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Diese Frauen wollen mehr als nur Liebe
Erste öffentliche Probe für die Uraufführung
Sie wollen es, sie bekommen es
Lesung: Die Revolution 1918/19. Anschließend Diskussion
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Diese Frauen wollen mehr als nur Liebe

Liebe Leserinnen und Leser  des Newsletters,

die ganze Woche über sind in unserem Programm - außer am Sonntag - Frauen die Dreh- und Angelpunkte der Dramen, die wir auf unserer Bühne zeigen: Maria, Paula, Lady Wotton und natürlich Angela. Diese Frauen - Heldinnen will ich hier gar nicht sagen, denn ihre Charaktere weisen jede Menge dunkle Seiten auf - wollen sich ihre Welt ganz nach ihrem eigenen Willen erschaffen und formen. Sie verfügen über die mentale und intellektuelle Kraft und soziale Geschicklichkeit, die Menschen ihrer Umgebung entsprechend zu beeinflussen. Egal, ob sie ihre künstlerischen Ambitionen verfolgen, ein Land regieren und Rivalen aus dem Weg räumen oder ihre Mitmenschen mit "Zuckerbrot und Peitsche" manipulieren: sie verbinden ihre manchmal hehren Ideale, ihren Ehrgeiz und ihren Selbstverwirklichungsdrang mit starkem Durchsetzungsvermögen, Gerissenheit und manchmal Brutalität. William Shakespeare hat in seinen Stücken immer schon gezeigt, dass er die Frauen nicht für die "besseren Menschen" hält, und Friedrich Schiller oder Oscar Wilde dachten offenbar genauso.
Paula Modersohn-Becker, deren Liebe zu ihrem Otto in ihren Briefe durchaus verbürgt ist, strebte vor allem nach Selbstverwirklichung als Künstlerin, hinter der die Familie gegebenenfalls zurückstehen musste - alles andere als eine Haus- und Garten pflegende Freizeitmalerin! Ganz zu schweigen von unserer Kanzlerin, um die sich das neue Stück "Angela I."  dreht: ganz ohne mittelalterliche Henkersknechte wie Elisabeth I. und ohne eine auffallend scharfe Zunge wie Lady Wotton, hat sie im Laufe der Jahre eine Reihe meist männlicher Rivalen auf der Strecke gelassen.
Egal, ob einem das sympathisch ist oder nicht - an diesen Frauen kommt man nicht so ohne weiteres vorbei.

Erste öffentliche Probe für die Uraufführung

Mittwoch, 23. Januar, 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz

Öffentliche Probe: Angela I.
Angela I.
von Katja Hensel.
R: Stefan Otteni. B: Ayşe Özel. K: Heike Neugebauer. Mit: Silke Buchholz, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Theresa Rose, Markus Seuß, Petra-Janina Schultz.

Deutschland, in der nahen Zukunft: Angela Merkel hat der Macht entsagt, doch funktioniert das System überhaupt ohne die alternativlose Kanzlerin? Während die Politik den Aufbruch versucht, probt das Volk den Aufstand. Gleich einem Tsunami steigt der Pegel der Verdrossenheit, trotz verzweifelter Versuche von vier Politikern, die wütenden Massen zu bändigen, koste es was es wolle: Moral, Körperteile, privates Glück… 
Katja Hensel, Autorin von scharfsinnigen Stücken über die EU, hat das erste Königinnendrama der deutschen Gegenwartsliteratur geschrieben. Das Stück zeigt eine Welt, die Shakespeare näher ist, als uns lieb sein kann: chaotisch, tragisch, verzweifelt und sehr komisch – genau wie die Politik unserer Tage.


Fotos v.l.n.r.:
untere Reihe vlnr: Martina Lübbing (Regieassistenz), Ayse Özel (Bühne), Heike Neugebauer (Kostüme), Stefan Otteni (Regie)
2. Reihe von unten: Silke Buchholz, Michael Meyer
2. Reihe von oben: Markus Seuß, Petra-Janina schultz
obere Reihe: Peter Lüchinger, Theresa Rose, Rike Schimitschek (Ausstattungsassistenz)

Sie wollen es, sie bekommen es

Donnerstag, 17. Januar, 19.30 Uhr

Maria Stuart
von Friedrich Schiller
R: Petra-Janina Schultz. Bühne: Hannah Zimmermann. M/Sounds: Stefan Rapp. Mit: Ulrike Knospe, Franziska Mencz, Michael Meyer, Markus Seuß.
Königin Elisabeth und Maria Stuart sind von ihrem Selbstverständnis her beide zur Königin prädestiniert. Ihre Welt ist eine Bühne, ein Ort der königlichen Selbstdarstellung. Aber diese Bühne ist auch zugleich ihr Gefängnis, denn die Blicke der Welt, die sich auf sie richten, lassen keinen ihrer Schritte und Handlungen unbeobachtet.
Maria Stuart ist der Anspruch auf den Titel der Königin von Schottland in die Wiege gelegt, als 15jährige wird sie mit dem französischen Thronfolger verheiratet. Dessen früher Tod macht sie bereits mit 17 Jahren zur Witwe. Jetzt, als Gefangene, versucht sie den fanatisch katholischen Mortimer für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Ein gefährliches Unterfangen, denn Vertrauen zum Falschen, kann sie den Kopf kosten.
Elisabeth hat einen langen Weg zur Krone hinter sich. Ihre Legitimität als Königin beruht auf der Abspaltung Heinrich VIII von der katholischen Kirche und ist begleitet von offenen Auseinandersetzungen zwischen katholischer Kirche und protestantischen Kräften. Fanatismus und Verrat sind allgegenwärtig.
Das Beharren auf dem Anspruch auf die Rolle der Königin und Manipulation und Zwang sind für beide die einzigen Chancen, gegen Feinde und falsche Freunde zu bestehen.
Seit 19 Jahren, ist Maria nun unter Arrest, als sich die beiden Königinnen treffen. Auf dieser Bühne kann es nur eine von ihnen geben. Das Todesurteil gegen Maria ist geschrieben, doch Elisabeth zögert, es zu unterschreiben. Entscheidet sie sich für das Todesurteil, wird es die Welt für immer spalten. Doch die Zeit spielt gegen sie beide – und muss wirklich sie es sein, die die Entscheidung fällt?


Hinterzimmer-Gekungel auf Elisabethanisch.

 

Freitag, 18. Januar, 19.30 Uhr

Jenseits Paula
Von Bernd Freytag. Regie: Bernd Freytag. Bühne: Heike Neugebauer. Kostüme: Rike Schimitschek.
Mit: Tim Lee, Peter Lüchinger, Theresa Rose, Erik Roßbander, Kathrin Steinweg.
Wir sind im Museum, des Nachts, und die Geister der Vergangenheit zeigen sich. Die Worpsweder Künstlerkolonie, die beiden Paare Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker, Rainer Maria Rilke und Clara Westhoff-Rilke sind als Untote gefangen in einem Zwischenreich. Gebannt von unserer Neugier und unserer unablässigen Beschäftigung mit ihnen sind sie in die Gegenwart gezwungen. Ein Museumsdirektor ist  zur Konfrontation mit den Zeugen aus der Vergangenheit gezwungen. Ist er ein Agent des Bewahrens oder des Verkaufens von Kunst? Aus dem Dialog mit den Zeugnissen ihrer Vergangenheit kristallisiert eine dramatische Reflexion über Ruhm, Geld, Identität und Vereinnahmung und die Freiheit der Kunst und der Freiheit durch die Kunst.


Allen Beziehungsgeflechten zum Trotz - nie die Kunst aus den Augen verlieren!

 

Samstag, 19. Januar, 19.30 Uhr

Das Bildnis des Dorian Gray
von Oscar Wilde / John von Düffel
R: Julia Redder. B/K: Rike Schimitschek. Mit: Simon Elias, Theresa Rose, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz.
Die Bühnenfassung von Oscar Wildes einzigem Roman erzählt die Geschichte eines jungen Mannes von geradezu unwirklicher Schönheit als düsteres Märchen über rücksichtslose Eigenliebe, fragwürdige Moral und menschlichen Zerfall. Themen, die möglicherweise heute noch aktueller sind als zu Wildes Zeit. Die allgegenwärtige Selbstinszenierung in Zeiten von Instagram und Selfiewahn unterlegt das über 100 Jahre Drama mit überraschender Aktualität.
Dorian Gray steht dem Künstler Basil Hallward für sein Portrait Modell und trifft in dessen Atelier auf Lady Henry Wotton, die in Dorians Reinheit eine ideale Grundlage für ihr „Experiment der Beeinflussung“ sieht. Henrys Einfluss und Basils Portrait lassen Dorian seine eigene Schönheit und ihre Vergänglichkeit erkennen. Sein Wunsch, sein Bildnis möge statt seiner selbst altern, erfüllt sich. Doch durch dieses anscheinend konsequenzfreie Leben gleitet Dorian in eine Welt voller Versuchungen ab, aus der er nicht hinaus findet.    
Unter der glänzenden Oberfläche der Gesellschaft, in der die Protagonisten sich bewegen, liegt ein Abgrund von Düsternis, die sich im Portrait des jungen Mannes spiegelt.


Dorian hat den Einflüsterungen Lady Wottons nichts entgegenzusetzen.

Lesung: Die Revolution 1918/19. Anschließend Diskussion

Sonntag, 20. Januar, 18.00 Uhr im Theater am Leibnizplatz

Im Anschluss an die Lesung findet eine Diskussion mit den Beteiligten und Dr. Karl Heinz Roth von der Stiftung für Sozialforschung des 20. Jahrhunderts statt.

"Das ganze deutsche Reich steht heute gegen uns..."
Die Revolution 1918/1919 in Bremen
Szenische Lesung von Originaldokumenten. Aus der Reihe „Aus dem Akten auf die Bühne“. Kooperation bremer shakespeare company und Universität Bremen.
Texteinrichtung/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Simon Elias, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz.
Am 9. November verkündete der Arbeiter- und Soldatenrat Bremens „Was hat sich ereignet? Nichts Geringeres als eine Revolution“. Wenige Tage später wurden reichsweit sozial-politische Reformen auf den Weg gebracht: uneingeschränktes Vereins- und Versammlungsrecht, Abschaffung der Zensur, Achtstundentag, allgemeines, gleiches und geheimes direktes Wahlrecht für Männer und Frauen.
Nach einem überwiegend friedlichen Beginn der Revolution im November 1918 eskalierte nur knapp drei Monate später die Gewalt auch in Bremen, als die Division Gerstenberg zusammen mit dem Freicorps Caspari in die Hansestadt einmarschierte. Mindestens 83 Frauen, Kinder und Männer kamen während der Kämpfe am 4. Februar 1919 ums Leben. Einen Tag später informierte die von der Reichsregierung eingesetzte provisorische Regierung die Bevölkerung Bremens, dass alle Räte abgeschafft seien.
Dokumente zur Reaktion des Bürgertums auf die Räterepublik und ihre Liquidierung am 4. Februar 1919 und die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse – „Stacheldraht-Ostern“(!) - werden auf der Bühne zum Sprechen gebracht. Welche Positionen vertraten die männlichen Akteure in der Frage des Frauenwahlrechts? Wer kämpfte in dem Freikorps Caspari, und wieso wurde nach dem 4. Februar 1919 eine Stadtwehr aufgebaut? Die meist namenlosen zivilen Opfer sollen anhand einiger Fälle ein Gesicht bekommen.


Großbürger und Arbeiterschaft - die Revolution 1918/19 betrifft alle.

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Annette Ruppelt

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