Die Marienvesper in der Martinskirche
Claudio Monteverdis Marienvesper – alte, neue Klangwelten
Die Kompositionen Monteverdis markieren einen stilistischen Wendepunkt in der europäischen Musikgeschichte. Sie stehen am Übergang vom polyphonen Stil der Renaissance zum Barockstil. In der Marienvesper ist diese neue Art der musikalischen Textausdeutung besonders deutlich.
Der Titel Marienvesper weist auf den liturgischen Charakter des Stückes hin. Die Komposition enthält die Hauptteile des katholischen Abendgottesdienstes. Ob das Werk jedoch tatsächlich für die Aufführung im kirchlich-liturgischen Rahmen konzipiert war, ist ungewiss, denn Monteverdi leitet die fünf Vesperpsalmen nicht mit liturgischen Antiphonen ein, sondern fügt zwischen die motettisch angelegten Psalm-Kompositionen vier generalbassbegleitete Solokonzerte ein, die auf eine eher konzertähnliche Aufführung außerhalb des kirchlichen Rahmens hinweisen. Nach dem Psalmteil steht im zweiten Teil des Werkes das Marienlob im Vordergrund. Das gesamte Werk ist geprägt vom Wechsel zwischen chorischen und solistischen Partien.
Die Musik Monteverdis, die bis zum Ende des 19. Jahrhundert weitgehend vergessen war und erst in den zurückliegenden Jahrzehnten für den Konzertsaal entdeckt wurde, war zu ihrer Entstehungszeit fortschrittlich und zukunftsweisend. Für heutige Hörer eröffnet sie durch ihre Harmonien und die zum Teil ungewohnten Klänge der alten Instrumente eine neue Klangwelt. Mit den Klängen der Musikgeschichte seit Monteverdi im Ohr, ist diese Musik von bestechender, ursprünglicher Klarheit.
Cordula Scobel
Silvester, 19 Uhr
Claudio Monteverdi: Marienvesper (1610)
Heike Heilmann, Verona Winter - Sopran
Andreas Post, Achim Kleinlein - Tenor
Gregor Finke, Jens Hamann - Bass
Vocalensemble Kassel
St. Martin Barock
Leitung: Eckhard Manz
Eintritt: 22/16/10 €