
H. J. Rohwer, DIE HEISSE STADT
»Tiflis – Diese Stadt soll unser Thema werden. Wie sie lebt, wächst, abstirbt, kämpft, stinkt, fordert, einbettet, behütet, beherbergt, verrät, verletzt, verliert und gewinnt.«Unmittelbar nach dem Weihnachtsfest in Deutschland beginnt die ereignisreiche Reise durch den Kaukasus nach Tiflis. Mehr als siebzig Jahre lang hatte es Weihnachten offiziell hier nicht geben dürfen, und die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest am 7. Januar haben eben erst begonnen …
Der Protagonist, ein Autor, fliegt von Köln direkt nach Tiflis mit dem Auftrag, für einen Dokumentarfilm passende Drehorte zu fotografieren. Die junge Nino begleitet ihn, und in Tiflis werden sie in der Pension von Bekannten ihrer Eltern wohnen. Wie werden beide über einen längeren Zeitraum miteinander auskommen? Mit der großen Familie und vor allem: mit einem Tiflis im politischen und gesellschaftlichen Wandel?
Nino begleitet den Autor durch ihre Stadt. Hier pulsiert das Leben, aufregend lebendig und voller kurioser Überraschungen, dazwischen immer wieder Gelage mit Freunden und Familie. Sie besuchen einen Zoo, in dem es kaum Tiere gibt, essen Chaschi, eine gewöhnungsbedürftige Brühe aus Pansen und Rinderhufen, unternehmen eine strapaziöse Wanderung hinauf in die Berge, und treffen überall auf lebhafte und sympathische Begleiter. Beeindruckend ist die selbstverständliche Nähe der Menschen zueinander und ihre unerschöpfliche Gastfreundschaft, und neben den vielen alten und neuen Mängeln der täglichen Versorgung ist überall große Vorfreude zu spüren auf eine neue Zeit.
Leseprobe
»Wir wollten das alles gemeinsam mit unseren künstlerischen Mitteln festhalten. Und ganz klar Spraydosen benützen. Auf den Kopf gestellt und heftig geschüttelt, dabei immer mit festem Blick auf die Fläche, die Leinwand oder was plötzlich besprüht werden soll. Per Knopfdruck entlädt sich der Farbdampf. Man knallt ihn einfach so hin und muss aufpassen, dass einem nicht noch die Faust dabei ausrutscht und ein Loch in den Bildträger schlägt. Kein glitschiges Rühren mit sensiblen Rotmarderhaaren und zähem Ölbrei, kein theoretisch mahnender Zeigefinger, sondern eine klare Rechte voll ans Kinn. Je nachdem.«
Der Autor
Hans Joachim Rohwer wurde 1957 geboren. Er absolvierte ein Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften und schloss mit der Magister-Prüfung ab. Es folgten verschiedenste Berufstätigkeiten und Auslandsreisen, die ihn auch in den Kaukasus führten.
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