Liebe Freunde der Kunsthalle Bielefeld,

Der Expressionismus hat in allen künstlerischen Bereichen neue und revolutionäre Formen gefunden. Deshalb widmen wir uns, begleitend zur Ausstellung «Der böse Expressionismus – Trauma und Tabu», am Mittwoch, den 14. Februar um 19 Uhr dem Expressionismus in der Literatur. Der Literaturwissenschaftler Prof. Klaus Vondung hält dazu einen Vortrag mit dem Titel «Die Revolte des literarischen Expressionismus».
Die Autoren des literarischen Expressionismus wollten nicht nur eine neue Kunst mit neuen kühnen Formen und mit Themen, die bisher für Dichtung ungeeignet erschienen, sie wollten mit ihrer rebellischen Literatur gegen die Welt stumpfer Bürgerlichkeit protestieren, gegen die gesellschaftlichen Konventionen und die moralische Engstirnigkeit ihrer Zeit. Die expressionistische Revolte war auch eine Revolte der Jugend gegen die bedrückende autoritäre Herrschaft der Väter in Politik und Gesellschaft. Der Erste Weltkrieg, der dann die alte Welt des 19. Jahrhunderts tatsächlich vernichtete, wurde zur besonderen Herausforderung für die Expressionisten. Der Vortrag wird das Panorama expressionistischer Literatur an Beispielen entfalten.

Der Eintritt zu dem Vortrag beträgt den normalen Museumseintritt plus 3 Euro.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Ihr Team der Kunsthalle Bielefeld

 

 

 

Der böse Expressionismus - Trauma und Tabu

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«Wir wollen die Bürger nicht unterhalten. Wir wollen ihnen ihr bequemes, ernst-erhabenes Weltbild tückisch demolieren», propagiert Herwarth Waldens Sturm-Zeitschrift, eine der wichtigsten Publikationen des Expressionismus. Diese Ansage ist klar und eindeutig. Es ist die Kampfansage einer neuen Zeit an die Überzeugungen und Werte der alten; das Kampfmittel ist die Kunst.
Die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts waren eine Zeit größter Herausforderungen und existenzieller Verunsicherung, geprägt von Industrialisierung und proletarischem Massenelend, Landflucht, ausufernden Großstädten und Wohnungsnot. Die rückständige, an feudalen und militaristischen Idealen orientierte Gesellschaftsordnung des wilhelminischen Kaiserreiches war mit den rasanten Veränderungen heillos überfordert, der Kollaps kam mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914. Der Expressionismus war unter solchen Vorzeichen die Kunstform, mit der sich die Rebellion im Felde der Kultur Bahn brach; nach 1919 gewann er unter den neuen politischen Vorzeichen noch einmal an Vehemenz.
Die jungen KünstlerInnen, DichterInnen, SchauspielerInnen und TänzerInnen, selbst Bürgersöhne und -töchter zumeist, erlebten Bürgerlichkeit als Trauma und probten den Aufstand gegen rigide Normen und verlogene Konventionen. Die KünstlerInnen brachen Tabus, nahmen Drogen und beendeten Prüderie und Triebverzicht, um anstelle von Verdrängung und Neurose aus den Kräften des Trieblebens die Kraft für ihre Kunst zu ziehen. Sie lebten, frei nach Nietzsche und ermutigt von Sigmund Freud, die «Umwertung aller Werte» auf der Suche nach einem selbstbestimmten Dasein in einer Gesellschaft ohne Klassenschranken, zu ihrer Zeit nichts mehr als eine Utopie.
Einst skandalträchtige Außenseiter, sind die Expressionisten heute gesellschaftsfähig, ihre Bilder Millionen wert; als Zeugnisse pittoresker Bohème, farbenfroher Idyllen und Ansichten einer vermeintlich guten alten Zeit werden sie verharmlost und je nach Möglichkeit als dekorative, verlässliche Geldanlagen gesucht. Die Brisanz der Bilder droht im Wohlgefallen zu verschwinden.
Weil die Impulse, die vom Expressionismus ausgingen und die Fragen, die er in schonungsloser Offenheit gestellt hat, bis heute relevant und wichtig sind, wollen wir an die Virulenz und die Intentionen dieser «Zeiterscheinung» erinnern: Internationalität, Individualität, gesellschaftliches Miteinander und Toleranz stehen auch ein Jahrhundert später, und gerade heute, immer noch auf der Agenda.

Öffentliche Führungen

So + Feiertag 11.30–12.30 und 16-17 h / Mi 19–20 h

Eintritt + 2 Euro

Gruppenführungen: 60 Euro / für Schulen ab 35 Euro / für Kindergärten ab 30 Euro

mit Voranmeldung: T 0521 329995010

Auf unserer Website erfahren Sie, wer aus unserem Team an den einzelnen Terminen die öffentlichen Führungen kunsthistorisch begleiten wird.

Private Führungen

Private Führungen können auch außerhalb der Öffnungszeiten gebucht werden. Weiterhin bieten wir Fremdsprachenführungen und Führungen für Deutschlerner in Sprach- und Integrationskursen, sowie Führungen für Menschen mit Demenz an.

Anmeldung: T 0521 329995010

Kontakt


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Kunsthalle Bielefeld
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33602 Bielefeld

Telefon 05 21.329 99 50-0
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Telefax 05 21.329 99 50-50
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Öffnungszeiten
Di bis So 11 - 18 Uhr
Mi 11 - 21 Uhr, Sa 10 - 18 Uhr
Feiertage 11 - 18 Uhr
montags geschlossen

Öffentliche Führungen:
Mi 19 Uhr
So und feiertags 11:30 und 16 Uhr

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