Museumsvorplatz mit Ballwerfer-Statue

Liebe Freundinnen und Freunde des Deutschen Hygiene-Museums, 

Sex sells - soweit, so bekannt. Doch warum ist die "Ware Sex" eigentlich fast ausschließlich weiblicher Natur? Wessen Sexualität einen "Absatzmarkt" findet und wie sich über die Lust und ihren Preis schreiben lässt, ist morgen Abend bei uns Thema. Zu Gast sind Nora Bossong, die für ihre Reportage Rotlicht das entsprechende Milieu aufsuchte, und Clemens Meyer, der in seinem Roman Im Stein beschreibt, wie sich das Geschäft mit dem eigenen Körper für viele Frauen anfühlt. Los geht es um 19 Uhr!

In ihre letzte Runde geht unsere Diskussionsreihe zur Ausstellung "Scham" (bis zum 5. Juni im DHMD): Zunächst geht es in einer szenischen Lesung am 23. Mai um die Gefühlsgeschichte der Stasi und darum, inwiefern Scham und Beschämung für Opfer und für Täter eine Rolle gespielt haben. Der Frage, wie sich Menschen aus unterschiedlichen kulturell-religiösen Kontexten schämen, geht die abschließende Dikussionsrunde Kopftuch und Burkini auf den Grund.

Zum Internationalen Museumstag am 21. Mai bieten wir Ihnen wieder ein Programm für die ganze Familie: Unter dem Motto "Ich zeig dir was!" steht eine Führung von Kindern für Kinder auf dem Programm. Darüber hinaus können Sie neben der Dauerausstellung auch unsere drei aktuellen Sonderausstellungen in kostenlosen öffentlichen Führungen erkunden.

Außerdem im Angebot: Eine Architekturführung sowie eine musikalische Führung durch die Ausstellung "Sprache".

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Ihr Deutsches Hygiene-Museum

Inhalt

LESUNG: NORA BOSSONG UND CLEMENS MEYER
LESUNG: YOKO TAWADA
FÜR FAMILIEN: INTERNATIONALER MUSEUMSTAG
FÜR FAMILIEN: TANZWORKSHOP MIT KATJA ERFURTH
BEGLEITPROGRAMM ZU SONDERAUSSTELLUNG "SCHAM"

LESUNG: NORA BOSSONG UND CLEMENS MEYER

Zwei Portäts. Links Nora Bossong mit seitlich gelegtem Kopf vor dunkelrotem Hintergrund. Rechts Clemens Meyer mit leicht gerunzelter Stirn vor einer hellen Wand.

3. Mai, Mittwoch, 19 Uhr
Eintritt: 7€ / ermäßigt 3€ / mit Jahreskarte frei

Abwaschbar und alltäglich. Sex als Arbeit und Literatur

Nora Bossong und Clemens Meyer beschäftigen sich aus zwei ganz unterschiedlichen literarischen Perspektiven mit der sexuellen Lust und ihrem Preis:

Nora Bossongs Recherche zu ihrem Essay Rotlicht führte sie in antiquierte Sexshops und plüschige Erotikkinos. Sie bemühte sich um Smalltalk bei Nudelsalat auf Swingerparties und befragte Sexarbeiterinnen auf der Straße. Was man ihr als verruchte Lust verkaufen will, erscheint ihr abwaschbar und gleichförmig. Warum tauchen weibliche Phantasien in dieser grellen Warenwelt nirgends auf?

Clemens Meyers vielstimmige Montage Im Stein lässt widersprüchliche Erfahrungen von Frauen und deren Begleitern hörbar werden, die mit Sex ihren Unterhalt verdienen. Er zeigt das Alltägliche ihres Begehrens im „Frittenbudenkapitalismus“ und sucht eine literarische Sprache für ihre Tragödien.

Moderation: Jeanne Bindernagel, Deutsches Hygiene-Museum

Foto: David Brandt / Oliver Killig

LESUNG: YOKO TAWADA

Porträt von Yoko Tawada mit dunklen Haaren und dunkler Kleidung. Sie blickt nach links.

10. Mai, Mittwoch, 19 Uhr

Eintritt: 7€ / 3€ / mit Jahreskarte frei

Moderation: Patrick Beck, Schriftsteller, Dresden

Yoko Tawada schreibt ihre Gedichte, Romane und Essays auf Deutsch und Japanisch. Wiederkehrend befasst sie sich mit Motiven aus dem Bereich der Sprache – mit den Schriftzeichen und der Stimme, mit dem Übersetzen oder den kreativen Aspekten des Akzents. Die Autorin versteht sich als eine Reisende durch die Sprache(n), und ihr eigenes Schreiben in einer anderen Sprache sieht sie als Seiltanz zwischen den Kulturen.

Yoko Tawada hat in Japan alle großen Literaturpreise erhalten, und auch in Deutschland wurde ihr Werk mit zahlreichen Literaturpreisen gewürdigt, zuletzt 2016 mit dem renommierten Kleist-Preis. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, dem Partner des Deutschen Hygiene-Museums bei der Ausstellung "Sprache. Welt der Worte, Zeichen und Gesten".

Die Veranstaltung findet in der Reihe Literarische Alphabete der Literaturforum Dresden e.V. statt und wurde von der Robert Bosch Stiftung und dem Amt für Kultur und Denkmalschutz gefördert.

Foto: Nina Subin

FÜR FAMILIEN: INTERNATIONALER MUSEUMSTAG



21. Mai, Sonntag, 10 bis 18 Uhr

Am Internationalen Museumstag bieten wir in allen Ausstellungen öffentliche Führungen, an denen Sie kostenlos mit einem gültigen Museumsticket teilnehmen können. Highlights sind die Architekturführung, bei der Sie das Museum von seiner unbekannte Seite kennen lernen, und die Tour "Kinder führen Kinder" durch die Dauerausstellung.

FÜR FAMILIEN: TANZWORKSHOP MIT KATJA ERFURTH

Porträt von Katja Erfurth. Die Frau mittleren Alters ist schwarz gekleidet und fährt sich durch die dunklen Haare. Sie blickt nach links.

20. Mai, Samstag, 15 Uhr
Mit dem Körper sprechen
Teilnahme ohne Voranmeldung / mit Museumsticket
Treffpunkt: Kasse

Kennen Sie das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch oder ist Ihnen schon mal das Herz in die Hose gerutscht? In diesem Tanzworkshop geht es vor allem um Körpersprache und darum, wie sprachliche Bilder in Bewegungen umgesetzt werden können.

BEGLEITPROGRAMM ZU SONDERAUSSTELLUNG "SCHAM"

Plakat mit Reihentitel Scham und Gesellschaft

Eintritt zu allen Veranstaltungen: 3 € / ermäßigt 1,50 €

23. Mai, Dienstag, 19 Uhr

ANGST, SCHAM UND OHNMACHT
Gefühlsgeschichtliche Einblicke in die Stasigeschichte

Mit:
Prof. Dr. Dagmar Ellerbrock, Historikerin, Technische Universität Dresden
Studierende des Lehrstuhls für Neuere und Neuste Geschichte der TU Dresden

In Kooperation mit der interdisziplinären Forschungsinitiative "Invektivität" der Technischen Universiät Dreden

Die Besetzung der Stasizentralen und die Verhinderung der Aktenvernichtung wurden zum Inbegriff der Überwindung von Diktatur und Terror. Durch die Bespitzelungsaktivitäten des Ministeriums für Staatssicherheit war der SED-Staat tief in die Privatsphäre seiner Bürgerinnen und Bürger – in Wohnungen, Familien und Freundeskreise eingedrungen. Doch welche Rolle spielen Intimität und Grenzüberschreitungen, Scham und Beschämung in der Geschichte der Stasi-Aktivitäten? Die Veranstaltung fragt aus einem emotionsgeschichtlichen Blickwinkel, welche Gefühle im Kontext der Stasi auf allen Seiten – Täter, Opfer, Zuschauer, Unbeteiligte – relevant waren.
Ein studentisches Projekt am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der TU Dresden nähert sich 2016/17 forschend der Gefühlsgeschichte der Stasi.

Die Ergebnisse werden in einer szenischen Lesung präsentiert.

 

30. Mai, Dienstag, 19 Uhr

KOPFTUCH UND BURKINI
Verhüllung und Scham in der Migrationsgesellschaft

Mit:
Prof. Dr. Marina Münkler, Literaturwissenschaflterin, Technische Universität Dresden
Prof. Dr. Naika Foroutan, Sozialwissenschaftlerin, Humboldt-Universität Berlin
Cana Topçu, Journalistin und Autorin, Darmstadt

In Kooperation mit der interdisziplinären Forschungsinitiative "Invektivität" der Technischen Universität Dresden

Wie schämen sich Menschen aus unterschiedlichen kulturell-religiösen Kontexten? Sind muslimische Verhüllungspraktiken Ausdruck einer verschieden empfundenen Körperscham? Welche Geschlechter- und Machtverhältnisse spiegeln sich darin? Die Veranstaltung untersucht divergierende Begriffe des Schamhaften und Ehrbaren und ihr zum Teil konfliktgeladenes Aufeinandertreffen in modernen Migrationsgesellschaften. Dabei greift die Diskussion aktuelle Auseinandersetzungen etwa um Kopftuch und Burkini auf. Sie fragt, was das Ablegen des Kopftuches für muslimische Frauen bedeutet und ob die schamhafte Verhüllung ein Integrationshindernis ist.