CTS Vorverkaufs-Stellen
Termine
momentan sind keine Termine eingetragenKontakt:
44137 Dortmund
info@hcc-dortmund.de
http://www.hcc-dortmund.de
Telefon: (02 31) 90 56-166
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