
BRUT – Eröffnungsrede von Veronika Schneider
Sehr geehrte Damen und Herren,liebe Freunde und Bekannte — liebe Unbekannte,
geschätztes Publikum, liebe Gäste.
Ich begrüße Sie herzlich zur Eröffnung unserer Galerie dieschönestadt und hoffe, Sie haben alle gut hergefunden. — Diese Seite des Steintors liegt immer ein bißchen versteckt hinter Park und Straße. Als ich zum ersten Mal nach Halle kam, das war vor – ziemlich auf den Tag genau – 7 Jahren, da führte mein Weg vom Bahnhof in die Stadt wohl hier vorbei. Ich war ganz überwältigt vom morbiden Charme dieser Stadt, diese vom Leerstand gezeichnete graue Pracht hat mich fasziniert. Hier erschien mir Vieles als möglich. Das Interesse und eine Sensibilität für die Strukturen der Stadt sind seither gewachsen: in Halle gibt es vielfältige und kontrastreiche Orte zu entdecken. Und auch ein stetiger Wandel ist sichtbar: zwischen Erhalten, Verfall und mutigem Neuem. Halle fordert Initiative und Aktivität.
Zur feierlichen Eröffnung der Galerie heiße ich Sie also im Namen der Galerie dieschönestadt nochmals herzlich und besonders willkommen.
dieschönestadt, das ist im Grunde eine heterogene Gruppe. Zum einen sind da neun junge Künstler und Künstlerinnen. Kennengelernt haben wir uns beim Studium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Ziemlich bald fingen wir an in unterschiedlichen Konstellationen gemeinsam an Projekten zu arbeiten — sowohl in Halle als auch auswärts. Dabei lernten wir einander und die unterschiedlichen künstlerischen Ansätze schätzen. Über die Kunst wurde kontinuierlich geredet, gestritten und sich verständigt. „Wir“ Künstler sind in Halle auf Menschen getroffen, deren Arbeitswelt ganz anders gelagert ist: in der Juristerei, Wirtschaftsforschung, Architektur und im Kultur-Management. Vereint sind wir alle jedoch in dem Interesse für einen Ort, an dem wir leben und arbeiten können und für den wir uns eine vitale Kultur-Szene wünschen.
2006 hat sich dieser lose Haufen in einem Verein begründet, hat Künstler und Künstlerinnen aus Karlsruhe – einer Partnerstadt von Halle – eingeladen und mit Intershop IV den ehemaligen Kondi-Supermarkt in der Stegpassage zum Ort der Kunst erklärt. Unterstützung bekamen wir damals von der Bundeskulturstiftung. Im letzten Jahr – 2007 – wurde dieschönestadt als Künstlergruppe aktiv: Ein Schilderwald aus emaillierten Platten auf Holzständern wurde zur #UND 2 in Karlsruhe, zur 24-Stunden-Ausstellung in Leipzig und zum Jahresrundgang an der Burg installiert.
Und nun tritt dieschönestadt als Galerie aus dem Verein hervor. Sie begibt sich damit in beste Gesellschaft – es florieren die Galerien in der Stadt Halle. Das ist nicht zuletzt der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalts zu verdanken, die mit ihrem Programm „Rent a gallery“ Anreiz und Möglichkeiten geschaffen hat. Auch wir haben einen Antrag auf Förderung eingereicht, die Entscheidung fällt Anfang April. Mit viel Eigenleistung, großartiger Hilfe aus dem Freundeskreis und schier unglaublicher Unterstützung aus der Privatwirtschaft kann dieschönestadt jedoch bereits heute eröffnen.
An dieser Stelle möchten wir uns bedanken: Bei der Firma Huhtamaki für 2000 Sektflöten, bei der Rotkäppchen Sektkellerei für die dazugehörige Befüllung, für das Buffet bei Herrn Kautz, der die Firmen Event-Catering und Druckwelle in seiner Person vereint. Musikalischen Genuß bereitet uns im Anschluß Friedemann vom Filmkunstverleih Format, die Firma Überschall stellt das Equipment. Unser ganz persönlicher Dank geht an Ansen, Lasse, Sören, Magda, Katharina, Andreas, Thomas, Rita, Thorsten, Mark, Susanne, Doreen, Janine und Fergus für die tatkräfige Unterstützung.
Auch zukünfig werden wir bemüht sein um verzweigte Kontakte und um die Förderung durch Firmen, Institutionen und interessierte Privatpersonen. Denn Kunst und Kultur machen nicht nur DIE STADT SCHÖNER, sie bewirken vorallem Auseinandersetzung, sie bereichern und stecken mit Ideen an. Für einen vitalen gesellschaftlichen – als auch politischen – Prozeß ist sie als kommunikative Ebene zwischen Alltag und Utopie unerläßlich. Die verschärfte Situation im Osten Deutschlands fordert den Aufbruch in eine neue Lebens- und Arbeitswelt um so drastischer.
Da ist es „Gold“ wert – oder eben die erste Ausstellung – , derart wahr- und ernstgenommen zu werden.
Mir scheint, es ist, wie es mir schon anfangs in Halle erschien: Vieles ist möglich.
Ganz real, an diesem Ort hier, der ab heute die Galerie dieschönestadt beherbergt. Wir haben diesen Ort mit einer Vision verbunden. Hier erschaffen wir eine Struktur, in welcher die Erfahrungen aus den vergangenen, gemeinsamen Projekten und die verbundenen Kontakte zusammenfließen. Um nach dem Studium existieren zu können – das haben wir festgestellt – sind all unsere Zusatzkompetenzen gefordert. Um als Künstler und Künstlerinnen zu existieren, braucht es ein tragfähiges Netzwerk. Wir nennen es dieschönestadt. Im Zentrum steht der Wunsch, Raum zu schaffen für Ausstellungen und Austausch. dieschönestadt blickt dabei besonders auf die aktuelle bildende Kunst.
Im Sinne einer Produzentengalerie wollen wir unsere eigene künstlerische Arbeit sichtbar machen – wir wollen selbst Ausstellungen inszenieren, Öffentlichkeit herstellen, – und als Akteure auf einem Kunstmarkt mitmischen, dessen Regeln nicht einfach gelten sondern beständig neu formuliert werden.
Wir sind an einer professionellen Zusammenarbeit mit Künstlern und Künstlerinnen interessiert – aus ganz Deutschland und über die Ländergrenzen hinaus. dieschönestadt ist eine Plattform, auf der Kunstschaffende und Kunstinteressierte aufeinandertreffen. Neben der Personalschau sind auch thematisch orientierte Gruppenausstellungen Teil unseres Konzeptes. Gerade für Projekte und Aktionen im öffentlichen Raum planen wir die Zusammenarbeit auch mit jungen Künstlergruppen. Vorgesehen und in Arbeit ist auch ein begleitendes Rahmenprogramm zu den Ausstellungen, das mit Hilfe junger Kunstvermittler und Theoretiker den Diskurs anregt und eine Schnittstelle zu anderen Künsten bilden kann — zur Musik, Literatur oder dem Theater beispielsweise. Als Galerie wollen wir inhaltlich relevante Positionen entdecken, fördern und ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Produzenten für Produzenten – unser Profit ist der künstlerische Mehrwert und der Ausblick auf eine erfolgreiche Vermittlung an Interessenten.
Lassen Sie mich zusammenfassen: dieschönestadt, das ist neben einem Verein, in dem sich Kunstschaffende und Kunst-Interessierte treffen, eine zeitweilige Künstlergruppe und nun langfristig eine Galerie. Vorallem aber gegreifen wir dieschönestadt als Idee der Vernetzung und der Vielheit und als real-existierender Weg zur Utopie.
Mit Ihnen, wertes Publikum, freuen wir uns in der Galerie dieschönestadt eine Auseinandersetzung mit aktueller Kunst in Halle zu führen.
Wir halten Sie auf dem Laufenden, besuchen Sie unsere Website (www.dieschoenestadt.de), fordern Sie unseren Newsletter an und besuchen Sie uns wieder hier am Steintor.
Vorab darf ich Sie zur Eröffnung der Ausstellung Bande 1 am nächsten Freitag einladen.
Und nun lassen Sie uns anstoßen auf eine schöne Stadt.
Kontakt
dieschönestadt
Am Steintor 19
06112 Halle
post@dieschoenestadt.dehttp://www.dieschoenestadt.de
Telefon: 0345-9590259
Am Steintor 19
06112 Halle
post@dieschoenestadt.dehttp://www.dieschoenestadt.de
Telefon: 0345-9590259
Kultur aktuell in
Newsletter
Aktuelles
Premieren
07.02. - 15 Uhr
Weißenfels - Heinrich-Schütz-Haus Weißenfels
Absage Konzert / Eröffnung der neuen Vortragsreihe
07.02. - 14 Uhr
Magdeburg - Theater Poetenpack
Taboris Farce MEIN KAMPF im T-Werk
31.01. - 22 Uhr
Stendal - Theater der Altmark Stendal
Theater der Altmark - Newsletter
Freyburg (Unstrut) - Schloss Neuenburg in Freyburg
Die Sprache der Steine
Magdeburg - Theater Poetenpack
DER ZERBROCHENE KRUG
Magdeburg - Theater Poetenpack
AMPHITRYON