WissensWert 05 / 2017

Ihre Bibliothek – qualifiziert, kooperativ, zuverlässig

 



Frans Masereel, Die Sonne – München: Wolf, 1920 © VG-Bild-Kunst, Bonn 2017
 

Inhalt

1. Künstlerbücher von Claus Böhmler (1939-2017)
2. Die Bibliothek im Mai 2017
3. Beluga – Katalog der Hamburger Bibliotheken
4. Bücher in Ausstellungen: Andreas Vesalius „De humanis corporis fabrica“. Basel 1543
5. WWW-WissensWert: Moderne Kunst … verstehen!
6. Wissenswertes – Der Geruch alter Bücher als Kulturerbe

Liebe Leserinnen und Leser!

Im Februar verstarb der Hamburger Künstler und ehemalige Professor der Hochschule der Bildenden Künste Claus Böhmler. Die Bibliothek der Hamburger Kunsthalle besitzt eine ganze Reihe seiner Künstlerbücher. Im ersten Artikel sollen eine Auswahl aus dem Bestand sowie der Künstler vorgestellt werden. Der zweite Beitrag beschäftigt sich mit Beluga, dem Katalog der Hamburger Bibliotheken, in den die Museumsbibliotheken nun neu aufgenommen wurden. Die Rubrik „Bücher in Ausstellungen“ widmet sich einem großartigen illustrierten Anatomieatlas aus dem 16. Jahrhundert. Mit „WWW-WissensWert“ springen wir anschließend direkt in die Moderne und stellen eine Internetressource vor, die Anfängern den Einstieg in das Verständnis der modernen Kunst erleichtert. Schon häufiger wurde der Geruch alter Bücher in „WissensWert“ thematisiert. Jetzt erschien eine neue wissenschaftliche Studie mit interessanten Ergebnissen, die „WissensWertes“ vorstellt.

Viel Vergnügen beim Lesen und Entdecken wünscht

Andrea Joosten
Leiterin der Bibliothek

1. Künstlerbücher von Claus Böhmler (1939-2017)

Was ist Kunst? Wann beginnt ein Objekt, ein Kunstwerk zu sein? Erst im Museum? Oder bereits im alltäglichen Leben? Diese Fragen stellten sich viele Künstler am Ende der 1960er Jahre. Kein Wunder, dass in dieser Zeit zahlreiche Künstlerbücher entstanden. Auch bei diesem Medium kann man sich immer wieder die Frage stellen, ist das vorliegende Buch ein Künstlerbuch oder ein Buch über einen Künstler oder ein Künstler-Katalog.

Claus Böhmler ging den Dingen auf den Grund. Wulf Herzogenrath, ehemaliger Direktor des Kölnischen Kunstvereins, später der Kunsthalle Bremen, heute Mitglied im Stiftungsrat der Hamburger Kunsthalle, nannte Claus Böhmler deshalb einen „Grundlagenforscher“. Der Künstler hinterfragte alles, vor allem die so genannten Neuen Medien – Fotografie, Film, Video und Fernsehen. Als Querdenker wollte Böhmler untersuchen, wie diese Medien das Bewusstsein beeinflussen und welche Möglichkeiten sie bieten. Dabei geht er zunächst positiv an die Fragestellung heran. Eine Kritik entsteht im Kopf des Betrachters, durch einen spielerischen Umgang des Künstlers mit ironischem Unterton. Claus Böhmler veränderte eine Komponente, eine Perspektive, und es ergibt sich ein vollkommen neues Bild. Der Blick auf einen alltäglichen Gegenstand ist plötzlich ganz anders. Der Betrachter ist zunächst irritiert, versucht zu verstehen und gewinnt auf diese Weise eine neue Sicht auf die Dinge. „Denken im Sehen“ nennt der Kunsthistoriker Jean-Christophe Ammann (1939-2015) diese Vorgehensweise im Katalog zur Ausstellung „Düsseldorfer Szene“ 1969.


Titelblatt. In: Böhmler, Claus (1939-2017): Claus Böhmler zeigt Pinocchio. Ein lineares Programm. Köln 1969. Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=391243101 © Hamburger Kunsthalle

1969 erschien auch das erste Künstlerbuch von Claus Böhmler, in dem er sich einem seiner Lieblingsthemen widmete. Im Mittelpunkt steht die Figur des Pinocchio in der Form, wie sie für den Film der Walt Disney Studios entwickelt wurde. Claus Böhmler machte eine Position des gehenden, fröhlich lächelnden und einen Apfel in der Hand haltenden Pinocchios zu einem Stempel. Mit diesem produzierte er die Vorlage für sein Künstlerbuch. Auf mehr als 70 nicht nummerierten Seiten zeigt er zahlreiche Variationen auf, die man mit diesem Stempel produzieren kann. Es entstehen Untersuchungen zu den Formen, aus denen sich Pinocchio zusammensetzt. Die Farben der Figur werden analysiert. Die Stempel werden auseinandergenommen und hintereinandergesetzt. Auf manchen Seiten überlagern sie sich. Auf anderen erscheint nur ein Teil der Figur auf dem Papier. „Ein lineares Programm“ heißt es im Untertitel des Künstlerbuches. Immer wieder arbeitete Claus Böhmler mit dem seriellen Prinzip. Passend dazu wird das Buch vervielfältigt. Es erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König, bis heute einem der großen Produzenten von Künstlerbüchern. Walther König ist selbst ein ausgewiesener Kenner der Szene und besitzt eine große Sammlung von Künstlerbüchern. „Pinocchio“ von Claus Böhmler ist hochwertig verarbeitet. Es besitzt einen gebundenen Einband. Das trifft nicht auf alle Künstlerbücher von Claus Böhmler zu.

Im gleichen Jahr, 1969, erschien ein weiteres Künstlerbuch ganz anderen Charakters. Claus Böhmler reproduzierte sein altes Schulbuch des Faches Erdkunde in der ersten Klasse – so zumindest steht es auf dem Einband, der zugleich das Titelblatt darstellt. Und der Band sieht tatsächlich aus wie ein Schulheft. Aber hat man in der ersten Klasse bereits Erdkundeunterricht? Die Beschriftung irritiert. Der Künstler spielt mit dem bekannten Medium. Die Reproduktion gibt ihm die Möglichkeit, ein neues Werk zu schaffen – originale Reproduktionen, für die die Form des Künstlerbuches ein optimales Beispiel ist.


Einband und Titelblatt. In: Böhmler, Claus (1939-2017): Fach: Erdkunde – Name: C. Böhmler – Klasse: first – Schuljahr: ’69. Berlin 1969. Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=252815777 © Hamburger Kunsthalle

„Fach: Erdkunde …“ erscheint in der Edition Hundertmark, die sich auf reproduzierbare und serielle Kunstwerke in Form von Multiples und Künstlerbüchern spezialisiert hat. Auch Claus Böhmlers Lehrer, Joseph Beuys (1921-1986), vertrieb einige Multiples über diesen Verlag.

Durch manuelle und automatische Fotokopie entstanden in den folgenden Jahren viele Künstlerbücher von Claus Böhmler. Diese Copy-Hefte boten ihm die Möglichkeit, seine Zeichnungen zu vervielfältigen. Der Künstler nannte die Zeichnung „das tätige Denken“. Diese Gattung bildet immer eine Idee ab. Claus Böhmler arbeitete mit so genannten Gesprächszeichnungen, die sowohl eine analytische als auch eine spontane Komponente haben. Die Spontaneität, die der musikalischen Improvisation gleicht, ist ihm ein wichtiges Element. Sie geht einher mit einer ungeheuren Phantasie, einem großen Spieltrieb und einem allumfassenden positiven, oft humorvollen Blick auf den behandelten Gegenstand.

1999 setzte Claus Böhmler ein solches Copy-Heft in einer Präsentation der Ausstellungsreihe „Standpunkte“ ein. In dem von ihm gestalteten Raum im Altbau der Hamburger Kunsthalle, dort, wo sich heute die Kasse und das Besucherbüro befinden, baute Böhmler eine Aktion zur „Rettung“ der Reproduktion des Gemäldes „Sous les peupliers“ von Claude Monet (1840-1926) auf. Die Reproduktion hing dabei an der Wand. Der Künstler stand vor ihr und sah sich die Details des Bildes immer wieder durch ein Fernglas an. Auf einem Notenständer lag ein Plattencover, das er mit Pinsel und Farben bearbeitete. Von der Schallplatte ertönte Musik von Debussy und Ravel. Eine Dame mit Sonnenschirm sprach über Original und Reproduktion, über Übersetzungen von Bildern und Texten und von der Kunstvermittlung, die aus dem passiven Betrachter einen aktiven nachvollziehenden Museumsbesucher machen soll. Unterstützend dazu lagen auf einigen Tischen die Copy-Hefte des Künstlers. Die Besucher sollten diese kreativ nutzen, sie anmalen, die Bilder ausmalen oder anderweitig verwenden. Der Ausstellungskatalog, der wie zu allen Präsentationen der Reihe „Standpunkte“, als kleines „Fensterheft“ erscheint, besteht aus dem Zeichenheft Claus Böhmlers, eingerahmt von einem Text von Susanne Weiß, der die Unmöglichkeit von Kunstvermittlung, Übersetzung und Reproduktion erläutert. Am Schluss wird auch hier der „Leser“ aufgefordert, die Schaffung eines Kunstwerkes selbst zu vollziehen.

So wie Claus Böhmler jedes Medium hinterfragte, so ging er auch mit dem Sinn des Ausstellungskataloges um. Zu seiner ersten größeren Einzelausstellung, 1974 im Kölnischen Kunstverein, erschien anstelle eines Kataloges eine illustrierte Bibliographie, die der Künstler aus Bildern zusammenkopierte. Es entstand „ein Buch mit Reproduktionen nach Reproduktionen von Fotos, von Originalzeichnungen mit Reproduktionen nach Zeichnungen.“ (Vorwort)

Von 1974 bis 2005 wirkte Claus Böhmler als Professor an der Hochschule für Bildende Künste am Lerchenfeld. Im Februar 2017 ist er in Hamburg gestorben.

Wer mehr lesen möchte:
Claus Böhmler. Ablichtungen vom story board „Zum Einhorn“ und „Kommt, zirkelt, sägt und ploppt“. Katalog der Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle 1985
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek,
https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=272448990

Claus Böhmler. Instant – aber sofort! Katalog der Ausstellung Kassel 2001
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=334172217

Claus Böhmler. Zeichenhefte zum An- und Ausmalen. Katalog der Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle 1999-2000
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=304805416

Über Claus Böhmler. Illustrierte Bibliografie und Der Läufer. Katalog der Ausstellung Köln 1974
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=05592669X

2. Die Bibliothek im Mai 2017

Bibliotheksbestände in Sammlungspräsentationen und Ausstellungen:
Transparentes Museum
Hamburger Kunsthalle, Lichtwark-Galerie, Erdgeschoß
http://www.hamburger-kunsthalle.de/index.php/Transparentes-Museum/articles/Transparentes-Museum.html

24.2.-21.5.2017
Die Poesie der venezianischen Malerei. Paris Bordone, Palma il Vecchio, Lorenzo Lotto, Tizian
Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart, Sockelgeschoß
http://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/die-poesie-der-venezianischen-malerei

24.2.-21.5.2017
Holzschnitte aus der Zeit Tizians
Hamburger Kunsthalle, Harzen-Kabinett
http://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/holzschnitte-aus-der-zeit-tizians

Handapparate im Studiensaal:

Die Poesie der venezianischen Malerei

Warten

Zeichnungsräume

3. Beluga – Katalog der Hamburger Bibliotheken

Was hat ein Beluga-Wal mit einem Bibliothekskatalog gemeinsam? Es ist weit mehr als nur der Name, der das Tier mit dem Katalog Hamburger Bibliotheken verbindet. Der Beluga-Wal ist ein geselliges und soziales Tier. Er lebt in Familienverbänden oder kleinen Gruppen zusammen. Erst vor ein paar Jahren wurde seine Sprache entschlüsselt, mit deren Hilfe sich die Tiere untereinander verständigen. Kommunikation und Zusammenarbeit sind auch im bibliothekarischen Alltag die wichtigsten Komponenten.


Beluga-Wale im Georgia Aquarium im Januar 2006. Quelle:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georgia_Aquarium_-_Baluga_Whales_Jan_2006.jpg © Foto: Diliff, CC-by-sa-2.5

Der Beluga-Katalog ist ein konsortialer Katalog, der die Bestände von 15 Hamburger Bibliothekssystemen vereint. Seit März 2017 sind auch die Museumsbibliotheken dabei. Beluga bietet den besten Zugang, will man Bibliotheksbestände in Hamburg mit einer Suche abfragen. Mit mehr als 13 Millionen Datensätzen ist er ein Schwergewicht, genau wie der Beluga-Wal. Trotz ihrer Masse haben diese Tiere eine schlichte eigene Schönheit. Auch der Eingangsbildschirm des Hamburger „Beluga“-Kataloges ist einfach und übersichtlich gestaltet. Dahinter steht eine lange Entwicklungszeit, die bereits 2007 begann. Beluga feiert also in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag. Seit November 2016 steht die aktuelle Version 3.1 zur Verfügung. Der moderne Bibliothekskatalog basiert auf Suchmaschinentechnologie. Die Software VuFind, die in den USA an der Villanova University entwickelt wurde, bildet die Grundlage. Sie ist eine Open-Source-Software und so steht auch Beluga als Beluga-core jedem Interessierten zur weiteren Nutzung zur freien Verfügung. Und dies haben schon mehrere Bibliotheken getan, z. B. die Universitätsbibliotheken in Braunschweig, Hildesheim und Lüneburg.

Was aber ist das Spezifikum des Beluga-Kataloges? Was lässt ihn zu einem modernen Discovery-Katalog werden? Beluga bietet deutlich mehr als herkömmliche Bibliothekskataloge. Der Nutzer kann buchstäblich Entdeckungen machen. Der Katalog eignet sich sowohl zum Stöbern als auch für eine ganz gezielte Recherche.


Eingangsbildschirm des Beluga-Katalogs. Quelle: https://beluga.sub.uni-hamburg.de/vufind/

Der Eingangsbildschirm zeigt vier Kästen, die sich auf einer stilisierten Hamburgkarte verteilen. Der größte Kasten zieht sich quer über den oberen Bildschirm. Er enthält ein erstes Menü mit einem Suchschlitz für eine voreingestellte Recherche durch alle Felder der Titelaufnahme. Anhand eines Dropdownmenüs kann man diese Schnellsuche auf ein bestimmtes Feld (Titel, Person, Schlagwort) eingrenzen. Daneben führen Links zu einer erweiterten Suche, zum Aufrufen des bisherigen Rechercheverlaufs oder direkt zu einer Fernleihbestellung, durch die man in den Katalog des Gemeinsamen Verbundkatalogs (GBV) gelangt.

Unter diesem großen Kasten stehen drei weitere mit Auswahlmöglichkeiten. Hier sieht man schon das erste zusätzliche Angebot des neuen Systems. Beluga greift sowohl auf die Bibliotheksbestände selbst als auch auf elektronische Artikel zu, die an Hamburger Bibliotheken zur Verfügung stehen. Je nachdem, wo man den Schwerpunkt setzt, werden beim Suchergebnis zuerst die Bücher oder die elektronischen Medien angezeigt. Daneben kann man die Recherche auch auf ein ausgewähltes Bibliothekssystem (z. B. die Museumsbibliotheken) beschränken. Führen wir eine Suche nach dem Begriff „Hamburger Kunsthalle“ durch. Die Anführungszeichen zeigen der Suchmaschine an, dass wir nicht nach einzelnen Wörtern suchen möchten, sondern der Begriff als Wortfolge recherchiert werden soll. Um eine Suche möglichst präzise zu formulieren, bietet Beluga diverse weitere Möglichkeiten an, die unter dem Punkt „Hilfe“ in der oberen Leiste erläutert werden. Neben den unterschiedlichen Trunkierungen sowie dem Einsatz Boolescher Operatoren ist vor allem die unscharfe Suche (mittels ~) und die Bereichssuche (für alphabetische oder numerische Zeichen, z. B. 2002 TO 2003) interessant. Hat man sich übrigens einmal vertippt, bietet Beluga selbstständig anstelle der Ergebnisanzeige alternative Begriffe an, die man nur anklicken muss.

Bei unserer oben beschriebenen Phrasensuche erhalten wir 2.295 Treffer im Bereich der Bücher sowie 358 Hinweise auf Artikel zu oder von der Hamburger Kunsthalle. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bibliothekskatalogen, die die neueste Literatur an erster Stelle nennen, erfolgt hier eine Sortierung nach Relevanz, so wie man sie auch von den Ergebnissen in Suchmaschinen gewohnt ist. Wer das nicht mag, kann die Sortierung mittels eines Dropdownmenüs verändern. Die linke Spalte der Ergebnisanzeige listet die ersten 20 Treffer mit kurzen Beschreibungen auf. Bei dem Reiter „Bücher & mehr“ sieht man sofort, in welchen Bibliothekssystemen die Titel vorliegen. Klickt man den Titel an, erscheint die vollständige Titelaufnahme, unter der die besitzenden Bibliotheksysteme stehen. Hat man sich eine Bibliothek ausgesucht, führt ein Link in der rechten Spalte in den entsprechenden Bibliothekskatalog. Die wichtigsten Angaben, wie Signatur oder Ausleihstatus werden jedoch bereits von Beluga angezeigt. Klickt man den Namen der jeweiligen Bibliothek an, gelangt man zum Eintrag im Hamburger Bibliotheksführer, der die Adresse, Öffnungszeiten etc. verzeichnet. Einen direkten Link zur Homepage der Bibliothek gibt es nicht.


Ergebnisbildschirm des Beluga-Kataloges. Quelle: https://beluga.sub.uni-hamburg.de/vufind/Search/Results?lookfor=%22hamburger+kunsthalle%22&submitForm=Suchen&limit=20&sort=relevance&library=GBV_ILN_22

Die erste Anzeige der Treffer in Beluga kann noch mehr. In einer rechten Spalte hat man zahlreiche Möglichkeiten, das Suchergebnis zu verfeinern. Bei 2.295 gefundenen Titeln ist das überaus sinnvoll. Im Bereich „Bücher & mehr“ kann man zunächst die Medienart (gedruckte oder elektronische Bücher, Aufsätze, Zeitschriftenbände, Elektronische Ressourcen, Hochschulschriften etc.) anklicken. Darunter gibt es ein Menü, mit dem man das Erscheinungsjahr präzisieren kann. Hinter den einzelnen Wahlmöglichkeiten steht immer die Trefferzahl. So sieht man auf einen Blick, dass zu unserer Suche vor allem gedruckte Bücher im 20. Jahrhundert in deutscher Sprache erschienen sind. Der Autor, der die meisten dieser Bücher verfasst hat, war Alfred Lichtwark, gefolgt vom zweiten Direktor der Hamburger Kunsthalle, Gustav Pauli. Das am häufigsten behandelte Thema in unserer Treffermenge ist –  wen wundert es? – die Bildende Kunst. Alle diese Kategorien können auf einfache Art und Weise den Suchfilter präzisieren. Über diesen gibt es auch hier die Möglichkeit, die Suche auf einzelne Bibliothekssysteme zu begrenzen. Man sieht, dass sich die meisten Bestände zur „Hamburger Kunsthalle“ in den Museumsbibliotheken befinden. Filtert man das Ergebnis auf diese 1.994 Treffer, so verändert sich die Titelanzeige. In der rechten Spalte sieht man, dass sich die meisten Medien in der Bibliothek der Hamburger Kunsthalle befinden – nämlich 1.496 Stück. Gleichzeitig springt die Ergebnismenge der „E-Artikel“ auf Null, da die Museumsbibliotheken ihren Nutzern keine kostenpflichtigen E-Medien anbieten können.

Bei dem Thema Künstlerbücher besitzen die Museumsbibliotheken mit 3.021 die zweitmeisten Medien (nach der Staats- und Universitätsbibliothek). Und auch hier liegt die Bibliothek der Hamburger Kunsthalle vorne. Angezeigt werden sowohl die Künstlerbücher selbst, wenn diese als solche gekennzeichnet werden, als auch die Literatur über diese spezielle Gattung.

Die Recherche in Beluga ist einfach und bietet zahlreiche nützliche Möglichkeiten, die Bibliothekskataloge ursprünglich nicht besitzen. Darüberhinaus kann der Nutzer sich bei Beluga registrieren lassen. Unter seinem Namen kann man sich dann seine eigene Bibliothek mit Titeln aufbauen, die man für die Bearbeitung eines Themas häufiger benötigt. Auch unangemeldete Nutzer können sich eine Merkliste zusammenstellen, doch wird diese beim Schließen des Browserfensters wieder gelöscht. Ausgewählte Titel lassen sich zudem per E-Mail versenden oder in verschiedenen Formaten exportieren. Eine letzte Verwendung der Titeldaten in Beluga ist die Zitierfunktion. Per Klick lassen sich die einzelnen Treffer im APA, Chicago Citation und MLA Zitierstil anzeigen und können per Copy und Paste in den eigenen Text eingebaut werden. Alle diese Zusatzfunktionen zeichnen Beluga aus und machen ihn zu einer Alternative zum lokalen Bibliothekskatalog der Bibliothek der Hamburger Kunsthalle.

Beluga wird kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei steht der Nutzer stets im Mittelpunkt, denn er soll schließlich die beste Antwort auf seine Fragestellung erhalten, die die vielfältigen Bestände der Hamburger Bibliotheken bieten können.

Der echte Beluga-Wal ist in Hamburg eher selten zu sehen. 1983/84 verirrte sich zuletzt ein Weißwal in die Elbe. Er wurde im Hamburger Hafengebiet gesichtet, scheint aber, selbstständig seinen Weg in die Nordsee gefunden zu haben. Den Beluga-Katalog der Hamburger Bibliotheken, der eine entsprechende Stadtkarte hätte liefern können, gab es damals schließlich noch nicht.

Wer mehr lesen möchte:
Flügel, Anna-Lena u.a.: Usability. Abschlussbericht des Projektes “beluga – den Katalog neu denken” an der HAW Hamburg unter Leitung von Prof. Ursula Schulz im Wintersemester 2013/2014 für die Arbeitsgruppe beluga
http://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2015/2947/

Rulik, Imke: Known-Item-Suchanfragen im Discoverysystem beluga. Retrievaleffektivität und Empfehlungen. Hamburg, HAW, Department Information, Bachelorarbeit, 2014
http://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2015/3023/

4. Bücher in Ausstellungen: Andreas Vesalius „De humanis corporis fabrica“. Basel 1543

Dieses Buch hat die Welt verändert – sowohl die medizinische als auch die buchgestalterische. Dass es in der Druckerei von Johannes Oporinus (1507-1568) erschien, überrascht nicht, galt der Drucker doch selbst als Gelehrter und Humanist. Oporinus wurde als Sohn des Basler Malers Hans Herbst (1470-1552) geboren und hieß folglich eigentlich Johannes Herbst. Nach seinem Studium in Straßburg und Basel unterrichtete er als Lehrer für Latein und Griechisch, arbeitete nebenbei als Korrektor für Johannes Froben (1460-1527), einem der bedeutendsten Buchdrucker in Basel. Oporinus gab sich damit aber nicht zufrieden und begann ein Studium der hebräischen Sprache und der Jurisprudenz. 1527 wurde er Famulus des berühmten Wissenschaftlers Paracelsus (ca. 1493-1541). Lange hielt er es jedoch nicht bei dem Meister aus. 1536 wurde Oporinus zum Professor für griechische Sprache in Basel ernannt, ein Amt, das er 1542 wieder aufgab, um sich seiner Passion zu widmen. Er eröffnete eine eigene Druckerei. Im November 1542 erschien sein erster Druck. Blickt man auf das Verlagsprogramm, so spiegeln sich dort alle Bereiche wieder, in denen Oporinus zuvor tätig war. Sein Haus, ab 1559 auf dem Nadelberg in Basel, war ein beliebter Treffpunkt für Gelehrte. Oporinus’ Druckerei war nicht klein. Er besaß sechs Pressen und hatte ungefähr 30 Angestellte. Auf der Frankfurter Messe besaß er ein eigenes Lager- und Verkaufslokal. Dass er sich trotzdem immer wieder verschuldete, mag an seinem hohen Anspruch gelegen haben, den er an seine Arbeit stellte.

Gleich in der Anfangszeit gab es den ersten Skandal. Oporinus druckte die erste lateinische Übersetzung des Koran. Der Baseler Stadtrat wollte ihm das verbieten, doch durch die persönliche Fürsprache von Martin Luther (1483-1546) konnte das Buch 1543 schließlich erscheinen. Der Druckort und Oporinus’ Name durften jedoch nicht genannt werden, und auch der Vertrieb durfte nicht von Basel aus erfolgen. Im gleichen Jahr verlegte Oporinus seine bedeutendste und schönste Schrift, die über Jahrhunderte zu einem Standardwerk werden sollte und die Geburtsstunde der modernen Medizin markiert.


Vortitelblatt. In: Vesalius, Andreas (1514-1564): De humani corporis fabrica. Basileae 1543. Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=116837454 © Hamburger Kunsthalle. Foto: A. Joosten, Hamburg

Auch sein Autor war ein Genie auf seinem Gebiet. 1514 wurde Andreas Vesalius als Andreas Witinck in Brüssel geboren. Seine Familie stammte ursprünglich aus dem niederrheinischen Wesel, worauf auch der Name „Vesalius“ verweist. Vesalius interessierte sich schon früh für die Anatomie, ein Gebiet, dass in der Familie nicht fremd war, denn sein Vater war der Leibapotheker Karls V. (1500-1558) in Brüssel. Sein Sohn wurde auf das Gymnasium in Löwen (Leuven) geschickt. Später studierte er in Paris und Padua. Mit 23 Jahren wurde er in Padua Professor für Chirurgie. Bisher hatten die Ärzte ihr Handwerk durch das Sezieren von Tierkadavern gelernt. Im 16. Jahrhundert begann man offiziell damit, auch Leichen zu sezieren. Andreas Vesalius besaß also ein umfangreiches Wissen, als er 29-jährig seinen Anatomieatlas schrieb. Er orientierte sich dabei an dem Standardwerk des antiken Mediziners Galen (etwa 130-201), das 1490 erstmals in Venedig gedruckt wurde. Der Rückgriff auf die klassische Nomenklatur gepaart mit dem zeitgenössischen Wissen räumte mit einigen willkürlichen Beschreibungen des Mittelalters auf.

Vesalius’ „De humanis corporis fabrica libri septen“ (Sieben Bücher über den Aufbau des menschlichen Körpers) ist eine umfassende anatomische und physiologische Studie des menschlichen Körpers. Die sieben Bücher gliedern sich in Teile zu Knochen, Muskeln, Gefäßen, Nerven, inneren Organen, Herz und Gehirn auf. Die Bezeichnungen, die Vesalius zur Beschreibung verwendete, bilden noch heute die Grundlage für die moderne Anatomie.

In der frühren Neuzeit war das Wissen um den menschlichen Körper nicht für jeden gedacht. Es waren vor allem natürlich die Mediziner, die sich mit anatomischen Fragen auseinandersetzten. Aber auch die Künstler besaßen ein großes Interesse am Aufbau des Menschen. Man denke an Dürers Proportionslehre (https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=194105806), die 1528 erschien, oder an die eigenen Sezierversuche von Leonardo da Vinci (1452-1519), dessen daraus gewonnenes Wissen in seine Zeichnungen einfloss. So verwundert es nicht, dass die wichtigste Veröffentlichung, die die Medizingeschichte mit einem Schlag revolutionierte, zugleich auch ein Meisterwerk der Buchillustration ist. Die 659 Seiten beherbergen 250 Abbildungen. Zum Teil wurden sie aufwändig in den Text gesetzt, zum Teil gestalten sie eine komplette Seite. Es gibt kleinformatige Darstellungen einzelner Knochen bis hin zu Klapptafeln, auf denen z.B. das Nervensystem in allen Verästelungen erkennbar ist. Das Exemplar der Bibliothek der Hamburger Kunsthalle, das noch bis zum 21. Mai in der Ausstellung „Holzschnitte aus der Zeit Tizians“ (http://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/holzschnitte-aus-der-zeit-tizians) im Harzen-Kabinett gezeigt wird, enthält glücklicherweise noch alle Illustrationen. In vielen Bänden gingen die Klapptafeln im Laufe der Jahrhunderte verloren.

„Über die künstlerische Autorenschaft wurde in der Forschung viel diskutiert“, schreibt David Klemm in dem kleinen Text, der das Buch in der Ausstellung begleitet. Immer wieder wurde die Zuschreibung an den ebenfalls vom Niederrhein stammenden Jan Stephan von Calcar (um 1499-1546) angezweifelt. Heute scheint dessen Autorenschaft für einen Großteil der Holzschnitte gesichert zu sein. Domenico Campagnola (1500-1564) wird ebenfalls in Zusammenhang mit einigen Entwürfen genannt. Auch sein Konkurrent Tizian (1478/80-1576) könnte in die Konzeption des Gesamtwerkes und bei der Organisation von dessen künstlerischer Umsetzung involviert gewesen sein.


A. J. Defehrt (1723-1774): Anatomie. In: Encyclopédie, Ou Dictionnaire Raisonné Des Sciences, Des Arts Et Des Métiers. Planches. Premiere Livraison. Paris 1762, Pl. II, Fig. 1. Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=131328859 © Hamburger Kunsthalle. Foto: H. Schröder, Hamburg

Bei allen Fragen, die die künstlerische Urheberschaft betreffen, ist eines sicher: Vesalius’ Prachtwerk setzte neue Qualitätsmaßstäbe an die anatomische Illustration. Der menschliche Körper wird als eigene Welt dargestellt. Selbst die Leichen sind „ästhetisch“. Der Körper und sein Innenleben werden analysiert und inszeniert, wobei es keine technischen und moralischen Grenzen gibt. Alles wird abgebildet und das in einer Weise, die den Blick nach Innen lebendig werden lässt. Da lehnt ein Skelett an einem Grabstein; ein „Muskelmann“ wandert durch eine Landschaft. Noch bis ins späte 18. Jahrhundert findet man derartige Darstellungen als Kopie in anatomischen Lehrbüchern oder in Enzyklopädien. Die Künstler der ersten großen Enzyklopädie von Denis Diderot (1713-1784) und Jean le Rond d’Alembert (1717-1783) beispielsweise ließen sich von Vesalius’ Publikation inspirieren. „De humani corporis fabrica“ wurde in zahlreichen Auflagen veröffentlicht. Vesalius selbst gab 1555 eine zweite Auflage heraus, die leichte Textänderungen verzeichnet. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg waren die Originalholzstöcke der Publikation in Deutschland vorhanden. Auch heute erscheinen immer wieder Reprints älterer Ausgaben dieses Meilensteins der Medizingeschichte.

Wer mehr lesen möchte:
Bonjour, Edgar: Oporinus, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie. Berlin 19 (1999), S. 555-556
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=266063004

Johannes Oporinus. In: Index Typographorum Editorumque Basiliensium
http://www.ub.unibas.ch/itb/druckerverleger/johannes-oporin/

Kemp, Martin: Bilderwissen. Die Anschaulichkeit naturwissenschaftlicher Phänomene. Köln 2003

Roth, Moritz: Vesalius, Andreas. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig 39 (1895), S. 639
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=037403052

5. WWW-WissensWert: Moderne Kunst … verstehen!

Vor 100 Jahren, im April 1917, stellte Marcel Duchamp (1887-1968) sein Urinal aus und überschritt damit alle Grenzen der bisherigen Kunst. Kann ein industriell gefertigter Alltagsgegenstand zu einem Kunstwerk erhoben werden, wenn er im Raum des Museums oder der Galerie ausgestellt wird? Die Schau in der Society of Independent Art in New York löste eine kontroverse Debatte über Kunst aus. Als Folge wurde Duchamps Werk „Fountain“, das er unter dem Pseudonym „R. Mutt“ eingereicht hatte, von der Ausstellung ausgeschlossen.

Die Dadaisten erhoben „Fountain“ zum Kunstwerk, da der Künstler in ihren Augen alleine durch seine Auswahl einen Gegenstand zum Kunstwerk machen könne. Eine Woche nach dem Ausschluss aus der Ausstellung im New Yorker Grand Central Palais stellt Alfred Stieglitz (1864-1946) Duchamps Werk in seiner Galerie 291 aus. Von ihm stammt auch die einzige vorhandene Fotografie des Werkes. Das Original ist verschwunden. Wahrscheinlich wurde es nach der Ausstellung zerstört. Es existiert lediglich in einigen Repliken, die Duchamp nach dem Foto anfertigte. Doch keines dieser Werke gleicht dem anderen. Es gibt Abweichungen in der Größe, Form und Signatur. Mit „Fountain“ zog das „Ready-made“ (Object trouvé) in die Kunstwelt ein und legte den Grundstein für nachfolgende Kunstrichtungen.

Die verschiedenen Kunststile der Moderne sind für viele Laien nicht immer auf den ersten Blick verständlich. Zahlreiche populärwissenschaftliche Publikationen versuchen aufzuklären, den Zugang zu erleichtern. Dass derartige Bücher eine zeitlang auf den Bestsellerlisten stehen, zeigt, wie groß das Bedürfnis nach Erklärungen beim allgemeinen Publikum ist. Eine Webseite versucht, die wichtigsten Stilrichtungen, Künstler, Gruppen und Themen der Moderne zu erläutern und damit die Entwicklung aufzuzeigen, die am Ende des 19. Jahrhunderts bereits begann, als Künstler die traditionellen Malstile brachen und neue Wege einschlugen. Vom Impressionismus bis zum Bauhaus werden die wichtigsten Kunstrichtungen in kurzen Abhandlungen beschrieben.


Eingangsbildschirm zu „Moderne Kunst … verstehen!“. Quelle: https://www.kunst-zeiten.de/

Die erste Seite erklärt dabei, woher die Bezeichnung des Kunststils stammt, und präsentiert stellvertretend ein bedeutendes Werk. Ein ausführlicherer Text stellt die Grundidee vor. Ein weiterer bettet die jeweilige Kunst in das Zeitgeschehen ein. Verwiesen wird am Schluss der Eingangsseite auf bedeutende Vertreter. Die Künstler werden ebenfalls mit einem Bild, einem Portrait als Gemälde oder Foto, den Lebensdaten und einer schlagwortartigen Einordnung in die Kunstgeschichte vorgestellt. Ausführlichere Texte zu Leben und Werk runden das Angebot ab.

Insgesamt präsentiert die Plattform auf diese Weise 41 Künstler und zwei Künstlerinnen (Paula Modersohn-Becker und Berthe Morisot). Unfreiwillig wird sie damit zum Beweis, wie schwer es Künstlerinnen hatten, in den Kanon der Kunstgeschichte aufgenommen zu werden. In einem dritten Bereich werden eine Handvoll Künstlergruppen vorgestellt. „Die Brücke“, „Der blaue Reiter“, „De Stijl“ werden eingerahmt von „Abstraction-Création“ und den Secessionen. Zu jeder Gruppe gibt es einen Text sowie Hinweise auf die wichtigsten Vertreter. Hinter dem Stichwort „Weg“ in der Menüleiste verbergen sich Texte zur Kunstgeschichte von der Renaissance bis zur Moderne. Sie betten den Schwerpunkt der Seiten in einen Gesamtkontext und zeigen eine Entwicklung auf, die die moderne Kunst verständlicher macht. Die „Timeline“, als fünften Menüpunkt, bezieht sich auf bedeutende Ereignisse in der Welt- und Kulturgeschichte. Gerade das 19. Jahrhundert und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts werden hier in kurzen Texten zu jedem Jahrzehnt beschrieben. Immer wieder gibt es einen Rückgriff auf wichtige Daten aus der Kunstwelt. Der letzte Menüpunkt „Cinema“ verlinkt eine Auswahl von Filmen (freizugänglichen oder Kaufempfehlungen) zu den zuvor dargestellten Themen.

Die Texte der Internetseiten wurden im Jahr 2005 von einer Gruppe von sechs Personen erarbeitet, zunächst für Vorträge, Präsentationen und Performances. Die Gruppe wollte die wichtigsten Einflüsse, Ausprägungen und auch die späteren Auswirkungen der Moderne für ein Publikum aufbereiten, für die die Thematik vollkommen neu war, z.B. für Schulklassen. Ganz besonders lag ihnen am Herzen, die Moderne eng im Zusammenhand ihrer Zeit zu deuten. Einer der Mitarbeiter in der Gruppe war der heutige Betreiber der Webseite, Steven Maier. Er setzte das gesammelte Material für die Präsentation im Internet um. Der Aufbau der Seiten ist einfach und gut strukturiert. Das Angebot ist überschaubar, die Texte leicht verständlich. Dennoch bieten sie viele Informationen und eignen sich gut für einen ersten Einstieg in die Welt der Kunst der Moderne.

Wer mehr lesen möchte:
Gayford, Martin: Duchamp’s Fountain: The practical joke that launched an artistic recolution. In: The Telegraph, 16.02.2008
http://www.telegraph.co.uk/culture/art/3671180/Duchamps-Fountain-The-practical-joke-that-launched-an-artistic-revolution.html

Hofmann, Werner: Von der Nachahmung zur Erfindung der Wirklichkeit. Die schöpferische Befreiung der Kunst, 1890-1917. Köln 1970
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek: https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=070651248

6. Wissenswertes – Der Geruch alter Bücher als Kulturerbe

Viele Besucher, die zum ersten Mal den Studiensaal von Kupferstichkabinett und Bibliothek in der Hamburger Kunsthalle betreten, merken an, dass dieser typisch nach altem Papier rieche. Was aber bedeutet das? Wie riecht altes Papier? Wie riechen historische Bibliotheken?

Schließen Sie die Augen und versuchen Sie, diesen typischen Geruch zu beschreiben. Wir alle haben ihn in der Nase. Aber die Beschreibung fällt unendlich schwer. Uns fehlen die Worte. Wir haben es gelernt, das zu beschreiben, was wir sehen. Schwieriger wird es schon bei der Umschreibung von Geräuschen. Aber Gerüche? Wir reden kaum über den Geruchssinn und wenn dann häufig nur in ganz einfachen Worten, die ein Gefühl ausdrücken.


Cornelis Cort (1533-1578) nach Frans Floris d.Ä. (1519/1520-1570): Der Geruchssinn, 1561. Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 4158c © Hamburger Kunsthalle. Foto: C. Irrgang, Hamburg

Und dennoch beeinflussen Gerüche den Menschen im Alltag enorm. Es gibt Untersuchungen aus der Tourismusbranche, die die Verbindung von Gerüchen und besichtigten Plätzen oder Gebäuden umfasst. Gerüche sind wichtige Trigger im Lymbischen System unseres Gehirns. Sie sprechen Gefühle direkt an und unterstützen unsere Erinnerungen enorm. Es gibt bestimmte Gerüche, die für eine ganze Generation stehen. Gerüche können unser Handeln beeinflussen. Wir nehmen sie häufig nur nicht mehr bewusst wahr und haben schon gar nicht gelernt, sie zu beschreiben.

Es gibt bisher keine nationalen Archivierungsprogramme für Gerüche, während beispielsweise Geräusche in einigen Ländern systematisch gesammelt werden (z.B. Sound Archive der British Library, http://www.bl.uk/subjects/sound). Gerüche gehören ebenso wenig zum anerkannten kulturellen Erbe. „Ein Fehler“, meinen die Forscher des UCL Institutes for substainable Heritage und legen eine erste wissenschaftliche Untersuchung vor, die den Weg weisen und zur Diskussion anregen soll, welche Gerüche historisch wertvoll sein könnten. Ihre Studie behandelt den Geruch historischer Bibliotheken und alter Bücher. In einer chemischen Untersuchung haben sie die Substanzen gemessen, die ein Buch ausstrahlt und die in einer historischen Bibliothek, nämlich der St. Paul’s Cathedral’s Dean and Chapter Library in London, in der Luft liegen. Die Ergebnisse sind ziemlich eindeutig. Es fanden sich zahlreiche Aromen, die beweisen, dass der Geruch alter Bücher ein komplexes Gemisch vieler Komponenten ist.


Bücherregal im Magazin der Bibliothek der Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle. Foto: A. Joosten, Hamburg

Ziel der Wissenschaftler war es, ein erstes standardisiertes Vokabular zur Beschreibung von Gerüchen zu erarbeiten. Neben der wissenschaftlich-analytischen Methode fußt ihre Untersuchung auf einer Befragung, um der chemischen Beschreibung auch eine sinnliche hinzuzufügen. Die Besucher des Birmingham Museum and Art Gallery durften dazu an einem Buch aus dem Jahr 1928 schnuppern, das im Secondhand-Handel zuvor erworben wurde. 100% der Testpersonen nannten den Geruch holzig, 86% rauchig, 71% erdig. Daneben wurden auch Geschmacksrichtungen genannt, z. B. Gerüche nach Schokolade, Kaffee und Vanille. Diese Beschreibung mag zunächst erstaunen, überraschte die Wissenschaftler jedoch nicht, denn sie deckt sich mit vielen Inhaltsstoffen, die tatsächlich in der Bibliotheksluft gemessen wurden. So besteht Kakao beispielsweise aus Säuren, Aldehyden und Vanillin-Bestandteilen, die ebenso in den chemischen Messungen nachgewiesen werden konnten. Neben diesen sehr präzisen Beschreibungen wurden die Besucher aufgefordert, die Stärke des Geruchs zu klassifizieren und ihre Meinung zu äußern. Die meisten empfanden den Geruch des alten Buches als stark oder sehr stark. Über 70% gefiel dieser Geruch sehr gut; nur 14% stuften ihn als neutral ein. Es gab keine negativen Aussagen.

In einem dritten Schritt kombinierten die Wissenschaftler die beschreibenden Begriffe – wissenschaftlich-analytische und sprachlich-emotionale. Sie entwickelten eine Klassifikation in Form eines Geruchs-Rads für alte Bücher. Es soll ein Hilfsmittel zur Beschreibung und Dokumentation sein, das sowohl von Restauratoren als auch Laien genutzt werden kann, um Gerüche besser identifizieren, beschreiben und schließlich auch konservieren zu können. Die Studie soll zur Diskussion anregen und ein erster Schritt auf dem Weg sein, auch Gerüche als Kulturerbe zu festigen und zu archivieren. Im Museum, das sich heute im wesentlichen auf ein visuelles Erlebnis fokussiert, könnten Geräusche und Gerüche in einer neuen Kommunikationsstrategie den Besucher auf eine ganz andere Art und Weise ansprechen und den Museumsbesuch zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen.

Wer mehr lesen möchte:
Bembibre, Cecilia und Strlič, Matija: Smell of heritage: a framework for the identification, analysis and archival of historic odours. 7.12.2016
https://heritagesciencejournal.springeropen.com/articles/10.1186/s40494-016-0114-1

Die nächste Ausgabe von „WissensWert“ erscheint im Juni 2017.

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