Liebe Zuschauer*innen,

wer sich unseren Spielplan aufmerksam durchgelesen hat, der/dem ist bestimmt eine Veranstaltung aufgefallen, die sonst nirgenwo anders mehr zu finden war: "Fluchtgeschichten" am 13. Februar. Leider ist diese Veranstaltung nicht zustande gekommen, da die Hemmungen, so offen vor Publikum zu sprechen, für einige der Teilnehmenden am Ende doch zu groß war. Wir waren auf den Impuls der Teilnehmenden eingegangen, öffentlich über ihre Geschichten sprechen zu wollen, und wollten ihnen diesen Raum geben. Doch natürlich ist es ihr gutes Recht, einen "Rückzieher" zu machen und auf keinen Fall unser Recht, sie trotzdem zum Sprechen zu drängen.
Deshalb findet diese Veranstaltung morgen nicht statt.
 
Die nächste Veranstaltung, die bei uns stattfindet, ist somit unser zehn Jahre altes Erfolgsstück WESTLICHE HÖHE - Eine Ent-Deckung, das ab dem 21. Februar ein letztes Mal wieder aufgenommen wird. Im Rahmen unseres aktuellen Spielplans "Aus GeschichteN lernen?" darf die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland natürlich nicht fehlen. Und Flensburg, die Reichshauptstadt in den letzten grotesken Tagen des zweiten Weltkrieges, hat auch diesbezüglich eine Vergangenheit, vor allem eine Vergangenheit des Schweigens. Wie wirkt sich dieses Schweigen aus, wie kontaminiert es spätere Generationen, wie erstickt es Unbeteiligte, wann bricht es auf und mit welcher Gewalt?
WESTLICHE HÖHE- Eine Ent-deckung ist eine Selbstbefragung der Späteren, die unter der Decke dieses Schweigens heranwuchsen. Eben eine Ent-Deckung – im wörtlichen Sinne, denn unter dem Boden liegen die Geschichten, die Schichten der Vergangenheit.
 

Weitere Informationen und Termine gibt es, wie gewohnt, weiter unten.

 

Die Theaterwerkstatt Pilkentafel

Foto: Ina Steinhusen

 

 

Inhalt

Westliche Höhe - Eine Ent-Deckung
"Rumstadt Flensburg" - Wie aktuell ist unsere Vergangenheit?
Die Narben der Kolonialgeschichte - Ein Abend mit den ‚Sisters – Frauen für Afrika e.V.‘ aus Kiel
Decolonize! Ein Gespräch über die Notwendigkeit, uns neu zu erinnern
Vom Reisen in ehemaligen Kolonien - Eine Positionsbestimmung
Rum, Reklame und Rassismus
Gibt es hier was zu feiern?
Karten für unsere Aufführungen

Westliche Höhe - Eine Ent-Deckung

Eine Auseinandersetzung mit Geschichte muss in Deutschland auch weiterhin eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus sein. Und so spielen wir unser 10 Jahre altes Erfolgsstück ein letztes Mal und stellen so einen Zusammenhang zur Kolonialgeschichte her. 

Flensburg war die Reichshauptstadt in den letzten grotesken Tagen des zweiten Weltkriegs. Hier sammelten sich die letzten Reste der ehemaligen Regierung, hier versteckten sich unter anderen der Ausschwitzkommandant Höss und der Euthanasieprofessor Heyde, der unter dem Namen Sawade bis 1959 als Gutachter für Gerichte tätig war. Das gutbürgerliche Viertel „Westliche Höhe“ war ihr bevorzugter Wohnort. Man kannte sich, deckte sich, verdeckte die Vergangenheit, schwieg. Wie wirkt sich dieses Schweigen aus, wie kontaminiert es spätere Generationen, wie erstickt es Unbeteiligte, wann bricht es auf und mit welcher Gewalt?

Es ist eine Selbstbefragung der Späteren, die unter der Decke dieses Schweigens heranwuchsen. Eben eine Ent-Deckung – im wörtlichen Sinne, denn unter dem Boden liegen die Geschichten, die Schichten der Vergangenheit.

Text: Elisabeth Bohde

Es spielen: Elisabeth Bohde, MarenSeidel, TorstenSchütte


21./ 22./ 23./ 28.  Februar, 01./02. März  jeweils 20.00 Uhr

Foto: Ina Steinhusen
 

"Rumstadt Flensburg" - Wie aktuell ist unsere Vergangenheit?

Collage einer Recherche

Rumstadt Flensburg ist eine Selbstbezeichnung, die uns immer wieder in Erzählungen über die Stadt begegnet. Dabei blickt Flensburg als Hafenstadt auf eine lange Geschichte der Verflechtungen mit anderen Orten und Menschen, wie die (kolonialen) Verbindungen mit Dänemark und den Jungferninseln St. Thomas, St. John und St. Croix.

Wir fragen: Was macht diese Erzählungen lebendig? Welche Rolle spielen sie in der Beschreibung Flensburgs heute? Was für Perspektiven auf Geschichte(n) finden sich darin wieder und welche Leerstellen werden deutlich?  Und nicht zuletzt: Was für Interventionen und Perspektivwechsel haben bereits stattgefunden und welche Rolle spielen die unterschiedlichen Geschichten für Flensburgs Zukunft?


Marie Marwege und Nelo Schmalen studieren Transformationsstudien an der EUF und befragen als Zugezogene diese Stadt. Sie sind mit verschiedenen Flensburger*innen ins Gespräch gekommen und geben an diesem Abend auf performative Art und Weise einen Einblick in das Gefundene, sowie Raum für weiterführende Gespräche. Manuel Melzer (Performer und Theatertechniker) unterstützt sie bei der Umsetzung.


6. März, 20:00 Uhr, Eintritt frei

 

Die Narben der Kolonialgeschichte - Ein Abend mit den ‚Sisters – Frauen für Afrika e.V.‘ aus Kiel

Die Kolonialgeschichte verbindet uns mit Westafrika - hier wurden die Menschen gefangen, um als Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen der Karibik zu arbeiten – und sie trennt uns, denn wir profitieren bis heute von ihr; die Verletzungen, die Demütigungen, die Narben bleiben auf der anderen Seite.

Wir teilen eine Geschichte, aber erleben gegensätzliche Folgen… Aus GeschichteN lernen kann also ganz schlicht heißen, der anderen Sicht, den anderen Erfahrungen, dem anderen Empfinden zuzuhören. Als Auftakt zeigen wir den Kurzfilm „Realität“ von Gian Suhner.  

Die ‚Sisters‘ sind eine deutsch-afrikanische Frauen- gruppe aus Kiel, die sich mit entwicklungspolitischen Fragen beschäftigt und schwesterlich und modellhaft  einen rassismusfreien, heilenden Raum miteinander  entwickelt. Wir danken ihnen, dass sie bereit sind, uns am Frauentag an ihren Geschichten und Erfahrungen teilhaben zu lassen.


8. März, 20:00 Uhr

 

Decolonize! Ein Gespräch über die Notwendigkeit, uns neu zu erinnern

Die Debatte um das Berliner Humboldt-Forum hat hierzulande ein Thema ins öffentliche Bewusstsein gebracht, das jahrzehntelang verdrängt, vergessen oder verklärt wurde: Die global verflochtene Geschichte des Kolonialismus und ihre bis heute nachwirkenden Folgen. Die Frage zum Umgang mit Kulturgut aus kolonialen Kontexten bewegt die Feuilletons. Die Auseinandersetzung mit dem materiellen Erbe des Kolonialismus zeigt, dass die Dekolonisation unserer Gesellschaft einer neuen, postkolonialen Erinnerungskultur bedarf.

Als Impuls und Auftakt wird der Kurzfilm „Café Togo“ von Gregor Kasper und Musquiqui Chihying zu sehen sein.


Es diskutieren:

Aminata Touré, Sprecherin für Flüchtlings-, Frauen und Gleichstellungs-, sowie Verbraucher*innenschutzpolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Dr. Thomas Overdick, Kulturanthropologe. Von 2007-2017 Leiter des Flensburger Schifffahrtsmuseums, Co-Kurator der Ausstellung „Rum, Schweiß und Tränen“. Seit 2017 Projektkoordinator für das Deutsche Hafenmuseum und die Aufarbeitung des kolonialen Erbes Hamburgs in der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg.


Moderation:

Dr. Inken Carstensen-Egwuom, wissenschaftliche Mitarbeiterin am interdisziplinären Institut für Umwelt-, Sozial- und Humanwissenschaften der Europa-Universität Flensburg, Abteilung Geographie.


9. März, 18:00 Uhr

Vom Reisen in ehemaligen Kolonien - Eine Positionsbestimmung

1917 verkaufte Dänemark seine westindischen Inseln an die USA, seitdem sind sie die US Virgin Islands und immer noch in kolonialer Abhängigkeit. Flensburg wurde reich mit dem Rum- und Zuckerhandel, und profitiert bis heute davon. Aber wie ist es auf der anderen Seite?  Wie begegnen wir uns mit unserer gemeinsamen und doch ungleichen Geschichte? Wie leben wir mit der Kolonialgeschichte, den Verbrechen dieser Zeit, den Ungerechtigkeiten? Können wir etwas wieder gut machen? Wie bleiben wir nicht nur Touristen in einem fremden Leben?
Mit diesen Fragen fuhren Elisabeth Bohde und Torsten Schütte nach Namibia und auf die Virgin Islands. Die Eindrücke waren disparat, trostlos, absurd, unerklärlich, empörend. Aus diesen Erfahrungen ist ein Theaterabend entstanden, der erklärt und verwirrt, unterhält und betroffen macht. Die Mittel und Formen wechseln abrupt zwischen persönlich und sachlich, arbeiten mit Objekten, Liedern, Choreographien, erfundenen Figuren und wahren Fakten. Am Ende ist die ganze Bühne voll mit den Spuren der Geschichte und der Geschichten, und den  Zuschauer+innen bleibt es überlassen,  eine eigene Position zu finden.

Von und mit: Elisabeth Bohde, TorstenSchütte

Objekte: Johannes Caspersen

Kostüme: Gesine Hansen

14./ 15./ 16./ 28./ 29./ 30. März, jeweils 20:00 Uhr

Foto: Ina Steinhusen

Rum, Reklame und Rassismus

‚Wildgewordene‘ Werbefeldzüge und die Geschichte vom Flensburger „Pott-Negerlein“

Das als „POTT-Negerlein“ bezeichnete Maskottchen war in den 1950er und 60er Jahren der zentrale Markenbotschafter des seinerzeit größten deutschen Rumhandelshauses POTT aus Flensburg. Im Gegensatz zu vielen anderen exotischen Werbefiguren bekam die kindliche Figur eine eigene „Stimme“, indem es sich in allerlei Texten an die Verbraucher*innen richtete. Auf diese Weise wurde über die grafische Darstellung hinaus ein fiktiver Charakter mit persönlichen Eigenschaften und biographischen Einzelheiten entwickelt.

Wir sehen uns dieses Maskottchen nun noch einmal an, nicht um rassistische Klischees fortzuschreiben, sondern um sie zu zerschreiben. Wir wollen herausfinden, wo wir den Nachfahren des „POTT-Negerleins“ heute noch begegnen. Bis heute kursieren kolonial-ideologisch geprägte Muster in der hiesigen Werbelandschaft, die das Narrativ vom minderwertigen „Anderen“ fortschreiben und das Zusammenleben in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft erschweren.


Marco Petersen ist  Historiker in der Schleswigschen Sammlung der Dänischen Zentralbücherei und Herausgeber des 2018 erschienen Sammelbandes Sonderjylland – Schleswig Kolonial.


Mit theatraler Unterstützung von Torsten Schütte.

22. März, 20:00 Uhr

 

Gibt es hier was zu feiern?

Der Zustand der Welt ist bestimmt kein Grund zu feiern! Aber wenn wir der Konkurrenz, Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Feindlichkeit, Rassismus, Ausgrenzung etwas entgegensetzen wollen, dann doch unsere Solidarität, unser Interesse aneinander. Und das sollte uns doch ein Grund zum Feiern sein.


Können wir feiernd unsere Solidarität erleben? Können wir stolz sein auf unser buntes Flensburg? Wie weit sind wir in der Aufarbeitung? Gibt es da ein Weit? Und ein Wir? Auf jeden Fall sind wir stolz auf diesen Spielplan, darauf, wie viele teilnehmen, sich einbringen, mitreden und zuhören.

Wir wollen allen danken, gemeinsam Filme gucken, Musik hören, weiter reden, weiter denken, essen,  vielleicht sogar weiter planen, trinken, neue Bündnisse schließen und alte Bekanntschaften auffrischen.


23. März, 20:00 Uhr

Foto: Ina Steinhusen

 

Karten für unsere Aufführungen

gibt es an der Abendkasse, es gibt immer noch Restkarten, über die Homepage www.pilkentafel.de und per Mail an info@pilkentafel.de.
Vorverkauf: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung, SHZ Kundenzentrum oder Tourist Information in der Roten Straße,
für Student+innen: Karten für 7,-- € im AStA Büro der Uni und FH

Eintritt:
20,-- € für Förder*innen
15,-- € für jede*n
10,-- € für Schüler*innen, Student*innen, Sozialpassinhaber*innen

Gespräche, Vorträge, Diskussionen und Fest:

10,--€ für Förder*innen

 5,--€ für jede*n

 3,--€ für Schüler*innen, Student*innen, Sozialpassinhaber*innen

Der Eintritt für "Rumstadt Flensburg" ist frei.

 

 

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