Newsletter Nr. 1 / 24. November 2011

Am 3. Mai 2012 beginnt die 13. Münchener Biennale. Bis zum
19. Mai bestimmen drei neue Opern und eine musiktheatralische Gemeinschaftsarbeit das Festival für neues Musiktheater in der Bayerischen Landeshauptstadt. Sie werden durch ein reichhaltiges Beiprogramm ergänzt und kontrapunktiert.


Sarah Nemtsov stellte das Libretto für ihre fünfaktige Oper L’ABSENCE aus Edmond Jabès’ Buch der Fragen zusammen. Es enthält die Geschichte von Sarah, Yukel und ihrer Liebe. Sarah wurde mit ihren Eltern in ein Vernichtungslager deportiert. Sie überlebt, aber ihre Seele ist zerstört. Yukel sucht sie, findet sie, doch nicht mehr den Menschen, den er kannte. – Die Tragödie der Liebenden ist umgeben und verwoben mit Sätzen und Disputen von Rabbinern, mit Erinnerungen, Kommentaren, Gedichten, Dialogen. Sie entfaltet sich nicht linear, sondern gleichsam in einem Kugelraum der Zeit. In eine Partitur von großer Transparenz und Klarheit, aber auch von bedrängender Kraft arbeitete Sarah Nemtsov Formen eines »fernen Klangs« ein, der aus der Geschichte kommt und die Hoffnung auf künftiges Leben weiterträgt.

Was geschieht, wenn Ansprüche und Angebote der modernen städtischen Zivilisation auf tief verwurzelte Mentalitäten und Traditionen treffen? Welche Erwartungen brechen auf, welche Verhaltensmuster verfestigen sich? Ordnet sich das Verhältnis der Geschlechter neu? Die Komponistin Eunyoung Kim und die Librettistin und Regisseurin Yona Kim gehen den Fragen in ihrer Oper für die 13. Biennale nach. Mama Dolorosa spielt zwar in einer koreanischen Familie aus einem lauten Stadtteil Seouls, doch weder sind die Konflikte, die aufbrechen, auf Korea beschränkt, noch hört man in dieser Oper etwas, das an traditionelle koreanische Musik erinnert. »Ich suche sinnliche Klänge, in deren Entfaltung Emotion und Zustand der Personen ihren Ausdruck finden.« (Eunyong Kim)

Arnulf Herrmann und Nico Bleutge schrieben ihre Oper Wasser in einem Prozess gegenseitiger Anregung. Im Hintergrund wirkt die Geschichte eines Ich-Verlusts und des Versuchs, Identität wieder oder neu zu finden. Die Geschichte wird nicht erzählt, sie äußert sich durch Konsequenzen und Gegenkräfte. Drei der dreizehn Szenen erscheinen musikalisch jeweils drei Mal, allerdings nicht als Wiederholung, sondern in verformter Ähnlichkeit. Geschaffen wird keine definitive Identität, sondern Schichten von Bildern, die bald deutlichere Kontur gewinnen, bald wieder verschwimmen. Vier Szenen erscheinen nur einmal wie vorantreibende Momente des Gesamtgeschehens. – Einige Szenen bewegen sich kreisend oder spiralartig wie Gedanken, die Ahnungen zu Erinnerungen präzisieren wollen. Andere verlaufen gezielt in eine Richtung mit der Dynamik einer musikalischen Handlung. Am Ende lösen sich Zusammenhang und Identität auf. Dafür steht die Metapher des Wassers, das die Erscheinungen bewahrt, aber nichts preisgibt.

Das Motto der 13. Münchener Biennale – Der ferne Klang – bildet nicht nur einen gemeinsamen Nenner der drei sehr unterschiedlichen Werke, es weist auch auf die geschichtliche Linie hin, in der sich die Münchener Biennale als Festival für neues Musiktheater sieht. Franz Schrekers Oper Der ferne Klang, 1912 uraufgeführt, gehört zu den Pionierwerken des Musiktheaters auf dem Weg zur Moderne.

In der Auseinandersetzung mit dem Motto entsteht A Game of Fives, eine Gemeinschaftsproduktion junger KomponistInnen an der Berliner Universität der Künste. Das Projekt befragt vor allem unsere Wahrnehmungsweisen, seien sie musikalischer, räumlicher oder logischer Art. Für alle fünf MusikerInnen wurden – bei aller unterschiedlichen Herkunft und künstlerischen Handschrift – die Alice-Romane des britischen Autors Lewis Carroll zu einem Ausgangspunkt ihres Denkens. Die Verkehrung der »realen« Ordnung in dessen Welt inspirierte die KünstlerInnen zu inhaltlichen und formalen Versuchen, mit konventionellen Repräsentationsweisen zu spielen und diese zu brechen.

In der Reihe Biennale Special stellen Münchner Künstler und Künstlergruppen Konzepte und Realisationen neuen Musiktheaters vor. Pädagogische Projekte beteiligen Schulen an der Erarbeitung neuer Stücke, die Biennale Werkstatt der Münchener Volkshochschule vermittelt Einblicke in die Entstehung einer Oper. Außer den Komponistengesprächen, die am Abend der Premiere stattfinden, bieten wir unter dem Titel nachgefragt nach je einer Vorstellung Diskussionen mit prominenten Persönlichkeiten an, die dem neuen Musiktheater nicht beruflich, aber durch Interesse verbunden sind. Hintergrundgespräche in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Stadtakademie und dem Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde führen genauer in die Werke von Sarah Nemtsov und Eunyoung Kim ein.

Zur Tradition der Biennale gehören die Konzerte der Münchner Philharmoniker, des Münchener Kammerorchesters und der musica viva. Die Philharmoniker widmen ihr Sonderkonzert chinesischen Komponisten, für deren Schaffen die Auseinandersetzung zwischen fernöstlichen Kulturtraditionen und westlich geprägter Moderne konstitutiv ist. Es schließt mit einer Neukomposition der chinesischen Poesie, die Gustav Mahler einst seinem Lied von der Erde zugrunde legte, in ihrer Originalgestalt. – Zur vielfältigen Erfahrung und Reflexion heutigen Musiktheaters tragen schließlich ein Symposium und eine Podiumsdiskussion bei.

Vorverkaufsbeginn: 20. März 2012

Karten für die Veranstaltungen der Münchener Biennale erhalten Sie
über :: München Ticket sowie an allen bekannten Vorverkaufstellen.


:: www.muenchenerbiennale.de








Hinweise der Sponsoren dieses Newsletters:


Festival Oude Muziek Utrecht 2011

"In Monte Oliveti" - Felice Anerio, Agostino Agazzari, Michelangelo Rossi, Giovanni Pierluigi da Palestrina
Geistliche Vokalmusik aus dem barocken Rom
Huelgas Ensemble; Leitung: Paul van Nevel
Aufnahme vom 3.9.11 aus der Domkerk
Festspiel-Panorama
Do, 16.02.2012 - 21:05 Uhr Deutschlandfunk


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Alles Walzer. Rechts, zwei, drei

Eine Revue in Ö-Moll
Von Ursula Rütten
Feature
Sa, 18.02.2012 - 18:05 Uhr Deutschlandradio Kultur
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