CHORbüronews
...der Newsletter der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände e.V.

Newsletter Nr. 10/2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein frischer Wind weht durch die deutsche Chorlandschaft. Mehrere Verbände haben sich an ihrer Spitze personell neu aufgestellt. Beim Deutschen Chorwettbewerb in Freiburg war einmal mehr das exzellent hohe Niveau der Chormusik zu erleben. Boom und Begeisterung fürs gemeinsame Singen, auch außerhalb etablierter Pfade, sind ungebrochen. Es bewegt sich viel. "Halleluja!", möchte man rufen – oder besser noch singen. 

Mit den nachfolgenden aktuellen Infos beenden wir die Berichterstattung in diesem Jahr und freuen uns schon – attacca, allegro, animato – auf 2019. Auch das nächste Jahr wird wieder Spannendes und Neues für die Chorwelt bringen. Allen Partnern und Freunden der BDC sagen wir ein herzliches Dankeschön für die vielen anregenden Kontakte und Gespräche. Haben Sie ein gesegnetes Weihnachsfest, genussvolle Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!

Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände
KMD Christian Finke, Präsident
Matthias Balzer, Vizepräsident
Niklas Dörr, Generalsekretär

Inhalt

Wieder deutlich mehr Zelter-Plaketten
Neuer Zusammenschluss von Chorverbänden auf Bundesebene
TV-Feature zum "Boom der Chöre"
Kompositionswettbewerb geistliche Chormusik
Neue Antragstermine: Fördermittel für Projekte mit Kindern
Vier Typen von Chorsängerinnen und -sängern
Chorfreude in Marktoberdorf

Wieder deutlich mehr Zelter-Plaketten

Unter den Augen des Bundespräsidenten, dessen Porträt die Wand im Sitzungsraum zierte, tagte Ende November in Berlin der Empfehlungsausschuss zur Verleihung der Zelter-Plakette im kommenden Jahr. Er begutachtet die Anträge auf Auszeichnung von Chören, die seit mindestens 100 Jahren ununterbrochen musikalisch aktiv sind. Nachdem in den letzten Jahren jeweils nur zwischen 25 und 50 Anträge zu behandeln waren, ist die Zahl nun – 100 Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkriegs – wieder deutlich angestiegen. Weit über 100 Anträge von zumeist 1919 gegründeten Chören waren diesmal zu begutachten. Auffällig ist, dass die Steigerung im Bereich kirchlicher Chöre vergleichsweise moderat ausfällt. Die Zahl der vor einhundert Jahren gegründeten weltlichen Gesangvereine hat sich im Vorjahresvergleich noch deutlich stärker vervielfacht!

Die positiv bewerteten Anträge werden nun über die Kulturministerien der jeweiligen Länder an den Bundespräsidenten weitergeleitet – mit der Empfehlung (daher der Name "Empfehlungsausschuss" für das Gremium mit Vertretern von Bund, Ländern und Chorverbänden), diesen Chören die Zelter-Plakette zu verleihen. Die erste Plakette des Jahres 2019 wird dann am 31. März 2019 in Gotha überreicht. Seit Stiftung der Zelter-Plakette durch Bundespräsident Theodor Heuss 1956 ist sie bis zum Jahr 2018 insgesamt 11.437 Mal verliehen worden.

Neuer Zusammenschluss von Chorverbänden auf Bundesebene

Mit dem Ziel, ihre gemeinsamen Interessen zu bündeln und gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu vertreten, sich im öffentlichen Musikleben zu vernetzen und mit Rahmenverträgen Sonderkonditionen bei Dienstleistern wie GEMA oder Versicherungen zu erwirken, haben sich zum 1. Dezember vier regionale Chorverbände zusammengeschlossen, die keiner bundesweiten Organisation angehören. Der Bayerische Sängerbund e.V., der Chorverband Bayerisch-Schwaben e.V., der Chorverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. und der SSH Sängerbund Schleswig-Holstein e.V. bilden nun die Arbeitsgemeinschaft Freier Chorverbände (AG-FC) und laden weitere Verbände ohne Bundespräsenz zum Mitmachen ein. Erster und zweiter Vorsitzender sind Jürgen Schwarz, Marktoberdorf, und Bernd Küpperbusch, Neuendorf bei Elmshorn. 

Eine der ersten Maßnahmen der AG-FC war ihr Beitritt zur BDC, in der sich die bundesdeutsche Chorszene abbildet und in der Vernetzung und Vertretung der Chorverbände stattfinden. Die bisher sieben BDC-Mitgliedsverbände votierten "unisono" (also einstimmig) für die Aufnahme. Zusammen mit ihrem neuen Mitglied repräsentiert die BDC nun direkt 42.000 Chöre mit gut 900.000 aktiven Sängerinnen und Sängern.

TV-Feature zum "Boom der Chöre"

Über das Fernsehen erfahren nun auch breite Bevölkerungsschichten, was es mit dem Singen auf sich hat. Kürzlich strahlte der NDR ein 45-minütiges Feature dazu aus. Der Sender erklärt: "Chorsingen galt lange als uncool, war nur etwas für richtig gute Sänger. Doch das hat sich gründlich geändert. Insgesamt singen in Deutschland momentan mehr als fünf Millionen Menschen in Gesangsgruppen oder im Chor. [...] Der Film begleitet Chöre, die anders singen wollen als klassische Schul- oder Kirchenchöre und fragt: Warum sind Chöre plötzlich so angesagt?" Die Antwort gibt's von den Hansemädchen, dem Heaven-can-wait-Chor (Foto: NDR/labo m./Leon Krack) und dem "One-Night-Chor". Diese drei Gruppen stehen exemplarisch für drei höchst unterschiedliche Chorformate. Und keines von denen sucht Nachwuchs – es ist umgekehrt. Hier steht man Schlange zum Mitmachen oder zum Casting, wenn nicht ohnehin Aufnahmestopp ist! 

Na klar, die drei porträtierten Chöre sind speziell, abseits des Traditionellen. Aber genau das ist das Bemerkenswerte. Hier tut sich was außerhalb der etablierten Szene. Wer wissen will, was "geht", sollte hinsehen. Nach der Erstausstrahlung am 10. Dezember wird der Film erneut am 20. (0:15 Uhr), 22. (6:30 Uhr) und am 24. Dezember (9:15 Uhr) auf tagesschau24 gesendet. Er steht außerdem in der Mediathek zum Streamen und Downloaden zur Verfügung.

Kompositionswettbewerb geistliche Chormusik

Unter dem Titel Musica sacra nova lädt das Erzbistum Köln gemeinsam mit deutschen und internationalen Partnern zum Wettbewerb. Bis zum 15. Januar 2019 (Einsendeschluss) werden Kompositionen für maximal 16-stimmigen gemischten Chor a cappella mit lateinischem christlichem Text gesucht. In einer zweiten Kategorie konkurrieren Kompositionen für vier- bis sechsstimmigen gemischten Chor mit Orgel zu lateinischem liturgischem Text.

Die Werke müssen zwischen drei und zehn Minuten lang, bislang unveröffentlicht und unaufgeführt und der Komponist unter 36 Jahre alt sein. Je Einreichung fallen 30 Euro Startgebühr an. Es winken Preisgelder von 2.500, 2.000, 1.500 bzw. 1.000 Euro für die jeweils 1., 2. und 3. Platzierung. Die Bewertung nimmt eine hochkarätig, u.a. mit Eriks Ešenvalds, Andrea Angelini und Enjott Schneider besetzte internationale Jury vor. Die komplette Ausschreibung (pdf, 5 Seiten, 109kB) steht zum Download bereit. 

Neue Antragstermine: Fördermittel für Projekte mit Kindern

Im Rahmen des Förderprogramms "Musik für alle!" von BDC und BDO stehen im Jahr 2019 wiederum rund eine Million Euro für Musikprojekte mit bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Die Mittel werden in drei Runden bewilligt; Antragstermine dafür sind der 14. Januar 2019 (für Projekte ab 1. März 2019), der 13. Mai 2019 (für Projekte ab 1. Juli 2019) und der 9. September 2019 (für Projekte ab 1. November 2019).

Jeweils im Anschluss sichtet und bewertet eine Fachjury die Projektideen. Deren Vorsitzender Matthias Balzer verdeutlicht: „Nicht wenige Kinder und Jugendliche kommen durch ‚Musik für alle!‘ erstmals mit Musikinstrumenten in Berührung oder lernen, sich beim Singen selbst musikalisch auszudrücken. Und weil zu den meisten Projekten auch eine Aufführung gehört, nehmen das dann auch Familie, Freunde und Öffentlichkeit wahr.“ Eine besondere Chance liegt in der nachhaltigen Wirkung. Balzer ermuntert Musikvereine und Chöre, die Projekte durchführen, die daraus entstandenen Kontakte zu nutzen und auch danach weiter mit den neu gewonnenen Kindern und Jugendlichen zu musizieren. „So profitieren alle Beteiligten auch langfristig von ‚Musik für alle!‘.“ 

Förderfähig sind neue musikalische Projekte, die in lokalen Bündnissen von mindestens drei Akteuren durchgeführt werden. Zu einem solchen Bündnis schließen sich beispielsweise ein Chor, eine (Musik-) Schule und eine Kirchengemeinde zusammen, um bildungsbenachteiligten Kindern zwischen drei und 18 Jahren mit außerschulischen Angeboten Musik näherzubringen. Konkrete Maßnahmen reichen vom Kennenlernen verschiedener Instrumente über das Singen und Musizieren in der Gruppe bis hin zur Ferienfreizeit, in der die Kinder zum Beispiel ein Musical erarbeiten und aufführen. Sogar ein gemeinsamer Konzertbesuch mit Werkeinführung ist zuschussfähig. Auch Honorare für Fachkräfte, Leihgebühren für Noten und Instrumente, Verpflegungs- und Fahrtkosten etc. können im Rahmen von „Musik für alle!“ erstattet werden. Alle Infos zum Förderprogramm finden sich hier. Das Projektbüro berät und begleitet Interessierte von der ersten Ideenskizze bis zur Beantragung.

Vier Typen von Chorsängerinnen und -sängern

Der Chorverband Rheinland-Pfalz hat in einer eigenen Studie das Image des Chorsingens untersucht. Über 600 Menschen haben im Frühjahr 2018 Fakten und Empfindungen in einem Onlinefragebogen mitgeteilt, und zwar sowohl Choraktive als auch solche, die nicht im Chor singen. Das wichtigeste Ergebnis gleich vorweg: Singen im Chor hat durchweg ein positives Image! 

Im Detail bietet die Studie viele gute Anknüpfungspunkte, die eigene Chorarbeit zu verbessern. Stichwort Mitgliederwerbung: Was wirklich zählt, ist die persönliche Ansprache durch Freunde, Bekannte oder Familie, sie sind die wirksamsten Werberbotschafter; Plakate oder Anzeigen rekrutieren allenfalls einen Bruchteil neuer Mitstreiter. Die Voraussetzungen fürs Mitsingen sind sehr vielschichtig, ganz weit oben rangiert ein/e mitreißende/r Chorleiter/in, konzentriertes Proben, das Repertoire. An weichen Faktoren spielen aber auch eine gute Gemeinschaft und respektvoller Umgang eine große Rolle. Gefragt nach Gründen, nicht im Chor zu singen, gaben 73,7% an, sie haben eigentlich keine ...  

Im Erläuterungsteil geben die Studienmacher konkrete Tipps. So wird etwa empfohlen, nicht ganz so penibel auf Pünktlichkeit und Probenbesuch zu beharren, um auch von weiter weg anreisenden Sängerinnen und Sängern das Mitmachen überhaupt zu ermöglichen (was ja gerade im ländlichen Raum wichtig ist). "Just-sing"-Gruppen können Einstiegsangebote für Neue sein. Sehr interessant ist die Kategorisierung der Chormenschen in vier verschiedene Typen: Die "Straights" singen nach Feierabend zum Ausgleich und möchten dabei schnell Erfolg spüren; sie setzen auf einen hohen Fun-Faktor. Die "Demands" wollen gefordert werden, bevorzugen anspruchsvolle Literatur und studieren sie auch schon mal allein ein. Die "Conventionals" mögen's klassisch und pflegen traditionelles Repertoire, gern im reinen Männer- oder Frauenchor. Und die "Prospectives" sind unentschlossen und brauchen, ja warten vielleicht geradezu auf den Anstoß zum Mit- bzw. Weitermachen im Chor. Merke: Es gibt gar nicht den Chor, sondern man muss vielmehr ganz genau hinschauen.

Die Originalstudie zum Chorsingen in Rheinland-Pfalz besteht aus einem 56-seitigen Booklet und dem dazugehörigen 87-seitigen Appendix als E-Book. Beides ist gegen eine Schutzgebühr von EUR 10,99 online bestellbar. Übrigens, noch ein ganz handfester Tipp: Orientiert an der Ausgabebereitschaft des Publikums, liegt der ideale Konzerteintrittspreis zwischen 12 und 18 Euro ... 

Chorfreude in Marktoberdorf

Vorfreude auf Chorfreude: Beim diesjährigen Weihnachtsmarkt in Marktoberdorf trafen sich Freunde und Fans der MODfestivals erstmals am eigenen Glühweinstand (Foto: ARTbmk). Die wärmenden Getränke, die spezielle Chor-leuchtende Feuertonne und jeden Abend ein Adventskonzert wechselnder regionaler Chöre in der Frauenkapelle am Marktplatz erzeugten nicht nur weihnachtliche Stimmung, sondern auch Vorfreude auf den nächsten Kammerchorwettbewerb im schönen Allgäu. Ach, wenn doch nur bald schon Pfingsten wäre ...!

Impressum

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www.chorverbaende.de

V.i.S.d.P.: Niklas Dörr, Generalsekretär

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