UMBRA - eine Klang-Schatten-PerformanceTheater ThikwaF40-Kunsthöfe |
Yuko Kaseki, André Nittel. Foto: Martin Pfahler
Fotogalerie Antonella Travascio/plotpoint
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Video von Raluca Ernescu
Mit Nico Altmann, Heidi Bruck, Karol Golebiowski, Corinna Heidepriem, Vincent Martinez, André Nittel, Peter Pankow, Tim Petersen . Regie: Yuko Kaseki und Antonis Anissegos . Choreographie + Tanz: Yuko Kaseki . Komposition + Musik: Antonis Anissegos . Bühne: Isolde Wittke . Kostüm: Gerlinde Altenmüller . Licht: Christian Maith, Jesse Cogdell . Kostüm-Assistenz: Sonia Vilbonnet . Mentorin: Bente Schmidt . Produktionsleitung: Klaus Altenmüller
TICKETS: 14 / 8 ermäßigt / 3-Euro-Kulturticket / Gruppenrabatt
Ideen zum Thema Schatten, vom Schattenfangspiel bis zur Offenbarung der Schatten, die Menschen mit sich tragen, inspirierten zu Miniaturen aus Bewegung und Live-Musik. Der Musiker und Komponist Antonis Anissegos und die Choreographin und Butoh-Tänzerin Yuko Kaseki begeben sich als Komplizen mit acht Thikwa-Darstellern in gemeinsam entwickelte Szenen. Der Spannungsbogen erreicht Höhen, in denen den Zuschauern fast der Atem stockt. Begriffe wie Demokratie und Respekt drängen sich auf, obwohl es ja nur um Schatten gehen sollte. Die kunstvolle Handlungserweiterung von Darstellern, die offiziell als behindert gelten, führt zur Bewusstseinserweiterung des Publikums.
+ + + Z U S C H A U E R S T I M M E N + + +
zeigte doch jeder einzelne eine immerwährende Präsenz, die bis in die letzte Reihe beeindruckte! Das Stück war rhythmisch, absolut dramatisch und spannend, berührend, wirklich witzig (PS)
Die Erinnerung an die Schönheit der Leichtigkeit, frei von Schemata und Strukturen zu sein und sein zu dürfen, ist das, was ich von diesem Abend mit nach Hause genommen habe. (JM)
Jede noch so kleinste Geste-Ton- Bewegung -perfekt aufeinander abgestimmt - kein Bruch- alles fließend- eine Einheit. ... Sie reißen die vierte Wand ein - die Kluft, eine klare Abgrenzung zwischen Publikum und Schauspielern wird mit dieser Selbstverständlichkeit aller Anwesenden und dem was in dem Raum der Magie geschieht, obsolet. (RG)
Außergewöhnlich. Außergewöhnlich schön. So muss Theater sein: Hautnah. Unter die Haut gehen. Grenzen aufzeigen und überwinden. Konfrontation mit dem eigenen Selbst. Spielfreude. Ohne Künstliches so viel Kunst! (VH)
war super! umwerfend und faszinierend, habe lang nichts mehr so gutes gesehn. (KW)
+ + + P R E S S E S T I M M E N + + +
Es ist wie ein Gemälde in Bewegung, ein altes mystisches Werk, vielschichtig in seiner Bedeutung. Eine zeitlose Botschaft aus fernen Zeiten, ausgedrückt in modernem Tanz. Die Darsteller entdecken sich und die anderen, ihre Schatten und die Schatten der anderen. Die Inszenierung lässt nicht erkennen, wer behindert ist und wer nicht, und doch ginge eine Dimension verloren, würden auf der Bühne nur sogenannte normale Schauspieler agieren.
(Kari Gåsvatn, Deutschlandkorrespondentin von Nationen/Norwegen)
Der Schatten macht Menschen zu Riesen und lässt einen, wie einer der Akteure sagt, "niemals allein sein". "Immer habe ich mein doppeltes Ich in der Hosentasche." ... Die hervorragenden Leistungen des Ensembles wurden am Premiereabend mit viel Beifall geehrt. Damit bedankten sich die Zuschauer auch für einen Abend eindrucksvoller und bizarrer Bilder, der Abwechslung und neue Einsichten bot.
(Neues Deutschland)
Das Nichtgreifbare und letztlich Nichtkonfrontierbare zur Anschauung zu bringen, ist voll gelungen. Die Butoh-Tänzerin Yuko Kaseki mit ihrer bewundernswert klaren Körperführung ist neben den enthinderten Körpern sehr beeindruckend. ... Am Ende kann ich mich der begeisterten Äußerung meiner Begleiterin nur anschließen: Es war spannend – man weiß nicht warum, aber es war spannend!
(Heike Oldenburg, non profit freelancerin)
+ + + R E G I E + + +
Yuko Kaseki arbeitet seit 1995 als freie Tänzerin, Choreographin und Lehrerin in Berlin. Einer ihrer tänzerischen Schwerpunkte ist Butoh. Sie gründete 1995 mit Marc Ates die Company Company cokaseki und realisierte zahlreiche Produktionen in Zusammenarbeit u. a. mit den bildenden Künstlern Chiharu Shiota, Francois Giovangigli, Søren Dø sowie den Musikern Antonis Anissegos, Aki Takase, Axel Dörner, Andrea Neumann. Aufführungen von Soli und Ensemble-Performances in Europa, USA, Kanada, Mexiko, Taiwan und Japan. Sie gewann zahlreiche Auszeichnungen, arbeitete mit inkBoat/San Francisco, CAVE/New York, Floor of Sky/San Francisco u. a. Kaseki organisiert und tanzt seit 2004 die Improvisationsserie Ammo-Nite Gig mit internationalen Musikern und Performern. www.cokaseki.com
Antonis Anissegos arbeitet als Komponist, Pianist (Interpret von historischer bis zeitgenössischer Musik), Improvisator und elektronischer Musiker. 1991 erhielt er das Klavierdiplom vom Staatlichen Konservatorium Thessaloniki. Im Anschluss studierte er in Budapest, Wien, Köln (Kompositionsdiplom 1997) und von 1998 bis 2001 als Meisterschüler von Walter Zimmermann an der Universität der Künste in Berlin. Er gewann Kompositionspreise der Neuköllner Oper und des Berliner Senats. Aufführungen seiner Kompositionen u. a. von Ensemble Modern, Ensemble Piandaemonium, Ensemble Mosaik, Ensemble Cornucopia, Ensemble DissonArt, Staatliches Orchester Thessaloniki, Farbenorchester Athen und Junge Philharmonie Thüringen. Anissegos arbeitet in mehreren Projekten, darunter das Ensemble European Music Project und das Geschwistertrio IAMA, Zusammenarbeit u. a. auch mit der Butoh-Tänzerin Yuko Kaseki (KAYA) und der Videokünstlerin Erika Matsunami (OIO). Darüber hinaus gibt es zahlreiche Projekte und Veröffentlichungen im Bereich zeitgenössischer Jazz und improvisierte Musik.
+ + + H I N T E R G R U N D + + +
Das Stück Umbra schöpft aus der interkulturell unendlichen Sammlung von Ideen, Geschichten und Motiven zum Thema "Schatten" und haucht ihnen mit Bildern, Bewegungen und Klängen Leben ein. Der Musiker und Komponist Antonis Anissegos und die Choreographin und Tänzerin Yuko Kaseki entwickeln mit acht Darstellern optische und klangliche Miniaturen, die assoziativ verflochten sind. Die Körper der Akteure zeigen sich nicht nur als Schatten, sondern auch in durch Bewegung erzeugten Verformungen. Schattenspiele beschreiben Szenen des Schattenfangens, sind Höhlengleichnis, Tagschuhtraum oder Sonnentanz. Stimmen sowie instrumentale und elektronische Klänge – live oder bearbeitete Aufnahmen aus dem Probenprozess – schreiben in Licht-Räumen eine kleine Philosophie des Schattens.
"Ich dachte, die schönste Sache in der Welt müsste Schatten sein, die Millionen sich bewegenden Formen und die Sackgassen des Schattens. In Kommodenschubladen und Schränken und Koffern gab es Schatten, und Schatten unter Häusern und Bäumen und Steinen, und Schatten im Augeninneren der Menschen und in ihrem Lächeln, und Kilometer und Kilometer und Kilometer von Schatten auf der Nachtseite der Erde." Sylvia Plath, Die Glasglocke
Der Schatten – zentrales Motiv des performativen Stückes – wird auch als die Rückseite des Lichts betrachtet. Das Licht, das Dinge sichtbar macht, macht zugleich manches unsichtbar. Bei herannahender Nacht schwinden die Farben, Formen werden zu Schatten, er grenzt Schwarz und Weiß voneinander ab. Der Schatten, den wir alle haben, aber ihm nicht begegnen, der auch das Andere und Fremde, Geist sein kann, dessen man sich – wie Chamissos Schlemihl – entledigen will, ihm jedoch nicht entkommt. Der Schatten als Projektion und musikalisch als der Schall, der Widerhall oder das Echo. Der musikalische Schatten wird zur Reflektion und zum Klang der inneren Stimme.
Der Schatten ist Anregung und Gegenstand von Philosophie, Psychologie, Literatur oder Musik, findet sich in Platons Höhlengleichnis, in den Gedanken von Thomas Browne, bei Carl Gustav Jung ebenso wie in den Werken von Adelbert von Chamisso, Sylvia Plath, Carlos Castaneda oder auch Richard Strauss. Die Kulturen der Welt schreiben dem Schatten oft ein Eigenleben, eine Seele zu. Die Zulu in Südafrika fürchten das Nahen des Todes, wenn der Schatten kürzer wird, weil Leichen, die auf dem Boden liegen, kaum Schatten werfen. In China binden sich die Totengräber mit einem Gürtel symbolisch ihren Schatten am Leib fest, damit er nicht ins Grab fällt – der Tote fände in diesem Fall keine Ruhe. Und in Indien galt ein Brahmane nicht nur dann als verunreinigt, wenn ein Kastenloser ihn berührte, sondern bereits, wenn nur dessen Schatten auf ihn gefallen war. Noch im 19. Jahrhundert haben in Transsilvanien Schattenverkäufer Menschen vermessen und deren Schatten an die Architekten neuer Häuser verkauft. Der eingemauerte Schatten sollte Einbrecher in die Flucht schlagen.
Termine
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Telefon: ETB 030/693 56 92, Thikwa 69 50 50 920
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