Liebe Freund*innen,

bevor wir uns Mitte März für zwei Wochen verabschieden - u.a. sind wir auf der Leipziger Messe unterwegs, um Ihnen einen schönen Herbst zu bescheren -, folgt noch ein Hinweis auf die kommenden, sehr feinen Veranstaltungen.

Schon am kommenden Donnerstag, 21. Februar, stellen wir Ihnen den vielleicht außergewöhnlichsten Roman vor, der 2018 für den Deutschen Buchpreis nominiert war: In Susanne Röckels neuem Buch Der Vogelgott tauchen wir ein in ein Genre, das so lange (und so gut!) kaum jemand bearbeitet hat - es ist ein Schauerroman allererster Güte, der tief in die Abgründe einer von einer Vogelgottheit verfluchten Familie blickt.

Am 27. Februar kommen u.a. Thomas Hettche, Eva Demski und Ricarda Junge zusammen, um Abschied zu nehmen von Paulus Böhmer. Böhmer verstarb überraschend im Dezember, hinterließ aber einen Gedichtband, NO HOME, der an diesem Abend von unseren Gästen vorgestellt wird.

Die aktuelle Bachmannpreisträgerin Tanja Maljartschuk besucht uns im März. Am 6.3. liest sie aus ihrem neuen Roman Der Blauwal der Erinnerung, ihrem ersten Buch, seit sie im vergangenen Sommer in Klagenfurt mit einem der wichtigsten Preise der deutschsprachigen Literatur ausgezeichnet wurde.

Poetisch wild wird es am 10. März, wenn der von der Stadt Frankfurt ausgerichtete Lyrik-Festivalkongress Fokus Lyrik im Theatersaal des Mousonturms seinen Abschluss findet.

Und ebenfalls abgeschlossen wird unser Bachmann-Special: Am 27. März warten auf uns sowie auf Isabel Bogdan und Edgar Rai wieder Schimpf & Schande - in dieser Reihe, in der wir von uns bis dato ungelesene Klassiker besprechen, dreht sich diesmal alles um Ingeborg Bachmanns Malina und Albert Camus' Der Fremde.

Für die Veranstaltungen mit Susanne Röckel, Tanja Maljartschuk und Bogdan & Rai gelten nach wie vor unsere Bachmann-Lesungspässe, die Sie in unserem VVK-System erwerben können, falls Sie mehrere dieser Lesungen besuchen wollen.

Am Ende wieder der Hinweis: Sollten Sie uns und unsere Arbeit schätzen, können Sie uns gerne unterstützen und Mitglied unseres Vereins werden. Als kleine Einrichtung sichert jede Mitgliedschaft ein wenig mehr ab, dass wir auch in Zukunft ein thematisch breit aufgestelltes Programm anbieten können.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!
Malte Kleinjung & Björn Jager

Vorverkauf unter www.hlfm.de/tickets

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V., Waldschmidtstraße 4, 60316 Frankfurt am Main, www.hlfm.de, Tel. 069 - 24 44 99 40, info@hlfm.de

Inhalt

21. Feb.: Susanne Röckel - "Der Vogelgott"
27. Feb.: Ein Abend für Paulus Böhmer.
6. März: Tanja Maljartschuk - "Der Blauwal der Erinnerung"
10. März: Eine Frage der Zeit - Lyrik zwischen Dystopie und Utopie. FOKUS LYRIK.
27. März: Schimpf & Schande. Mit Isabel Bogdan und Edgar Rai
Vorschau April bis Juni
"Die Mayröcker-Variationen" - Literaturbote 131/132
Sie werden gebraucht! Mitgliedschaft im Hessischen Literaturforum im Mousonturm e.V.

21. Feb.: Susanne Röckel - "Der Vogelgott"

Am Anfang steht der Tabubruch: Der Hobbyornithologe Konrad Weyhe erlegt in einem Dorf einen Vogel, der für die Bewohner eine wichtige Bedeutung zu haben scheint und als eine Art Gottheit verehrt wird. Die Tat bleibt nicht folgenlos: Auch Konrads Kinder – der Journalist Laurenz, die Kunsthistorikerin Dora und der Mediziner Thedor – werden in ihrem Leben den Weg dieses Vogelkultes kreuzen, begegnen der Gottheit in Afrika bei einem humanitären Einsatz, bei Recherchen für eine Reportage, auf einem Madonnen-Gemälde. Die Begegnungen münden in Gewalt, fordern Menschenopfer und rauben den Figuren den Verstand. Schnell wird klar: Mit Rationalität ist dem archaischen Wesen nicht beizukommen, das aus den Tiefen der Naturmysthik in die Zivilisation hereinbricht.

Susanne Röckels Roman Der Vogelgott war mit Sicherheit der außergewöhnlichste Titel auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018. Fernab des derzeit dominanten realistischen Erzählens entfaltet sie ein Tableau mit Anklängen an Schauerliteratur und Schwarzer Romantik.

Moderation: Björn Jager

Susanne Röckel, geboren 1953 in Darmstadt, studierte Germanistik und Romanistik in Berlin und Paris. Nach Zwischenstationen bei der Zeitschrift Filmkritik und in Shanghai, wo sie als Deutschlehrerin arbeitete, ist sie heute freie Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen (Paula Fox, Antonia S. Byatt, Irène Némirovsky, Joyce Carol Oates u.a.). Susanne Röckel lebt in München.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK), 8,-/5,- (AK) oder mit Bachmann-Lesungspass

27. Feb.: Ein Abend für Paulus Böhmer.

Am 5. Dezember 2018 ist der Lyriker Paulus Böhmer im Alter von 82 Jahren plötzlich und unerwartet in Frankfurt verstorben. Mit ihm haben wir nicht nur einen Mitstreiter, einen Wegbegleiter und einen Freund verloren, sondern vor allem auch einen großen Künstler, dessen Gedichte zu den bedeutendsten Texten der deutschsprachigen Gegenwartslyrik gehören. Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor hat Paulus Böhmer die Möglichkeiten des epischen Langgedichts genutzt, um die menschliche Existenz und ihre Vergänglichkeit in all ihren Facetten zu erkunden. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Hölty-Preis 2010, dem Robert-Gernhardt-Preis 2013 und dem Peter-Huchel-Preis 2015.

An diesem Abend hatte er seinen neuesten Gedichtband NO HOME vorstellen wollen. Was ihm selbst leider nicht mehr vergönnt war, werden Daniela Danz, Eva Demski, Alban Nikolai Herbst, Thomas Hettche, Ricarda Junge und Jan Volker Röhnert zu seinem Andenken tun.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK), 8,-/5,- (AK)

6. März: Tanja Maljartschuk - "Der Blauwal der Erinnerung"

Eine Frau leidet, nach unglücklichen Beziehungen aus der Bahn geworfen, unter Panikattacken und verlässt monatelang die Wohnung nicht. Sie findet Orientierung und Halt in einer historischen Figur, die für die Geschichte der Ukraine eine große Rolle spielte: Wjatscheslaw Lypynskyj. Der leidenschaftliche Geschichtsphilosoph und Politiker entstammte einer polnischen Adelsfamilie, die in der Westukraine lebte. Schon früh identifizierte er sich mit der Ukraine und bestand auf der ukrainischen Form seines Namens. Nach dem Studium befasste er sich politisch und historisch mit dem zwischen Polen und Russland zerrissenen Land und forderte wie besessen seine staatliche Unabhängigkeit. Ein Kampf, der ihn durch verschiedene Länder führte und persönliche Opfer kostete.

Ähnlich kränklich wie diese historische Figur und – wie er – auf der Suche nach Zugehörigkeit, folgt die Erzählerin diesem stolzen, kompromisslosen, hypochondrischen Mann, um durch die Erinnerung der sowjetischen Entwurzelung zu trotzen. Ein literarisch beeindruckender Roman, der zeigt, was es heißt, wenn die eigene Identität aus Angst, Gehorsamkeit und Vergessen besteht.

Moderation: Malte Kleinjung

Tanja Maljartschuk, 1983 in der Ukraine geboren, studierte Philologie und arbeitete nach dem Studium als Journalistin in Kiew. 2009 erschien auf Deutsch ihr Erzählband Neunprozentiger Haushaltsessig, 2013 ihr Roman Biografie eines zufälligen Wunders und 2014 Von Hasen und anderen Europäern. 2018 erhielt sie für den Text „Frösche im Meer“ in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis. Von ihr erscheinen regelmäßig Kolumnen bei der Deutsche Welle und auf Zeit Online. Seit 2011 lebt sie in Wien.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK), 8,-/5,- (AK) oder mit Bachmann-Lesungspass

10. März: Eine Frage der Zeit - Lyrik zwischen Dystopie und Utopie. FOKUS LYRIK.

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich der Planet Erde der Menschheit entledigt oder sich die Menschen durch Wiederentdeckung alter oder Erfindung neuer Feindseligkeiten gegenseitig ausgelöscht haben werden. Andererseits weisen vertrauenswürdige Statistiken darauf hin, dass sich die Kindersterblichkeit und die Zahl der Kriegstoten in den letzten zehn Jahren verringert haben und mehr Menschen Zugang zu Trinkwasser haben als jemals zuvor. Ein Chor von Kassandren wird lauter, wortgewaltige Propheten, kritische Dichter und Dichterinnen, hellsichtige Medien und einige spekulative Realisten kommen im Gemurmel der Orakel mit Science-Fiction-Autoren, Neofuturistinnen und führenden Pessimisten zusammen. Im Hintergrund flackern die Schatten der Abstraktion und der ungarische Musiker Andy Vazul gibt uns eine Idee davon, wie es sich anhören könnte, wenn strahlen-besaiteter Weltraumschrott mit gelangweilten Kometendandies kollidiert.

Mit den sehr ernsten und mehr als erfindungsreichen Dichter*innen Ann Cotten, Tim Holland, Kim Hyesoon und Verity Spott – sowie der Schattenschnittkünstlerin Gisela Oberbeck.

Ort: Theatersaal im Mousonturm
Zeit: 11 Uhr
Eintritt: 10,-/ 7,- (im Festivalpass enthalten)

Festivalpass für alle Tage und alle Veranstaltungen: 30,-

Tickets auf www.fokuslyrik.de oder im Festvialzentrum der Evangelischen Akademie Frankfurt (Freitag 8.3.2019, 10.30-18 Uhr / Samstag, 9.3.2019, 9-18 Uhr) und an den Abendkassen.

Eine Veranstaltung des Kulturamts der Stadt Frankfurt.

27. März: Schimpf & Schande. Mit Isabel Bogdan und Edgar Rai

„Das muss man doch gelesen haben!“ – Ertappt? Kleinlaut kramt man im Allgemeinwissen nach den kläglichen Resten, die einst bei der Lektüre des Wikipedia-Artikels über diesen Klassiker der Literatur hängenblieben sind, um die öffentliche Schande vor dem gebildeten Gegenüber vielleicht doch noch irgendwie abwenden zu können…

Es wird Zeit, den Spieß umzudrehen. Bei „Schimpf & Schande“ schlägt die Stunde der Unbeleckten. In den Hauptrollen: Ein oder zwei Autor*innen, ein Moderierender, zwei Klassiker, die die Beteiligten bis dato nur vom Hörensagen kannten. Dazu Fragen: Was hat das alles mit uns zu tun? Ist das jetzt eigentlich Kunst oder kann das weg? Denn wo steht denn geschrieben: einmal Kanon, immer Kanon?

Wieder mit dabei (denn: Never change a winning team): Isabel Bogdan, im ersten Leben Übersetzerin (u.a. von Jane Gardam), im zweiten Bestsellerautorin (Der Pfau), sowie Edgar Rai, der alleine, im Team sowie unter Pseudonym schreibt, ebenfalls übersetzt und nebenbei noch eine der schönsten Buchhandlungen Berlins führt. Besprochen werden Ingeborg Bachmanns Malina und Albert Camus‘ Der Fremde.

Moderation: Björn Jager

Isabel Bogdan wurde 1968 in Köln geboren, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo und ist mittlerweile bekennende Hamburgerin. Neben zahlreichen Übersetzungen, u.a. von Jane Gardam, Nick Hornby, Jonathan Safran Foer, Jonathan Evison und Megan Abbott,  schreibt sie selbst Romane und Kurzgeschichten. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung. Für den Romananfang ihres ersten Romans  Der Pfau bekam sie 2011 den Hamburger Förderpreis für Literatur.

Edgar Rai, geboren 1967, wurde mehrerer Schulen verwiesen, ging ein Jahr nach Amerika und studierte Musikwissenschaften und Anglistik in Marburg und Berlin. Er arbeitete unter anderem als Drehbuchautor, Basketballtrainer, Chorleiter, Handwerker und Onlineredakteur. Seit 2001 ist er freier Schriftsteller und hat neben weiteren die Romane Nächsten Sommer und Etwas bleibt immer veröffentlicht. Edgar Rai hat drei Kinder und lebt in Berlin.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK), 8,-/5,- (AK) oder mit Bachmann-Lesungspass

Vorschau April bis Juni

Bereits Anfang März wird der Vorverkauf für fast alle Veranstaltungen von April bis Juni starten. Freuen Sie sich auf ein Programm, das unsere Welt mit weiblichem Blick in den Fokus nimmt. Neben den bereits ausverkauften Veranstaltungen mit Siri Hustvedt und Sophie Passmann warten auf Sie u.a. Veranstaltungen mit der Feministin Erica Fischer, mit Lucy Fricke, Isabelle Lehn, Ann Cotten, Angela Lehner und Laura Freundenthaler, Stimmen, die - wie Fischer - Diskurse seit Jahrzehnten prägen oder die - da sind wir sicher - die deutsche Literatur in den kommenden Jahren reicher machen. Ganz unter sich sind die Autorinnen aber auch nicht: Mit Matthias Nawrat besucht uns auch ein heißer Kandidat für den Preis der Leipziger Messe.

Weitere Infos und VVK ab etwa 10. März unter www.hlfm.de

"Die Mayröcker-Variationen" - Literaturbote 131/132

Die neue Ausgabe unserer Zeitschrift "L. Der Literaturbote" ist da! Friederike Mayröcker stellte uns für diese Ausgabe einen bisher unveröffentlichten Text zur Verfügung, auf den im Laufe des Jahres Autorinnen und Autoren literarisch auf ganz unterschiedliche Weise reagiert haben – in Fort- und Umschreibungen, in Verneigungen und Reminiszenzen. Das Ergebnis: „Die Mayröcker-Variationen“.

Mit Texten von Marcel Beyer, Nora Gomringer, Paulus Böhmer, Eva Demski, Uwe Kolbe, Zsuzsanna Gahse, Kathrin Schmidt, Ron Winkler, André Schinkel, Carolin Callies, Lisa Goldschmidt, Andreas Hutt, Crauss, Michael Spyra, Alke Stachler, Alis Blodwynne Jones (übers. von Jan Wilm), Jakob Brünn, Sandra Schäfer, Christoph Wenzel, Frieda Paris, Timo Brandt, Robert Stripling, Nancy Hünger, Lydia Daher, Ingo Ebener, Ingrid Mylo, Ruth Johanna Benrath, Mario Osterland, Klaus Reichert, Steffen Brenner, Róza Domašcyna und einem Essay von Beate Tröger.

Das Heft ist unter literaturbote@hlfm.de bestellbar und kostet 10,- Euro. Unter Angabe der ISSN 1617-6871 – der Zeitschriftennummer – kann das Heft auch in jeder Buchhandlung bestellt werden.

Sie werden gebraucht! Mitgliedschaft im Hessischen Literaturforum im Mousonturm e.V.

Seit 1985 ist das Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V. fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Frankfurt. In mehr als 30 Jahren haben sich unsere Schwerpunkte nur unwesentlich verschoben: Wir wollen Ihnen nicht nur die bekanntesten Namen der deutschsprachigen und internationalen Literatur vorstellen, sondern sind vor allem leidenschaftlich auf der Suche nach außergewöhnlichen Stimmen, die (noch) nicht im Rampenlicht stehen.

Damit wir Ihnen auch in Zukunft Lyrik, Nachwuchsliteratur und große Unbekannte präsentieren können, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen. Deshalb möchten wir Sie dazu einladen, Mitglied unseres Vereins zu werden. Als Vereinsmitglied erhalten Sie ermäßigte Eintrittskarten zu allen Veranstaltungen sowie viermal im Jahr unsere Zeitschrift L. Der Literaturbote. Außerdem dürfen Sie bei jeder Veranstaltung eine Begleitung kostenfrei mitbringen. Als Fördermitglied erhalten Sie sogar freien Eintritt. Außerdem sind Sie mit Ihrer Stimme bei unseren Mitgliederversammlungen vertreten.

Jahresmitgliedschaft: Euro 50,-
Paarmitgliedschaft: Euro 60,- (gilt für (Ehe-)Paare mit gemeinsamem Wohnsitz)
ermäßigte Jahresmitgliedschaft für Studierende: Euro 25,-
Förder- und Firmenmitgliedschaft: ab Euro 100,-

Bei Interesse an einer Mitgliedschaft können Sie sich unter verein@hlfm.de oder telefonisch unter 069 – 24 44 99 41 an uns wenden.

Hinweise der Sponsoren dieses Newsletters:


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