WissensWert 04 / 2019

Information & Dokumentation
Bibliothek, Archive, Digitalisierung

 

 


 
 
 
Frans Masereel, Die Sonne – München: Wolf, 1920 © VG-Bild-Kunst, Bonn 2019
 
 
 
 
 
 

 

Inhalt

1. Künstlerfamilien in Hamburg: Die Familie Speckter
2. Information & Dokumentation im April 2019
3. Buchschmuck
4. Ein Lied, ein Gedicht, ein Kunstwerk, ein paar Worte – Es grünt und blüht
5. WWW-WissensWert: Datenbank geschützter Kulturgüter
6. Wissenswertes – Slow Art Day 2019

Liebe Leserinnen und Leser!

„Es gibt zwei Wege, um als Maler Geld und Stellung zu gelangen: 1. viel machen oder 2. gut machen. Der zweite Weg ist langsamer, mühseliger und nur bei wirklicher Begabung erfolgreich. Dass ich ihn dennoch riskiere, liegt in meiner Natur. Die nervöse Schnelligkeit des Gelingens und Schaffens ringsum darf unsereins nicht irre machen. In den meisten Fällen ist es Feuerwerk, welches bald verpufft. Es gibt auch in der Kunst Schwindler, welche dem Publikum eine Weile imponieren und Sand in die Augen streuen können“ (Brief von Hans Speckter aus München vom 15. Februar 1873, zit. nach Schapire, Rosa: Hans Speckter. Ein Maler. 1848-1888. Wienhausen 2004, S. 37). Das Zitat von Hans Speckter (1848-1888) klingt modern und aktuell. Es zeigt einen wachen Verstand und eine große Leidenschaft für die Kunst, was für mehrere Mitglieder der Hamburger Familie Speckter zutrifft. „WissensWert“ stellt sie im ersten Artikel vor. Zahlreiche Bücher wurden von den Speckters illustriert. Der dritte Artikel steigt in die verschiedenen Arten des Buchschmucks ein und erläutert sie anhand von Beispielen.

Im April beginnt die Natur, sich zu schmücken. So ist das Thema von „Ein Lied, ein Gedicht, ein Kunstwerk, ein paar Worte“ denn auch der Frühling. „WWW-WissenWert“ stellt im Anschluss daran die Datenbank geschützter Kulturgüter vor, zu denen nicht nur Kunstwerke, sondern auch Bestände aus dem Archiv der Hamburger Kunsthalle gehören.

im letzten Artikel greift „WissensWertes“ die „nervöse Schnelligkeit“ aus dem Speckter-Zitat vom Beginn auf und setzt einen Gegenpol. Der Slow-Art-Day lädt zum intensiven Sehen ein. Lassen Sie sich ganz auf die Kunst und auf diesen Newsletter ein.

Viel Vergnügen beim Lesen und Entdecken wünscht

Andrea Joosten
Leiterin Information & Dokumentation

1. Künstlerfamilien in Hamburg: Die Familie Speckter

Zwischen 1729 und 1839 fanden in Hamburg 233 Auktionen statt. Der Kunsthandel der Hansestadt hatte sich zu einem der bedeutendsten in Europa entwickelt. Entsprechend gab es in der Stadt mehrere größere Privatsammlungen, die interessierten Kunstliebhabern und Künstlern auf Nachfrage in der Regel zur Besichtigung offenstanden. „Es finden sich hier auserlesene Gemälde-, Kupferstich- und (welches noch seltener ist) Handzeichnungs-Sammlungen.“ (https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=150792956)

Als Daniel Chodowiecki (1726-1801) dies 1782 im Vorwort des Kataloges zur Sammlung Sillem fomulierte, hatte Johann Michael Speckter (1764-1845) seine Sammlung wohl gerade begonnen.


Erwin Speckter (1805-1835): Brustbild Johann Michael Speckter, 1824. Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, https://www.hamburger-kunsthalle.de/sammlung-online/erwin-speckter/brustbild-johann-michael-speckter-0 © Bildarchiv Hamburger Kunsthalle / bpk

Zur Ausbildung kam er aus Niedersachsen nach Hamburg. Doch diese hatte nichts mit Kunst zu tun. Speckter wurde ein Kaufmann. 1793 gründete er zusammen mit Friedrich August Hülsenbeck (1766-1834) und Johann Daniel Runge (1767-1856) sowie Johann Friedrich Wülffing (1763-1815) eine Kommissions- und Speditionshandlung. Das Unternehmen hatte großen Erfolg, so dass Speckter seiner Leidenschaft frönen konnte. Er sammelte Kunst und Bücher. Neben seiner kaufmännischen Tätigkeit legte er eine bedeutende Sammlung von Kupferstichen und Radierungen an. Doch das nicht genug. Auch die Literatur fand sein Interesse. Systematisch baute er eine eigene Bibliothek auf, die sich zuvor bereits in seinem Kopf gefestigt hatte. Die Bücher erwarb er in der Buchhandlung von Friedrich Perthes (1771-1843). Ja, er regte den Buchhändler sogar dazu an, stets eine Auswahl gebundener Bücher vorrätig zu haben. Bisher wurden diese ungebunden auf Bestellung angeschafft. So hatte Speckter indirekt einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung der ersten Sortimentsbuchhandlung und den Beginn des modernen Buchhandels.

Bei Perthes kaufte man nicht nur Bücher. Man traf sich dort ebenso zum Austausch mit Gleichgesinnten. Johann Michael Speckter hatte in der Buchhandlung schnell Freunde und Bekannte gefunden. Er kannte beispielsweise Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Georg Ernst Harzen (1790-1863) und die Brüder Gensler. Mit Daniel Runge verband ihn nicht nur das Geschäft, sondern ebenso die Liebe zur Kunst. Über ihn lernte er auch Philipp Otto Runge (1777-1810) kennen. Der Historiker Johann Martin Lappenberg (1794-1865) schrieb über ihn: „Von meinem lieben Speckter erhielt ich Einsicht in den damals zu Hamburg noch viel verketzerten Göthe, … in die Anfänge der Romantiker und die deutsche Volkspoesie…“ (zitiert nach: Braunfels, Veronika: Otto Speckter (1807-1871). Illustrator und Lithograph in Hamburg. Hamburg 1995, S. 14, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=043916023). Von vielen Zeitgenossen wird Johann Michael Speckter als charismatische Persönlichkeit beschrieben, die durch ihr fundiertes Wissen über Kunst und Literatur andere begeistern, inspirieren und beeinflussen konnte.

1817 gehörte Speckter zu den Mitbegründern des Hamburger Kunstvereins. Doch da hatte das Geschäft schon schwere Zeiten hinter sich. Die Elbblockade 1804 und die Franzosenzeit hatten der Firma arg zugesetzt. Am 11. Mai 1807 wurde sie aufgelöst. Bis 1818 führten Hülsenbeck und Speckter die Geschäfte noch fort, dann brach Speckter zu neuen Ufern auf. Mit inzwischen 54 Jahren gründete er zusammen mit dem Maler und Radierer Heinrich Joachim Herterich (1772-1852) die erste Steindruckerei in Hamburg. 1798 hatte Alois Senefelder (1771-1834) die Lithographie erfunden. Herterich war extra nach München gereist, um das neue Verfahren zu erlernen. Speckter versprach sich viel von der Firma. Um sie zu schützen, reichte er beim Hamburger Rat ein Gesuch auf ein Privileg für 20 Jahre ein. In der Begründung betonte er die Gemeinnützigkeit der neuen Technik. Doch die Bürgerschaft lehnte den Antrag ab und der Hamburger Rat gewährte nur ein Privileg auf zehn Jahre. In den kommenden Jahren waren es vor allem die Brüder Suhr (s. „WissensWert" 01/2019) und der Musikalienhändler August Friedrich Cranz (1737-1801), die das Monopol brachen.


Otto Speckter (1807-1871): Altes Specktersches Haus auf dem Valentinskamp,1824. Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett © Hamburger Kunsthalle / bpk

Speckters Steindruckerei auf dem Valentinskamp 274 spezialisierte sich auf Gebrauchsgraphik (Urkunden, Formulare, Einladungs- und Speisekarten) sowie Portätlithographie. Der Erfolg war wesentlich mühsamer als erwartet. Hinzu kam, dass nach Ablauf des Privilegs die Steindruckereien nur so aus dem Boden schossen. 1832 existierten acht Firmen, 1843 bereits 28. Johann Michael Speckter musste immer wieder sehen, dass er genug Geld für seine Frau Katharina (1781-1842) und die Kinder hatte. Diese wuchsen in einem stark literarisch-künstlerisch geprägten Umfeld auf. Das Lesen und Zeichnen gehörte zum Alltag von Hermine, Erwin, Otto, Malvine Ulrike und Adelheid. Der älteste Sohn Adolph starb bereits 1805 an einer Kinderkrankheit. Eine künstlerische Ausbildung war jedoch nicht selbstverständlich, denn sie kostete viel Geld. Im 19. Jahrhundert war es generell unüblich, dass die Mädchen eine solche erhielten. So blieben nur Erwin und Otto übrig. Erwin galt als begnadetes Talent und wurde von seinen Eltern verwöhnt und gefördert. Er erhielt Zeichenunterreicht, durfte später reisen, um seine Kenntnisse zu erweitern. Um all das finanzieren und eine schlechte Auftragslage ausgleichen zu können, entschloss sich Johann Michael Speckter 1822 dazu, seine Graphiksammlung zu verkaufen. In drei Teilen wurde dieser Entschluss umgesetzt. Zuletzt wurden die niederländischen Kupferstiche in Hamburg bei Johannes Noodt verkauft. Organisiert wurde die Auktion von Georg Ernst Harzen.

Die finanzielle Situation brachte es mit sich, dass die Eltern ihrem jüngeren Sohn Otto keine künstlerische Ausbildung bieten konnten. Für den kunstinteressierten Jungen war das eine bittere Pille. Natürlich fühlte er sich seinem Bruder unterlegen, wurde mitunter eifersüchtig, was immer wieder zu Streit zwischen den Brüdern führte.


Otto Speckter (1807-1871): Die Familie Speckter am Tisch, um 1830. Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett © Hamburger Kunsthalle / bpk

Es nützte aber nichts: Otto stieg in das Geschäft seines Vaters ein und arbeitete in der Druckerei als Lithograph mit. Für die Kunst suchte er sich die Freiräume, die ihm der harte Alltag ließ. 1823 nahm der Kunstsammler Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) beide Brüder mit auf eine Reise durch Schleswig und Holstein. Dies führte zu einer ersten eigenen Herausgabe einer Publikation von Otto Speckter. 1825 und 1826 erschienen zwei Hefte zum Altar von Hans Memling (1430-1494) in der Greveradenkapelle im Dom zu Lübeck mit Lithographien von Erwin und Otto Speckter (https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=252456769). Danach brach Erwin zu einer Studienreise nach München auf. 1827 kehrte er nach Hamburg zurück. 1829 beauftragte ihn der Architekt Alexis de Chateauneuf (1799-1853) mit der Ausmalung eines Kabinetts in Karl Sievekings Landhaus in Hamm, das gerade umgebaut wurde. Das Zimmer mit Erwin Speckters Malerei befindet sich heute im Museum für Kunst und Gewerbe (https://www.mkg-hamburg.de/de/sammlung/sammlungen/period-rooms/kabinett-als-erinnerung-an-eine-schiffspassage.html). Danach reiste der Künstler viele Monate durch Italien, was ihm sein Bruder durch den Verzicht auf ein Stipendium ermöglichte. Vier Jahre später begann Erwin Speckter mit Fresken für das neue Haus des Bürgermeisters Amandus Augustus Abendroth (1767-1842). Doch die Arbeiten konnte er nicht mehr selbst vollenden, denn er erkrankte schwer an Asthma, woran er im November 1835 starb. Das Wohn- und Balkonzimmer des Hauses von Abendroth gelangte ebenfalls in das Museum für Kunst und Gewerbe (https://www.mkg-hamburg.de/de/sammlung/sammlungen/period-rooms/abendrothsches-zimmer.html).

Sein Bruder Otto hatte sich derweil mit seinem Schicksal abgefunden und sein Leben in Hamburg eingerichtet. Er arbeitete fleißig und sicherte der Druckerei durch seine Illustrationsaufträge gute Einnahmen. 1834 nahm sein Vater ihn als Teilhaber auf. Zwei Jahre zuvor hatte Otto Speckter sein erfolgreichstes Werk geschaffen. Im Auftrag von Friedrich Perthes illustrierte er Fabeln des Pastors Wilhelm Hey (1789-1854). Da der Autor in dem Buch zunächst nicht genannt werden wollte, erschien die Publikation allein unter Speckters Namen (https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=689354908). Das Buch wurde ein großer Erfolg. Es erschienen mehrere Auflagen und Übersetzungen in verschiedene Sprachen, sogar ins Japanische. Der Autodidakt Otto Speckter hatte sich durch das Studium an der Natur zu einem lebendigen Tierzeichner entwickelt. Eine Rezension im „Kunstblatt“ schrieb: „Wir empfehlen dieses Büchlein den Eltern und Erziehern, welche dem kindlichen Sinne das Wahre und Gute im Gewande des Schönen reichen wollen,…“ (Fabelbuch von Otto Speckter. In: Kunstblatt. 14 (1833) 100, S. 399-400, hier S. 400, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=130141003). Die didaktische Ausrichtung wurde von Hey durchaus gewollt. 1839 wurden die Fabeln in Schullesebücher übernommen. Doch Perthes und Hey veränderten die Illustrationen, da sie sie auch für Wandtafeln verwenden wollten. Ohne mit Speckter als Urheber der Bilder zu sprechen, schufen sie Illustrationen, die zwar in der Anordnung der Figuren noch mit dem ursprünglichen Entwurf übereinstimmten, aber ansonsten nichts mehr mit diesem gemein hatten. Der große Erfolg des Fabelbuches öffnete Speckter die Tür zu weiteren Projekten, darunter auch Illustrationen zu Märchen der Gebrüder Grimm oder Hans Christian Andersen (1805-1875).

Otto Speckter orientierte sich in seinen Arbeiten an Werken, die er in der Kunstsammlung seines Vaters gesehen hatte. Hier waren es vor allem die niederländischen Künstler, die ihn beeinflussten. Doch auch die Hamburger Zeitgenossen wurden zu Vorbildern – allen voran Philipp Otto Runge. Bereits 1824 hatte er im Auftrag von Daniel Runge eine Reproduktionslithographie von Runges „Der Morgen“ angefertigt. 1840/41 schuf er sieben Steindrucke nach Werken Philipp Otto Runges für die von Daniel Runge herausgegebenen „Hinterlassenen Schriften“.


Otto Speckter (1807-1871) nach Philipp Otto Runge (1777-1810): Frontispiz und Titelseite. In: Runge, Philipp Otto: Hinterlassene Schriften. Teil 2. Hamburg 1841. Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=146350308 © Hamburger Kunsthalle

Die Druckerei Speckter & Co. erhielt durch die Illustrationsaufträge einen kurzzeitigen Aufschwung. Insgesamt gesehen, blieb die Auftragslage jedoch schwierig. Der Holzstich hatte als Vervielfältigungsverfahren an Bedeutung gewonnen. Hinzu kam, dass die Erfindung der Daguerreotypie und die damit verbundene Porträtphotographie der Lithographie zusetzte. Das merkte auch Speckter. Die Aufträge gingen deutlich zurück. Der finanzielle Druck wuchs. Das schlug sich sogar auf das Hochzeitsvorhaben Speckters nieder. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1845 hatte Otto Speckter Zeit, sich um sein eigenes Familienleben zu kümmern. 1847 heiratete er Maria Auguste Bergeest, mit deren Mitgift die Firma nach harten Verhandlungen saniert werden konnte. Als 1852 der Lithograph Herterich starb, nahm Otto Speckter dies zum Anlass, die Druckerei zu verkaufen und sich ganz seinem künstlerischen Schaffen zu widmen. Selbst neben dem stressigen Alltagsleben hatte er immer Zeit gefunden, seine Freunde im Hamburger Künstlerverein zu besuchen, den er 1832 mitgegründet hatte. Hier tankte er auf und die Kunst gab ihm die nötige Kraft.

Nach dem Verkauf der Druckerei zog die Familie in eine Wohnung auf den Hohen Bleichen. 1857 kaufte Speckter dann ein Haus in der benachbarten Fuhlentwiete. Der Atelierraum wurde zum zentralen Ort des Familienlebens. Otto Speckter liebte es, dass seine Frau ihm während der Arbeit vorlas. Auf diese Weise schuf er 1853 sein bedeutendstes Werk, die Illustrationen zu dem Gedichtband „Quickborn“ des Schriftstellers Klaus Groth (1819-1899), der die niederdeutsche Sprache entscheidend prägte (https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=245337075). Die Publikation zog das Interesse Theodor Storms (1817-1888) auf sich und es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen dem Dichter und dem Künstler, die wieder einige Illustrationsprojekte nach sich zog.

Wie selbstverständlich waren die sieben Kinder des Ehepaars Speckter im Atelier anwesend. Der älteste Sohn Hans (1848-1888) hatte die Liebe zur Kunst und eine künstlerische Begabung geerbt. Der intelligente Junge konnte schon lesen und schreiben, als er 1855 in die Schule kam. Er zeichnete bei Louis Asher (1804-1878) und war Schüler von Martin Gensler (1811-1881). 1866 ging er zur Ausbildung an die Kunstschule in Weimar. Doch mit der Gesundheit seines Vaters war es nicht gut bestellt. Als Otto Speckter 1870 einen Schlaganfall erlitt, kümmerte sich Hans bis zu dessen Tod am 19. April 1871 um ihn. Danach ging er nach München und wieder zurück nach Weimar, doch so richtig froh wurde er nirgendwo. 1884 schließlich nahm er in Hamburg eine Anstellung als Lehrer an der Mädchengewerbeschule an. Künstlerisch wirkte Hans Speckter als Illustrator wie sein Vater.


Hugo Kaeseberg (1847-1893) nach Hans Speckter (1848-1888): Klosterruine im Eichenwald mit zwei Rehen – Illustration zu „Die Eichensaat“ von Karl Simrock, 1875. In: Storm, Theodor: Hausbuch aus deutschen Dichtern seit Claudius. Leipzig 1875, S. 255. Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, https://www.hamburger-kunsthalle.de/sammlung-online/hugo-kaeseberg-hans-speckter-carl-marquart-taetig-im-19-jahrhundert-leipzig-33 © Bildarchiv Hamburger Kunsthalle / bpk

Hans Speckter setzte sich vehement für die Gründung des Museums für Hamburgische Geschichte ein. Im Verein für Hamburgische Geschichte, im Architekten- und Ingenieurverein hielt er Vorträge und veröffentlichte seine Pläne in einer kleinen Schrift (https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=320536076). Deren Umsetzung hat er nicht mehr erlebt. Am 29. Oktober 1888 starb der an Depressionen erkrankte Hans Speckter in einer Lübecker Heilanstalt. Doch nicht nur die Museumsgründung geht u. a. auf ihn zurück, die Kunsthistorikerin Rosa Schapire (1874-1954) erwähnt in einer Biographie des Künstlers, dass dieser Alfred Lichtwark (1852-1914) die Anregung gegeben habe, Bilder Hamburger Maler zu sammeln. Einige Beispiele aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle sind nun in der Ausstellung „Hamburger Schule. Das 19. Jahrhundert neu entdeckt“ zu sehen – darunter auch Werke aus der Familie Speckter (https://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/hamburger-schule).

Wer mehr lesen möchte:
Braunfels, Veronika: Otto Speckter. 1807-1871. Illustrator und Lithograph in Hamburg. Hamburg 1995
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=043916023

Hamburger Schule. Das 19. Jahrhundert neu entdeckt. Katalog der Ausstellung Hamburg 2019. Petersberg 2019
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek: Der Katalog wird eingearbeitet, sobald er erschienen ist.

Schapire, Rosa: Hans Speckter. Ein Maler. 1848-1888. Wienhausen 2004
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=372104134

Speckter, Maria Auguste: Familienchronik Speckter. Für die Kinder von Otto Speckter niedergeschrieben von seiner Frau. Hamburg 1964
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=179075535

Zwischen Poesie und Wirklichkeit. Erwin und Otto Speckter. Zwei Künstler in der Nachfolge Runges. Katalog der Ausstellung Hamburg 1977. Hamburg 1977
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=039259757

2. Information & Dokumentation im April 2019

Bibliotheksbestände in Sammlungspräsentationen und Ausstellungen:

Transparentes Museum
Hamburger Kunsthalle, Lichtwark-Galerie, Erdgeschoß
http://www.hamburger-kunsthalle.de/transparentes-museum

13.2.-26.5.2019
Tizian und die Renaissance in Venedig
Städel Museum, Frankfurt am Main
https://www.staedelmuseum.de/de/tizian-renaissance-venedig

Handapparate im Studiensaal:
KP Brehmer
The video is the message

3. Buchschmuck

Ein künstlerisch gestaltetes Buch ist ein Gesamtkunstwerk, das aus verschiedenen Elementen besteht. Eines davon ist der Buchschmuck, der lange Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielte. Eine Buchseite kann viele verschiedene Elemente umfassen, die mitunter von unterschiedlichen Menschen hergestellt wurden. Es gibt reine Bildseiten, Seiten mit Bordüren, Randillustrationen, Miniaturen und Initialen. Der Buchdruck orientierte sich anfangs an dem Seitenaufbau der Handschriften. Die Leser waren es schließlich nicht anders gewohnt. So allmählich entstand allerdings eine eigene Gestaltungssprache. Der Buchschmuck unterschied sich nun von der Buchillustration. In der Buchmalerei waren hier die Grenzen wesentlich fließender gewesen. Bei gedruckten Büchern jedoch kümmerten sich die Setzer um die Schrift. Die Illustration, die sich inhaltlich auf den Text bezieht, wurde häufig von einem Künstler geschaffen. Anfangs wurden die Initialen – die hervorgehobenen Anfangsbuchstaben – ebenso von einem Künstler ausgemalt und durch Leisten, Rahmen, Blüten und Ranken verziert. Erst ab dem 16. Jahrhundert wurde auch der thematisch vom Buchinhalt unabhängige Schmuck gedruckt.


Anonym: Titelblatt. In: Figvres dv Novveauv Testament. Lyon 1556. Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, Signatur: Ill. XV. Lyon 1556-8 © Hamburger Kunsthalle. Foto: A. Joosten, Hamburg

Damit begann die serielle Herstellung des Buchschmucks in Form von Stempeln. Die Verzierungen lagen jetzt in der Hand der Setzer. Ihrem Geschmack war freier Lauf gelassen. Der Buchschmuck teilte sich in typografischen Schmuck, der die Schrift in Form von Rahmen und Ranken umspielte, und in Vignetten ein, die ein bildhaftes oder abstraktes Schmuckzeichen darstellten. Letztere wurden häufig als Schlussstücke am Ende des Buches oder einzelner Kapitel eingesetzt.

Der Buchschmuck arbeitet generell mit einzelnen, wiederkehrenden, zum Teil sich aneinanderreihenden Ornamenten. In der Renaissance griff man auf die antiken Ornamentformen zurück. Diese bestanden aus linearen und geometrischen Formen bei den Griechen sowie Ranken, Girlanden und Blüten bei den Römern. Seit dem zehnten Jahrhundert sind Arabesken und Mauresken bekannt. Sie stammen aus der islamischen Buchmalerei und wurden später im europäischen Buchschmuck als Vignetten übernommen. Bei den Mauresken handelt es sich um Zierbänder aus Blättern und Linien, bei den Arabesken um Menschen-, Tier- und Fabelwesen. Gerade im 17. Jahrhundert waren diese Schmuckornamente im Buchdruck sehr beliebt. Besonders die französische Buchproduktion zeichnete sich durch einen üppigen Buchschmuck aus. Dabei ist dieser immer auch ein Spiegel des Zeitgeschmacks und der vorherrschenden Kunstrichtung. Im Klassizismus beispielsweise wurde auch der Buchschmuck reduzierter, klarer und einfacher.


Buchseite mit der Ode „Die deutsche Sprache“ von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803). In: ders.: Klopstocks Werke. Bd. 2: Oden. Leipzig 1798, S. 104-105. Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=037771736 © Hamburger Kunsthalle. Foto: A. Joosten, Hamburg

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte lässt sich feststellen, dass das allgemeine Buch ein Massenprodukt wurde. Damit verlor auch seine Gestaltung an Exklusivität und unterlag den Gesetzen des Marktes. Ausnahmen waren lediglich teure illustrierte Werke, die in kleinen Auflagen von Künstlern hergestellt wurden. Sie enthielten aufwändige Titelkupfer oder Frontispize mit künstlerischem Schmuck.

Diese Entwicklung änderte sich erst im 19. Jahrhundert. Künstler wie Ludwig Richter (1803-1884), Adolph Menzel (1815-1905), Otto Speckter (1807-1871) begannen, sich plötzlich auch um die Gestaltung von Schmuckelementen zu kümmern. William Morris (1834-1896) schließlich war derjenige, der eine neue Buchkunstbewegung ins Leben rief, die im Jugendstil ihren Ausdruck fand. Das Buch wurde von nun an als Gesamtkunstwerk betrachtet, dessen Gestaltung sich der Künstler in Gänze zuwandte. Einige Bibliotheken sehen an diesem Punkt den Beginn des modernen Künstlerbuches. Sämtlicher Buchschmuck wurde vom Künstler entworfen. Ja, er kümmerte sich manchmal sogar um die Typographie und entwarf eine eigene Schrift. Der Buchschmuck fand in dieser Zeit eine starke lineare Ausrichtung, ergänzt durch florale Elemente, die bis in die 1920er Jahre beliebt blieben. Häufig wurden diese Bücher in Handpressen hergestellt und in kleineren Verlagen vertrieben.


Peter Behrens (1868-1940): Rahmenzeichnung zu einem Gedicht von Detlev von Liliencron (1844-1909). In: Pan. 5 (1899), S. 223. Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=130143626 © Hamburger Kunsthalle. Foto: A. Joosten, Hamburg

Auch die Herausgeber von Zeitschriften des Jugendstil ließen den Schmuck bewusst von Künstlern entwerfen. Die erste und bedeutendste deutsche Zeitschrift dieser Art war der „Pan“, an dessen Herausgabe auch Alfred Lichtwark mitwirkte. Künstler wie Max Klinger (1857-1920) oder Max Slevogt (1868-1932) entwarfen Vignetten und Initialen für die 21 Ausgaben der Zeitschrift, die von 1895-1900 erschien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich ein neuer Beruf. Der Buchdesigner ist seitdem für die Gestaltung der Buchproduktion zuständig. Das Massenprodukt „Buch“ wird heute am Computer gestaltet.


Tita do Rêgo Silva (*1959): Buchcover. In: Parnass, Peggy: Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete. Frankfurt am Main 2014 © Fischer-Verlag, Frankfurt am Main

Doch nebenher gibt es immer noch kleine Verlage oder einzelne Künstler, die aufwändig gestaltete Bücher in kleinen Auflagen oder sogar Einzelexemplaren herstellen und auf Buchmessen vertreiben.

Wer mehr lesen möchte:
Grafik-Design im Jugendstil. Der Aufbruch des Bildes in den Alltag. Ein Bestandskatalog. Ostfildern 2011
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=622498061

Ornament. In: Lexikon der Kunst. Bd. 5: Mosb-Q. München 1996, S. 312-314
Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=21689154X

Thamer, Jutta: Zwischen Historismus und Jugendstil. Zur Ausstattung der Zeitschrift „Pan“ (1895-1900). Frankfurt am Main [u.a.] 1980
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=023740051

4. Ein Lied, ein Gedicht, ein Kunstwerk, ein paar Worte – Es grünt und blüht

Ein Lied:
Robert Schumann (1810-1856) – Erstes Grün
https://www.youtube.com/watch?v=OH3ZNvbswfM

Das Lied, das den Frühling besingt, gehört zu einem Zyklus von zwölf Liedern, die Robert Schumann – einer der wichtigsten Komponisten der Romantik – seiner Frau Clara (1819-1896) schenkte. Diese mochte den schwäbischen Dichter Justinus Kerner (1786-1862), der die Texte schuf, ganz besonders. Sie hatte selbst bereits Gedichte von ihm vertont. 1839 hatten Clara und Robert Schumann geheiratet. „Erstes Grün“ steht ganz im Zeichen dieser positiven Ausrichtung auf ein zukünftiges Leben. Ursprünglich für einen Tenor komponiert, wird es im späten 19. Jahrhundert zum Repertoire für einen Bariton. Ein solcher ist der aus Norddeutschland stammende Ulf Bästlein, der heute als Professor für Gesang an der Kunstuniversität Graz lehrt. Seine Interpretation verbindet sensibel Musik und Text, hat der Sänger doch zu diesem Verhältnis promoviert.

Ein Gedicht:
Matsuo Bashō (1644-1694): So viele Dinge

So viele Dinge
ruft ins Gedächtnis mir
die Kirschblüte

Die Kirschblüte markiert den Beginn des Frühlings. In Japan ist sie eines der wichtigsten kulturellen Symbole. Sie steht für Schönheit, Aufbruch, aber auch Vergänglichkeit. Im seinem Haiku thematisiert Bashō die Erinnerung. Woran, das bleibt dem Leser überlassen. Der Haiku entstand aus dem Kettengedicht, bei dem jeder Teilnehmer drei Zeilen dichtete. Durch Bashō – Japans berühmtesten Haiku-Dichter – gelangte er in den Rang ernsthafter Literatur. Bei einem Haiku umfassen die erste und dritte Zeile jeweils fünf, die mittlere Zeile sieben Silben.

Ein Kunstwerk:


Ernst Eitner (1809-1890): Frühling (Der Künstler mit seiner Familie), 1901. Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle/bpk. Foto: E. Walford, Hamburg

Das Ölgemälde des Hamburger Malers Ernst Eitner zeigt ihn selbst mit seiner Frau und dem zweijährigen Sohn Georg am Gartentisch. Eingerahmt wird die Szene von der lichtdurchfluteten, blühenden Natur. Das Gemälde gehört zu Lichtwarks „Sammlung von Bildern aus Hamburg“. Der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1852-1914), animierte Hamburger Künstler, es den französischen Impressionisten gleich zu tun und farbige, helle Bilder in der Natur zu malen. Daraus entstand 1897 der Hamburger Künstlerclub, zu dessen Mitgliedern Ernst Eitner zählte.

Ein paar Worte:
Baldini, Umberto: Der Frühling von Botticelli. Geschichte, Wiedergeburt und Bedeutung eines berühmten Gemäldes. Bergisch-Gladbach 1986
Hamburger Kunsthalle, Bibliothek, https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=3.4/XMLPRS=N/PPN?PPN=02479578X

Es gehört zu den bekanntesten Gemälden der abendländischen Kunst – „Primavera“ (Der Frühling) des italienischen Malers Sandro Botticelli (1445-1510) – dessen Deutung zugleich nie eindeutig gelöst werden konnte. Umberto Baldini (1922-2006) – der Direktor des Gabinetto di Restauro in Florenz – nimmt eine Restaurierung des Gemäldes aus der Sammlung der Uffizien (https://www.uffizi.it/en/artworks/botticelli-spring) zum Anlass, sich näher mit diesem zu beschäftigen. Auf 118 Seiten präsentiert er seine neuesten Erkenntnisse.

5. WWW-WissensWert: Datenbank geschützter Kulturgüter

Die Bezeichnung „Kulturgut“ wird im Deutschen für vieles verwendet. Sie umfasst sowohl bewegliche als auch unbewegliche Gegenstände. Immaterielle Güter können ebenso als Kulturgut bezeichnet werden. So gehören beispielsweise die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel sowie das Hamburgische Wattenmeer zum Welterbe, das von der UNESCO als besonders schützenswert erachtet wird. Neben dem internationalen Schutz von Kulturgütern gibt es auch einen nationalen.


Die Hamburger Speicherstadt © Foto: W. Joosten, Goch

Deutschland führt seit 1919 ein Verzeichnis national wertvoller Kulturgüter. Der Gesetzgeber unterscheidet dabei zwischen dem Denkmalschutz, der sich auf unbewegliche Kulturgüter beschränkt, und dem Kulturgutschutz, der die beweglichen Kulturgüter umfasst. Am 6. August 2016 wurde das Kulturgutschutzgesetz wesentlich reformiert. Das neue Gesetz möchte den illegalen internationalen Handel unterbinden, Lücken im Abwanderungsschutz schließen und Museumssammlungen besser schützen. Es unterscheidet zwischen nationalem und national wertvollem Kulturgut. Letzteres betrifft besonders bedeutsame und identitätsstiftende Objekte, die in einem Verzeichnis aufgeführt werden. Das nationale Kulturgut umfasst als Überbegriff darüber hinaus alle öffentlich finanzierten Sammlungsbestände von Museen und Archiven. Zwischen Kultur- und Archivgut wird fortan nicht mehr unterschieden.


Eingangsbildschirm zur Datenbankrecherche in der „Datenbank geschützter Kulturgüter“. Quelle: http://www.kulturgutschutz-deutschland.de/DE/3_Datenbank/Datenbanksuche/datenbanksuche_node.html

Die „Datenbank geschützter Kulturgüter“ verzeichnet alle national wertvollen Kulturgüter. Sie vereint damit die in den einzelnen Bundesländern geführten Verzeichnisse, die man auch online getrennt nach Ländern abrufen kann. Sie enthält sowohl Museumsobjekte als auch Bibliotheksbestände und Archivgut. Recherchiert werden kann über einen Suchschlitz. Angezeigt werden die ersten zehn Treffer des Suchergebnisses mit Kurztiteln. Die Sortierung erfolgt standardmäßig nach der Relevanz, kann aber mit einem einfachen Klick auf eine alphabetische oder eine Sortierung nach Datum geändert werden. Zudem lässt sich das Ergebnis nach Bundesland, Kennzeichnung, Meister / Künstler, Erweiteter Kennzeichnung (Kunstgattung) oder Material filtern. Was sich hinter den einzelnen Begriffen verbirgt, erfährt man durch einen Klick auf das nebenstehende Kreuz, der ein Register aufblättert, über das man die Filter anklicken kann. Hinter den aufgelisteten Begriffen steht jeweils die zu erwartende Trefferzahl. Die Einzelanzeige beschreibt das national wertvolle Kulturgut mit Basisinformationen, Beschreibungsdetails, erschließenden Hilfsmitteln und der Verzeichnis-Nummer – soweit diese Angaben vorhanden sind.

Und welche national wertvollen Kulturgüter befinden sich nun in Hamburg? Das gedruckte Länderverzeichnis listet insgesamt 36 Positionen auf. So steht beispielsweise seit dem 8. August 2018 die gesamte Commerzbibliothek mit ihrem Bestand, der bis 1970 erworben wurde, unter besonderem Schutz. Sie wurde 1753 gegründet und ist damit die weltweit älteste Wirtschaftsbibliothek. Der Bestand umfasst ca. 180.000 Bände, darunter zahlreiche historische Drucke, Handschriften und Briefe.

Aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle findet man in dem Verzeichnis acht Gemälde von Philipp Otto Runge (1777-1810) und „Meeresküste bei Mondschein“ von Caspar David Friedrich (1774-1840). Vorläufig wurden die Korrespondenzen aus den Jahren 1894-1935 von Alfred Lichtwark und Gustav Pauli (1866-1938), den beiden ersten Direktoren des Museums, sowie die Reisebriefe von Alfred Lichtwark aufgenommen, die die Jahre 1891-1913 umfassen. Diese Briefe, die ca. 210 Archivkartons ausmachen, befinden sich im Historischen Archiv Hamburger Kunsthalle. Gerade die Korrespondenz Alfred Lichtwarks ist in einem konservatorisch bedenklichen Zustand und musste deshalb für die Nutzung im Studiensaal gesperrt werden. Im 19. Jahrhundert arbeitete man mit dem Kopierverfahren der Hektographie. Die handschriftlich mit Tinte geschriebenen Originalbriefe wurden im Verfahren mittels einer abfärbenden Matrize vervielfältigt. Im Historischen Archiv Hamburger Kunsthalle befinden sich die Kopien auf dünnem Kopierpapier. Die Originalbriefe schickte Lichtwark natürlich per Post an die Empfänger. Die Schrift auf den Kopien wird leider mit der Zeit unleserlich. Zudem drückt die Schrift der aufeinanderliegenden Blätter auf die nächste Seite durch. Mit einem speziellen Scanverfahren, das vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Zusammenarbeit mit der MusterFabrik in Berlin entwickelt wurde, könnte man die wertvollen Briefe digitalisieren und damit für die Benutzung wieder zugänglich machen. Die Hamburger Kunsthalle sucht derzeit nach einem Sponsor. Immerhin handelt es sich um eine Masse von ca. 70.000 Briefen.

6. Wissenswertes – Slow Art Day 2019

Atmen Sie ganz bewusst dreimal hintereinander. Drei Atemzüge lang, ungefähr elf Sekunden, blicken die Museumsbesucher durchschnittlich auf ein Kunstwerk. Danach geht es zum nächsten Objekt. Schließlich möchte man für den bezahlten Eintritt möglichst viel sehen. Und die Hamburger Kunsthalle bietet jedem auch eine ganze Menge – drei Gebäude voller Kunst, Werke aus 800 Jahren in der Sammlung plus mehrere Sonderausstellungen. Wer das alles bei einem Besuch schaffen möchte, geht ganz erschöpft von diesem Marathon aus der Kunsthalle heraus. Das Museum wird zum Ort der Überforderung. Nach sechs Wochen sind die Kunstwerke aus dem Kopf wieder verschwunden. Der Besucher wird sich kaum mehr an Einzelheiten erinnern können, wenn er so schnell durch die Räume geht. Auch aus anderen Bereichen weiß man, dass weniger mitunter mehr ist. In einer Parfümerie beispielsweise können Sie die Düfte nach vier bis fünf Proben kaum mehr unterscheiden. Ist es bei einem Museumsbesuch eigentlich so viel anders?

Da kommt es gerade recht, dass sich vor zehn Jahren eine neue Bewegung gegründet hat, die eine andere Herangehensweise an die Kunst propagiert. 2008 besuchte der Amerikaner Phil Terry seiner Frau zuliebe eine Ausstellung und machte die Erfahrung, dass er ein Kunstwerk ganz anders wahrnahm, weil er sich tatsächlich eine Stunde Zeit dafür nahm. Dieses Erlebnis wollte er mit anderen Menschen teilen und organisierte 2009 den ersten internationalen „Slow Art Day“. Mittlerweile hat sich dieser Tag in amerikanischen, kanadischen und europäischen Museen etabliert. An einem Tag im Jahr – 2019 ist es der 6. April – schauen sich Museumsbesucher maximal fünf Kunstwerke jeweils ca. zehn Minuten lang an. Danach tauschen sie ihre Erfahrungen miteinander aus. 2017 hatte der „Slow-Art-Day“ seine deutsche Premiere in der Hamburger Kunsthalle und in Köln.


Internetseite zum „Slow Art Day” 2019. Quelle: https://www.slowartday.com/

Was passiert, wenn man sich Zeit für die Kunst und das Sehen lässt? Man entdeckt auch in längst bekannten Werken Dinge, die man vorher nie gesehen hat. In der langsamen Betrachtung entwickelt man eine Liebe zur Kunst. Das genaue Hinsehen weckt die Fantasie. Erst mit der Zeit kann man sich der Kunst und ihren Reizen öffnen und unvoreingenommen auf sie eingehen. Wichtig dabei ist, dass man nicht durch Gespräche oder einen Audioguide abgelenkt wird. Die Konfrontation mit der Kunst muss alleine geschehen. Machen Sie also am 6. April das Experiment! Besuchen Sie die Hamburger Kunsthalle und schauen sich fünf Werke aus der Ständigen Sammlung für jeweils fünf Minuten an. Teilen Sie „WissensWert“ danach Ihre Erfahrungen mit dem langsamen Kunstgenuss mit. 

Die nächste Ausgabe von „WissensWert“ erscheint im Mai 2019.

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