
VERBRANNT
Augsburg, 02.02.10: Am 13. Februar 2010, wenn das Augsburger Brecht Festival gerade wieder vorbei ist, feiert man im S‘ensemble Theater die nächste Premiere und Deutsche Erstaufführung: VERBRANNT vom dänischen Autor Peter Hugge beschäftigt sich auch mit Brecht, allerdings steht er hier nicht im Mittelpunkt sondern Ruth Berlau. Die dänische Schriftstellerin, Schauspielerin, Regisseurin und Fotografin ist eine von Brechts zahlreichen Geliebten und Mitarbeiterinnen, die ihn allerdings wie sonst keine andere durch alle Stationen des Exils bis nach Amerika und am Ende Ost-Berlin begleitete. Der Text zeigt die Widersprüche zwischen der Utopie einer gerechteren Gesellschaft, für die Berlau kämpft und die Brecht beschreibt, und dem Leben, das er als Ehemann und Liebhaber führt.Der Autor Peter Hugge sagt: „ VERBRANNT is a triangle drama with very strong characters. In what way do erotic issues affect political issues and vice versa? I think what made me interested in Ruth Berlau was her way of living, her way of thinking and her frivolous language and thoughts. She was very courageous in many ways. She had a lot of devils in her mind and she was strong and weak at the same time.” Wie schon beim Mozartfest 2006 mit “Mozart in Paradise” und dem Stück „Pfaffenschnitzel“ zum Mozart-Bäsle-Jahr 2008 setzt das S’ensemble Theater damit wieder einen Kontrapunkt zum üblichen Festivalprogramm und bietet einen Beitrag jenseits der üblichen Trampelpfade. In diesem Fall auch jenseits dessen, was für die Brecht-Erben zumutbar ist und deshalb beim Festival nicht gezeigt werden darf.
Für das S‘ensemble Theater bleibt es allerdings dabei: VERBRANNT ist eine faszinierende Studie über drei große Charaktere in erschütternden Zeiten. Ein schicksalhaftes Dreigestirn, dass es sehr wohl wert ist, genauer betrachtet zu werden. Übrigens gewinnt das Thema derzeit auch aus anderem Grund wieder an Brisanz. Denn vor etwa einem Jahr sind bislang unbekannte Briefe von Berlau an Brecht aus den Jahren 1955 und 1956 aufgetaucht. „Sie zählen zu den spektakulärsten Dokumenten aus Brechts Umfeld, die in den letzten Jahrzehnten bekannt wurden“, so der Augsburger Brecht-Spezialist Jürgen Hillesheim, der die Briefe jüngst ausgewertet hat.
VERBRANNT (DE) von Peter Hugge, aus dem Dänischen von Louise Emcken und Egon Netenjakob. Premiere am 13. Februar 2010. Im S’ensemble Theater Augsburg.
Regie: Sebastian Seidel, Assistenz: Gianna Formicone, Visuals: Eric Zwang Eriksson. Es spielen: Tinka Kleffner (Ruth Berlau), Daniela Nering (Helene Weigel), Ronald Hansch (Bert Brecht). Stimmen: Christel Peschke (Die Person), Florian Fisch ( Der Schwede), Eberhard Peiker (Stalin).
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