Spielort für Izlog gefunden
Der perfekte Ort für das kroatische
Izlog - Schaufenster ist nun gefunden: Im Herzen Braunschweigs auf dem Bohlweg zeigen
Bobo Jelčić und
Nataša Rajković ihr subtiles Straßentheater. Die Zuschauer nehmen auf einer Tribüne im
BS/Energy-Kundencenter Platz und schauen auf die Straße - wessen Weg am Schaufenster führt zufällig vorbei und was ist inszeniert?
Die Premiere am 6. Juni ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen:
7. Juni, 18 Uhr
8. Juni, 18 Uhr
9. Juni, 15 und 18 Uhr
10. Juni, 15 Uhr
Karten gibt es
hier.
Spielort:
Kundenzentrum am Bohlweg / BS/Energy-Café
Bohlweg 5, 38100 Braunschweig
100 Prozent Braunschweig
100 Prozent Braunschweig ist komplett. 100 Mitspieler haben sich in der statistischen Kettenreaktion, die die Gruppe
Rimini Protokoll im Januar in Braunschweig ausgelöst hat, gefunden. Zwölf Mitspieler aus dem Östlichen Ringgebiet mussten unter anderem gefunden werden,
„das ging besonders schnell“ sagt Projektkoordinatorin Sylvia Franzmann, die seit Januar von Hondelage bis Timmerlah und von Wenden bis Leiferde unterwegs war, um den jeweils Nächsten der Kette zu treffen.
„Wir haben ganz unterschiedliche Menschen kennen gelernt“, sagt Sylvia,
„Besserverdiener und Erwerbslose, Kinder und Alte, Konservative und Linke, Sozialarbeiter, Banker und Elektriker, Professoren und Studenten.“ Im Januar startete die statistische Kettenreaktion in Braunschweig an der TU bei Mathematiker Harald Löwe. Nun sind die 49 Männer und Jungs und 51 Frauen und Mädchen gefunden, die am 31. Mai das Festival im Großen Haus des Staatstheaters eröffnen. Dokumentiert werden die Mitspieler in einem
Programmbuch, das Besucher der Vorstellung gratis erhalten.
Die Premiere von 100 Prozent Braunschweig ist bereits ausverkauft – weitere Vorstellungen am 1. und 2. Juni um 19:30 Uhr. Zum Kartenvorverkauf geht es
hier.
Special: Interview Oliver Frljić - "Die Zuschauer werden erleben, wer sie selbst sind"
Oliver Frljić ist Mitte dreißig. Geboren in Bosnien und Herzegowina, studierte er in Zagreb neben Philosophie und Religionswissenschaften auch Regie. Während seines Studiums arbeitete er für das Nationaltheater Istrien und das Teatar&TD in Zagreb, das von
Nataša Rajković, die bei Theaterformen ihr Stück
Izlog zeigt, geleitet wird.
Frljić zählt zu den führenden Repräsentanten der jungen Theaterszene. Seine Arbeiten provozieren und bieten nicht selten schockierende Einblicke in gesellschaftliche Realitäten.

Szene aus
Verdammt sei der Verräter seiner Heimat!
1. Wie hast du den Krieg in Jugoslawien erlebt?
Zu Beginn des Krieges war ich 16, also in den prägenden Jahren meiner Entwicklung. In dieser Zeit musste ich als Flüchtling mein Elternhaus verlassen. Obwohl ich erst 16 war wusste ich, dass ich auf gar keinen Fall am Kriegsgeschehen teilnehmen wollte. Ich hatte vielmehr die Absicht, in den Westen Europas zu fliehen, wurde aber in Kroatien gestoppt – ich hatte keine gültigen Papiere. In Kroatien selbst war ja auch Krieg und ich hatte mit vielen Problemen zu kämpfen. Allerdings waren meine Probleme im Vergleich zu den serbischen und muslimischen Einwohnern Kroatiens, die das Land verlassen wollten, unbedeutend.
2. Welche Rolle spielt der Jugoslawien-Krieg heute noch?
Das Thema Krieg wurde in meiner Gesellschaft seit langem als Mittel für politische Manipulation eingesetzt. Auch heute wird den Kindern immer noch beigebracht, "unser" Krieg sei ein heiliger gewesen. Bis heute ist es ein Ding der Unmöglichkeit, in der Öffentlichkeit Fragen zur wahren Natur dieses Krieges zu stellen, zu fragen, ob er nicht zu verhindern gewesen wäre und den Interessen welcher politischen Kreise er diente. Auf diese Art ist der Krieg, fast 20 Jahre später, in unserem Alltag immer noch sehr gegenwärtig.
3. Du bist ja sehr erfolgreich mit Verdammt sei der Verräter im In- und Ausland auf Tour – wie regiert dein Publikum in der Heimat und im Ausland?
Die Reaktionen auf „Verdammt sei der Verräter...!“ fallen sehr unterschiedlich aus. Ich habe meine Arbeit in vielen unterschiedlichen politischen und kulturellen Kontexten zeigen können – wir haben das Stück von New York bis Helsinki aufgeführt. Für mich ist der interessanteste Punkt, dass ein lokales Phänomen allgemeingültige Bedeutung erlangen kann. Es gibt einen Teil im Stück, wo Primož Bezjak das Publikum anspricht, es beschimpft und provoziert, indem er auf nationale Befindlichkeiten anspielt. Dieser Moment ist sehr wichtig, weil sich an diesem Punkt herausstellt, wie die Zuschauer die ganze Performance lesen wollen. Haben sie Verständnis und reflektieren sie ihre Geschichte oder empfinden sie die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit als Affront, auf den sie mit Unverständnis reagieren.
4. Sag doch bitte unseren Lesern in ein paar Worten, was sie bei Verdammt sei der Verräter erwartet.
Die Zuschauer werden erleben, wer sie selbst sind. „Verdammt sei der Verräter...!“ ist eine Art Rorschach Test. Es erzählt von anderen, die dennoch wir selbst sind. Es erzählt vom kollektiven Verrat einer Idee. Was ist passiert mit deiner noch gestern hochgehaltenen Loyalität? Was tritt an die Stelle unserer Lobeshymnen auf Jugoslawien bei all den neuen Heimaten Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina...?
PREKLET NAJ BO IZDAJALEC SVOJE DOMOVINE!
VERDAMMT SEI DER VERRÄTER SEINER HEIMAT!
von Oliver Frljić
MI 06.6. 20:00, DO 07.6. 20:00, FR 08.6. 20:00
Zum Kartenvorverkauf geht es
hier.

Szene aus
Verdammt sei der Verräter seiner Heimat!