Mi., 8. Feb., 20 Uhr: Ins Reine. Michael Krüger liest.
Michael Krüger ist Schriftsteller und Verleger, Herausgeber, Übersetzer, Kritiker und Literaturförderer. Als Chef des Hanser Verlags entdeckt und versammelt er seit Jahrzehnten die wichtigsten Stimmen der deutschen und der Weltliteratur, darunter zahlreiche Nobelpreisträger. Sein eigenes literarisches Werk umfasst über 30 Bücher mit Gedichten, Romanen, Geschichten und Essays. Als Herausgeber der Literaturzeitschrift
Akzente hat er die europäische und angloamerikanische Avantgarde mit der deutschsprachigen verknüpft. Er wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2010 mit dem Joseph-Breitbach-Preis.
Michael Krüger (1943), debütierte 1976 mit
Reginapoly als Lyriker, 1991 veröffentlichte er seinen ersten Roman,
Der Mann im Turm. Zuletzt erschien der Gedichtband
Ins Reine (Suhrkamp 2010). „Ich wäre froh“, sagt er, „wenn ein Abglanz des Wärmestroms, der durch die Bücher geht, die mir etwas bedeuten, auf den Leser, die Leserin abstrahlt, nicht mehr.“
Moderation: Harry Oberländer
Zeit: Mittwoch, 8. Februar 2012, 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Dritten
Eintritt: 7,-/4,-
Do., 16. Feb., 20 Uhr: Wiederworte. Ulla Hahn liest.
"Nach Jahrzehnten noch einmal gelesen / Gedichte der jungen Schwester / Ant-Worten geschrieben" - es sind die Auftaktzeilen zu Ulla Hahns Gedicht "Luftwege", die mit wenigen Worten die Poetologie des Bandes
Wiɘderworte offenbaren. Die Autorin reagiert dort auf sich selbst, kommentiert alte Gedichte mit neuen und beginnt so einen poetischen Dialog mit ihrer eigenen Vergangenheit. Wie so oft bei Ulla Hahn steht die Liebe im Zentrum ihrer Texte - mit sanfter Reife und Humor rückt sie ihrem jungen, wilderen Ich den Kopf zurecht.
"Seltsam zu glauben / dass du Ich bist" schreibt sie an anderer Stelle, und doch ergibt sich aus der Gegenüberstellung der Texte ein stimmiges Bild der lyrischen Werdung Hahns.
Ulla Hahn (1946) feierte vor allem mit den Gedichtbänden
Herz über Kopf (DVA 1981) und
Spielende (DVA 1983) große Erfolge. 1991 debütierte sie mit dem Roman
Ein Mann im Haus (DVA) als Prosaautorin. Zuletzt erschien der Gedichtband
Wiɘderworte (DVA 2011).
Moderation: Harry Oberländer
Zeit: Donnerstag, 16. Februar 2012, 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Dritten
Eintritt: 7,-/4,-
So., 19. Feb., 11 Uhr: Hessen feiert Büchner - Christian Wirmer spielt "Lenz".
Matinee mit Frühstücksbuffet anlässlich des 175. Todestags Georg Büchners
Keine Lesung im üblichen Sinn: Christians Wirmer benötigt weder Lesepult noch Textvorlage zu Büchners Erzählung
Lenz. Er spricht und spielt 90 Minuten lang aus dem Gedächtnis,
ein Ereignis, das durch Wirmers sensible Körpersprache eindringliche Bilder von der Natur und dem Inneren des verwirrten Dichters Lenz vor Augen ruft. Dessen Geisteszustand, der sich während der Reise durch das Elsass immer mehr verschlechterte, beschreibt Büchners 1839 erschienene Novelle. Wirmer trägt keineswegs dick auf, wenn er die Beschwörung von Lenz am Bett des toten Kindes oder dessen Gemütszustand und psychotischen Schübe, seinen beginnenden Wahnsinn und die halbherzigen Selbstmordversuche schildert. Er ist sparsam in Mimik und Körpersprache - und umso authentischer.
Im Eintrittspreis enthalten ist zudem ein kleines Frühstücksbuffet.
Christian Wirmer absolvierte von 1980 bis 1984 seine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Es folgten Engagements in Basel, Hannover, Darmstadt, Berlin u.a. Seit 2005 arbeitet Christian Wirmer auch als Performancekünstler sowie für Film und Rundfunk.
Zeit: Sonntag, 19. Februar 2012, 11 Uhr
Ort: Literaturforum im Dritten
Eintritt: 10,- inkl. Frühstücksbuffet
Wir bitten um Voranmeldung: 069/24 44 99 41
Do., 23. Feb., 20 Uhr: Thor Vilhjalmsson - "Morgengebet". Mit Gert Kreutzer.
Morgengebet ist der vorletzte Roman des im März 2011 verstorbenen Schriftstellers und Übersetzers Thor Vilhjálmsson und gilt als dessen opus magnum. Grundlage des Werkes ist die isländische Sturlungen-Saga, aus deren Stoff Thor Vilhjálmsson einen vielschichtigen und poetisch dichten historischen Roman webt: Im 13. Jahrhundert lädt Sturla Sighvatsson im Kampf zwischen verfeindeten Familienclans schwere Schuld auf sich. Um Absolution zu erlangen, begibt er sich auf eine Pilgerreise Richtung Rom, in deren Verlauf er zu sich selbst findet - und am Ende doch scheitert.
Zu Gast an diesem Abend ist Gert Kreutzer, der Übersetzer Thor Vilhjálmssons.
Thor Vilhjálmsson (1925-2011) war Maler, Übersetzer und einer der bedeutendsten Schriftsteller Islands. Mit seiner experimentellen Lyrik und Prosa trug er wesentlich zur Entwicklung eines Modernismus in der isländischen Literatur bei. In deutscher Übersetzung erschien zuletzt
Morgengebet (Osburg Verlag 2011).
Gert Kreutzer (1940) ist emeritierter Professor für Nordische Philologie in Köln und Herausgeber der Zeitschrift
ISLAND. Er ist als Übersetzer aus dem Isländischen tätig und veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Kultur- und Literaturgeschichte Skandinaviens. Kreutzer ist Mitherausgeber der Sammlung
Die schönsten Erzählungen Islands (Suhrkamp 2011).
Moderation: Harry Oberländer
Zeit: Donnerstag, 23. Februar 2012, 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Dritten
Eintritt: 7,-/4,-
Fr., 24. Feb., 20 Uhr: Am Rande des Äußersten. Peter Heusch liest Thomas Bernhard.
Die Kälte. Eine Isolation ist der vierte Band der Bernhard'schen Autobiographie - und vielleicht der furchterregendste. Thomas Bernhard schildert darin den Fortgang seiner Patientenjahre in den Salzburger Lungensanatorien. Mittelpunkt seiner Schilderungen ist eine Ungeheuerlichkeit: Eine anfängliche Fehldiagnose und die daran anschließende falsche Behandlung sorgen dafür, dass er sich jenes Lungenleiden zuzieht, das letztlich seinen frühen Tod verursacht. Gerade aber der Weltekel, den der junge Bernhard im Krankenhaus entwickelt, der absolute Hass auf die Medizin, lässt ihn eine Haltung der unbeugsamen Lebensbejahung einnehmen, die fortan auch seine literarische Kraft erzeugt.
Zeit: Freitag, 24. Februar 2012, 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Dritten
Eintritt: 7,-/4,-