
Das geheimnisvolle Grab 63
Es wurde als die archäologische Sensation des 21. Jahrhunderts bezeichnet: Das 2006 von amerikanischen Ägyptologen im Tal der Könige auf dem Westufer von Theben entdeckte Grab. Es erhielt die Nummer 63, denn das zuletzt in der berühmten Ruhestätte der Pharaonen aufgespürte Grab war der 1922 gemachte Fund von Tutanchamun, Grab-Nr. 62. Seitdem vermutete man, das Tal sei inzwischen so durchwühlt worden, dass es unmöglich weitere Schätze bergen könne.Umso überraschender und rätselhafter war nun die 84 Jahre später gemachte Entdeckung im völlig ausgegraben geglaubten Königstal. Die kleine in den Fels gehauene Grabkammer ist keinem Pharao oder einer anderen Person zuzuweisen. Sie enthält sechs große mumienförmige Holzsärge, aber keine darin befindliche Mumie. Ferner wurden jüngst zwei in den großen Särgen verborgene goldene Kindersärge entdeckt, die aber ebenfalls leer waren. Sonst fanden sich im Grab noch 28 große Tonkrüge. In einem solchen befand sich in Einzelteile zerlegt eine Bestattungsbahre, die inzwischen wieder zusammengesetzt ist und seit kurzem als allererstes Objekt aus diesem Grab im Mumifizierungsmuseum in Luxor für die Öffentlichkeit zu besichtigen ist.
Neueste Untersuchungen interpretieren den Fund als rituelle „Bestattung“ von Material, das bei einer königlichen Grablege benutzt wurde, jedoch nicht in das Königsgrab gelangen sollte. Solche von Ägyptologen „Mumifizierungs-Verstecke“ genannte Kammern haben sich in Ägypten schon mehrmals nachweisen lassen. Das besonders interessante am Grab Nr. 63 ist, dass die Särge wohl in der Zeit von Pharao Amenhotep III. (18. Dynastie, 1390-1353 v. Chr.) gefertigt worden sind, jedoch erst nach der Regierungszeit seines berühmten Sohnes Echnaton im Tal der Könige Verwendung fanden. Darauf weisen Siegelabdrücke, die aus der Zeit von Pharao Tutanchamun, Echnatons Sohn, datieren.
Es wird noch ziemlich lange dauern, bevor das Grab ganz ausgeräumt ist, denn besonders die Särge sind äußerst fragil und kaum in ihrem Originalzustand zu retten. Um diesen jedoch genau zu dokumentieren, wurde eine für die Chicagoer Universität in Luxor arbeitende Zeichnerin, Susan Osgood, damit beauftragt, ganz besonders genaue Zeichnungen von den Särgen aus dem Grab anzufertigen.
In der von den Ägyptologen des Ägyptischen Museums der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität (Bonn) und des Museum August Kestner (Hannover) gemeinsam konzipierten Ausstellung werden diese Zeichnungen weltweit erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Ausstellung wird durch altägyptische Originale der beiden deutschen Museum ergänzt, die entweder im Tal der Könige gefunden worden sind oder mit den Pharaonengräbern des Neuen Reiches in enger Verbindung stehen.
Katalog zur Ausstellung: 240 Seiten, 115 Abb.; Verlag Marie Leidorf, Rahden (Westf.); 19,80 €
Informationen
www.museum-august-kestner.de
Kontakt
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30159 Hannover
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