Eröffnung: Mangi Meli Remains und Vorstellungen von Schädel X

Liebes Publikum,

Mit Mangi Meli Remains begibt sich Flinn Works mit einem tansanisch-deutschen Team auf neues Terrain und gestaltet erstmalig eine Ausstellung. Im Zentrum steht eine Videoskulptur mit einem Animationsfilm, der das Leben und den gewaltsamen Tod des Widerstandskämpfers Chief Meli aus Moshi (Kilimanjaro) gegen die deutsche Kolonialmacht rekonstruiert.

Dass dies nicht nur verdrängte deutsche Geschichte ist, sondern auch ganz konkrete Auswirkungen bis heute hat, zeigt der Besuch von Isaria Meli, dem Enkel des Chiefs vor wenigen Tagen in Berlin. Seit mehr als 50 Jahren sucht Isaria den Schädel seines Großvaters, der in Deutschland vermutet wird. Im Alter von 87 Jahren reiste Isaria Meli nun zum ersten Mal hierher, um sich auf Vermittlung von Flinn Works mit dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu treffen und eine DNA-Probe abzugeben, die mit Schädeln in der Obhut der Stiftung abgeglichen wird.

Mangi Meli Remains ist Teil der Ausstellung THE DEAD, AS FAR AS [   ] CAN REMEMBER im Tieranatomischen Theater der Humboldt-Universität zu Berlin. Mangi Meli Remains wird dort bis Januar 2019 zu sehen sein, bevor die Ausstellung zunächst nach Dar Es Salaam und schließlich nach Moshi reist, wo sie dauerhaft installiert wird.

Mangi Meli Remains ist ein Folgeprojekt der Lecture Perfomance Schädel X, die noch zwei Mal im Tieranatomischen Theater Berlin und beim Festival Import/Export am Staatstheater Nürnberg zu sehen ist.

Wir freuen uns auch über die Einladung von C sharp C blunt zum Serendipity Arts Festival in Goa und über die vielen Zuschauer*innen und guten Kritiken für Kosa La Vita - Kriegsverbrechen. Heute hat der Bundesgerichtshof die Revision des Gerichtsprozesses verhandelt, den wir in diesem dokumentarischen Musiktheaterstück beleuchten. Das Urteil wird Ende Dezember bekannt gegeben.

"Das komplexe Thema wurde von den Künstler*innen in einem mehrjährigen Arbeitsprozess in die Form eines performativ angereicherten Konzerts überführt. Komponist Matthias Schubert fand beeindruckende Lösungen für ein zunächst unmöglich scheinendes Vorhaben. Herausragend die Idee der Übertragung eines Funkspruchs: Saiten und Bögen der Streichinstrumente werden zu Signalgebern - es wird gemorst. Dazu Stimmen, gehaucht, geflüstert, angeraut, die Buchstaben für Buchstaben, eine Ewigkeit dauern, den Befehl überbringen, für eine "humanitäre Katastrophe" zu sorgen.“ (taz, 28.09.2018)

"Auch indem 'Kosa La Vita' in einem Exkurs dem deutschen Terror in Ruanda eine Stimme, nämlich die von Hermann von Wissmann gibt, verweigert es sich leichtfertiger Positionierungen. Stattdessen arbeiten die Künstler*innen zur herausfordernden Musik des Komponisten Matthias Schubert akribisch die Schwierigkeiten des Verfahrens heraus.  'Kosa La Vita' [ist] formal stringent und in seiner Unerbittlichkeit eindrücklich geraten. Bedauerlich, dass dieses wichtige Stück nur zweimal am Wochenende in Bremen zu sehen war." (Kreiszeitung, 21.10.2018)

Mangi Meli Remains
Als Teil der Ausstellung THE DEAD, AS FAR AS [   ] CAN REMEMBER
Tieranatomisches Theater (Humboldt-Uni Berlin, Campus Nord)
08.11. - 19 Uhr Vernissage
09.11.2018 bis 12.01.2019 Dienstag bis Samstag - 14 Uhr bis 18 Uhr

Schädel X
Tieranatomisches Theater (Humboldt-Uni Berlin, Campus Nord):  03.11. und 09.11. - 20 Uhr (Karten)
Staatstheater Nürnberg (Festival Import/Export):
16.11. und 17.11. - 19.30 Uhr

C sharp C blunt Serendipity Arts Festival Goa, Kala Academy: 22.12. - 16 Uhr

Herzliche Grüße von Flinn Works & Team
flinnworks.de


MANGI MELI REMAINS
Videoskulptur und Fotoausstellung


 

In Old Moshi, Tansania, wird ein Kopf vermisst. Chief Mangi Meli kämpfte dort gegen die deutsche Kolonialmacht und wurde im Jahr 1900 hingerichtet. Sein Kopf, so erzählt man sich bis heute, sei nach Deutschland verschifft worden. Felix von Luschan hortete damals tausende Schädel aus aller Welt für die “Rassenlehre” im Völkerkundemuseum. Noch immer lagern viele davon in Berlin, auch aus Old Moshi. Mangi Melis Enkel sucht seit 50 Jahren nach dem Haupt seines Großvaters, bis jetzt ohne Erfolg.

Doch Spuren von Mangi Meli finden sich in Liedern, Erzählungen und Archiven. Ein tansanisch-deutsches Team entwickelt daraus eine Videoskulptur, ein Animationsfilm zeichnet das Leben des Freiheitskämpfers, seinen gewaltsamen Tod und die mögliche Reise seines Kopfs nach. Historische Fotos und Dokumente ergänzen die Ausstellung. Mangi Meli Remains wird von Berlin über Dar Es Salaam nach Old Moshi reisen und dort am Originalschauplatz dauerhaft an Mangi Meli und das Fehlen seines Haupts erinnern.

Künstlerische Leitung, Konzeption, Texte, Animation  Konradin Kunze
Konzeption, Texte, Dramaturgie  Sarita Lydia Mamseri
Storyboard, Zeichnungen  Amani Abeid, Cloudy Chatanda
Sound Design  Dr. Andi Otto
Historische Beratung Dr. Holger Stoecker, Prof. Arnold Temu
Community Beratung, Organisation Old Moshi  Gabriel Mzei Orio
Animation  Sharron Mirsky, Malte Stein
Stimmen  Nkwabi Elias Ng'hangasamala, Michael Ojake u.a.
Gesang  Mary Charles Mrema
Technische Lösungen Georg Werner
Mündliche Überlieferung  Isaria Anael Meli
Produktionsmanagment  Helena Tsiflidis

Eine Flinn Works Produktion in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum Berlin und dem Tieranatomischen Theater der Humboldt-Universität zu Berlin. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, dem Goethe-Institut Tansania und Between Bridges.


SCHÄDEL X
Lecture Performance



In den Kellern deutscher Universitäten und Museen lagern tausende Schädel aus aller Welt, oft aus den ehemaligen Kolonien. Zum überwiegenden Teil entstammen diese Schädel einem Unrechtskontext, sie wurden ausgegraben oder von den Leichen hingerichteter „Aufständischer“ abgetrennt und als Trophäe nach Deutschland verschickt. In anthropologischen Instituten betrieben Wissenschaftler Forschung an diesen Schädeln zur Untermauerung der Rassenlehre. Berlin wurde mit Rudolf Virchow und Felix von Luschan zum Zentrum der Schädelsammler.

100 Jahre später mehren sich Forderungen nach einer würdevollen Behandlung und Restitution dieser Schädel an die Nachfahren. Zögerlich beginnen Universitäten und Museen mit der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels ihrer Geschichte. Die erste offizielle Rückgabe von Herero- und Nama-Schädeln an Namibia entwickelt sich zum diplomatischen Desaster. Die Provenienzforschung gestaltet sich schwierig. In den wenigsten Fällen können die Schädel einem Individuum zugeordnet werden. Und es stellt sich die Frage, ob bei einer wissenschaftlichen Untersuchung zur Herkunft der menschlichen Überreste diese nicht erneut entwürdigt werden.

Ein Schädel bildet das Zentrum der Lecture Performance. Zwei biografische Geschichten kreisen um ihn. Sie führen von Tansania und Deutschland über Archive, Konsulate, Schlachtfelder und Labore durch die deutsche Kolonialgeschichte ins Innerste des eigenen Schädels. Mit (medizin-)historischen Dokumenten und O-Tönen verbinden sie sich zu einer Irrfahrt zwischen Wissenschaft, Politik und Theater.

Konzept, Recherche & Performance Konradin Kunze
Regie Sophia Stepf
Sound Design Andi Otto
Video Design Jürgen Salzmann
Technik Marcello Lussana
Produktionsleitung ehrliche arbeit - freies Kulturbüro & Helena Tsiflidis
Interviews mit Mnyaka Sururu Mboro, Isaria Anael Meli, Upendo Moshi & Gerhard Ziegenfuss

Eine Flinn Works Produktion in Koproduktion mit Sophiensæle Berlin. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, den Fonds Darstellende Künste e.V., das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Kulturamt der Stadt Kassel. Die Aufführungen im Tieranatomischen Theater finden im Rahmen der Berlin Science Week statt und werden gefördert von der Rusch-Stiftung.

"Kunzes Performance knüpft an eine aktuelle Debatte an. Künstlerische Interventionen wie 'Schädel X' zeigen: das Sammeln, Forschen und Ausstellen von Körpern war nicht nur prägend für das Verständnis der 'unterlegenen Rassen', es machte die Wissenschaft und das Ausstellen zu einer dominanten Kulturtechnik in der Begegnung mit dem anderen." (Süddeutsche Zeitung)

"Kunze kommt mit den Mitteln der Kunst und des Theaters weiter als so mancher Provenienzforscher. Er stößt einen lange überfälligen Diskurs an." (Hamburger Abendblatt)

"Der Schauspieler liefert eine ebenso eindringliche wie verstörende Performance. 'Schädel X' allerdings macht klar: Der Versuch, das Ungeheuerliche auszusitzen, wird scheitern. Nachfahren und politisch Engagierte wird man künftig auch dank der Arbeit von Flinn Works nicht mehr ignorieren können." (NDR)

 

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